POLITIK
25/09/2017 09:38 CEST | Aktualisiert 25/09/2017 09:38 CEST

Überhangmandate und Ausgleichsmandate: Das müsst ihr nach der Wahl wissen

Fabrizio Bensch / Reuters
709 Politiker werden jetzt im Plenum sitzen, vorgesehen sind normalerweise 598 Sitze.

  • Im nächsten Bundestag könnten nach der Wahl so viele Abgeordnete sitzen wie nie zuvor in der Bundesrepublik

  • Grund dafür ist das zweigeteilte Wahlsystem mit ihren Überhangmandaten

  • Ausgleichsmandate gleichen die durch Überhangmandate verfälschte Sitzverteilung wieder aus

Nach der Wahl erwartet den Bundestag die größte Abgeordnetenzahl seit 1949. 709 Politiker werden jetzt im Plenum sitzen, vorgesehen sind normalerweise 598 Sitze. Grund dafür ist unser Wahlsystem, das sogenannte Überhang- und Ausgleichsmandate zulässt.

Wahlsystem mit Erst- und Zweitstimme

Jeder Wahlberechtigte hat zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählt jeder einen Direktkandidaten einer Partei. Der Kandidat, der in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen erhält, zieht in den Bundestag ein.

Mit der Zweitstimme entscheidet sich der Wähler für eine Partei. Diese Stimme entscheidet darüber, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag bekommt.

Diese Sitze werden dann zuerst durch die Direktkandidaten und dann mit den Listenkandidaten der einzelnen Bundesländer besetzt.

So entstehen Überhangmandate

Ein Problem entsteht, wenn die Wähler bei der Erst- und Zweitstimme unterschiedliche Parteien wählen. Das kann dazu führen, dass eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate gewinnt, als ihr durch das Verhältnis der Zweitstimmen zustehen.

Bei der Bundestagswahl 2013 beispielsweise erreichte die CSU in Bayern drei Überhangmandate und erhielt somit 56 statt 53 Sitze.

Tritt dieser Fall ein, erhält die Partei mehr Sitze im Bundestag, als ihr prozentual zustehen. Diese Sitze sind sogenannte Überhangmandate.

Mehr zum Thema: Bundestagswahl 2017: Warum Selfies in der Wahlkabine verboten sind

Ausgleichsmandate zur Wiederherstellung des Sitzverhältnisses

Für die restlichen Parteien sind die Überhangmandate ungerecht, weil sie jetzt anteilig an der Gesamtzahl der Abgeordneten zu wenig Sitze besitzen. Deswegen existieren seit der Wahlrechtsreform 2011 sogenannte Ausgleichsmandate.

Um die Überhangmandate auszugleichen, erhalten die anderen Parteien folglich so viele weitere Sitze, bis das Verhältnis der Sitzverteilung wieder stimmt (Ausgleichsmandate).

Ein Beispiel: Die CSU war ab 2013 die kleinste Partei im Bundestag. Die drei Überhangmandate der CSU hatten auf die Größe des Bundestags eine große Auswirkung, weil sie einen großen Anteil im Verhältnis zum kleinen Stimmenanteil der CSU hatten.

Deswegen mussten den anderen Parteien viele Mandate hinzugefügt werden, um die Sitzverteilung wieder dem Ergebnis der Zweitstimmen anzugleichen.

In den vergangenen vier Jahren saßen also mit 631 Sitzen 33 Abgeordnete mehr im Plenarsaal des Bundestags als eigentlich vorgesehen ist.

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(cho)

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