Merkel übernimmt keine Verantwortung für CDU-Debakel - die Kritik der Medien fällt heftig aus

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ANGELA MERKEL
Eine Medien sehen eine "Kanzlerinnendämmerung" am Horizont | Kai Pfaffenbach / Reuters
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  • Angela Merkel sieht keine Schuld bei sich für das schlechte Wahlergebnis der Union
  • Die Abrechnung der Medien mit der Kanzlerin ist gnadenlos

Angela Merkel hat am Wahlabend ihren Schröder-Moment erlebt.

Die Kanzlerin kam in die Elefantenrunde am Sonntag in der ARD als wäre gerade gar nichts passiert. Dabei hatte die CDU ihr schlechtestes Ergebnis seit 1953 eingefahren.

Es erinnerte schwer an SPD-Kanzler Gerhard Schröder, der am Abend seiner Abwahl nichts von einer Niederlage wissen wollte. Sein Gegenüber damals: Angela Merkel.

Die Kanzlerin, so die allgemeine Lesart, hat gleich die CSU mit in den Abgrund gerissen. Auch die Christsozialen stürzten auf einen historischen Tiefstand ab.

Bei einer Pressekonferenz am Montag pampte die Kanzlerin dann die versammelten Journalisten an: "Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssten", sagte Merkel am Montag nach Beratungen der CDU-Spitze in Berlin über mögliche Fehler im Wahlkampf.

"Ergebnis ist eine Schmach"

Die Medien reagieren wiederum mit Entsetzen - und sagen Merkel unangenehme Wochen voraus.

So kommentiert die "Stuttgarter Zeitung": "Das Ergebnis ist eine Schmach. Nie zuvor hat ein christdemokratischer Kanzler seine Partei so klein regiert. Merkel sagt hingegen: Sie habe ihre strategischen Ziele erreicht - deren wichtigstes war, die eigene Macht zu verteidigen."

Und die Stuttgarter legen nach: "Merkels trotziges 'Ich bin nicht enttäuscht' ist das Gegenteil von 'Wir haben verstanden'. Die Reaktion verrät einen eklatanten Mangel an Demut. Aus Merkels Satz spricht die Arroganz der Macht."

Und diese Arroganz könnte gar dazu führen, dass Angela Merkel den Ernst der Lage nicht erkennt. Denn Merkel droht aus Bayern in den nächsten Wochen starker Gegenwind.

”CSU befindet sich im Überlebenskampf”

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt über die CSU und ihren Vorsitzenden Seehofer: "Der Absturz auf 38,8 Prozent hat die Partei schwer getroffen. Horst Seehofer muss um sein politisches Überleben kämpfen."

Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sieht in München eine Gefahr für Merkel: "Für die CSU gibt es keinen schlimmeren Albtraum als den Verlust der absoluten Mehrheit. Seehofer wird, das unrühmliche Ende seiner Vorgänger vor Augen, alles daran setzen, die Alleinregierung zu verteidigen."

Die CSU befindet sich aus Sicht der "FAZ" in einem Überlebenskampf, den der laufende Erbfolgestreit um die Nachfolge Horst Seehofers als Parteichef noch erschwere. "Diese Kombination könnte auch für die angeschlagene Merkel gefährlich werden."

“Mit Jamaika beginnt die Kanzlerinnendämmerung”

Das vermutet auch die "Ludwigsburger Kreiszeitung".

Sie bilanziert: "Das System Merkel hat ausgedient. Bislang hat die Kanzlerin ihre Koalitionen immer damit gerettet, dass sie die Union konsequent ihren Partnern angeglichen hat."

Doch das werde mit einer wilden CSU und den streitbaren Liberalen und Grünen nun schwierig.

"Mit Jamaika beginnt die Kanzlerinnendämmerung bei der Unterschrift des Koalitionsvertrages. Und nicht erst in drei oder vier Jahren."

Und noch ein Problem erwartet Merkel, glaubt der "Trierische Volksfreund": "Es gärt in der Union. Nicht nur wegen Horst Seehofer. Sondern auch, weil Angela Merkel im Moment nicht erkennen lässt, dass sie Lehren aus dem desaströsen Ergebnis für die Union bei der Bundestagswahl ziehen will."

”Besser wäre, sie ginge”

Die "Zeit" wartet gar mit einer drastischen Forderung auf: "Auch vermeintliche Wahlgewinnerinnen können dramatische Verlierer sein. So erging es Angela Merkel mit ihrer CDU und der CSU am Sonntag, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollte. Denn die Union ist zwar weiterhin stärkste Kraft. Aber was heißt das schon?"

Für die "Zeit" ist die Antwort klar: "Die Kanzlerin kann ihr Amt nach ihrem Wahldebakel nur in einem schwierigen Viererbündnis behalten. Besser wäre, sie ginge. Dann würde Deutschland nicht wie Österreich."

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(ll)

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