POLITIK
25/09/2017 13:44 CEST | Aktualisiert 03/11/2017 10:14 CET

Politiker und Prominente diskutieren auf der HuffPost-Wahlparty über die Folgen des AfD-Einzugs in den Bundestag

HuffPost
Cherno Jobatey im Gespräch mit Günther Oettinger

  • Wir haben mit Politikern und Prominenten am Sonntagabend in Berlin über die Bundestagswahl gesprochen

  • Das haben unsere Gäste zum Einzug der AfD in den Bundestag gesagt

Es war ein denkwürdiger Abend. Ein Wahlbeben, wie Kommentatoren schrieben. Und doch kamen rund 200 Gäste zur Wahlparty der HuffPost und der Odewald Networking Communication GmbH, die zusammen mit dem DIW, dem Zentrum für Gesellschaftlichen Fortschritt und dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands im Berliner China Club veranstaltet wurde.

Unter den Gästen Dutzende Prominente aus Politik, Sport und Entertainment.

Moderiert wurde der Abend von HuffPost-Herausgeber Cherno Jobatey, der viele der prominenten Gäste auf der Bühne interviewte - Tausende verfolgten die Diskussionen auch bei Facebook, wo die Runde live übertragen wurde.

HuffPost-Live-Talks zur Bundestagswahl 2017

Das große Thema des Abends: Wie geht es weiter, nachdem mit der AfD künftig eine rechtsgerichtete Partei im Bundestag sitzt? Wie müssen etablierte Parteien auf diese Herausforderung reagieren?

"Ich glaube, die AfD wird sich im Bundestag selbst entzaubern", sagte Günther Oettinger

Deutliche Worte gleich zu Beginn des Abends von EU-Kommissar Günther Oettinger: “Die SPD hat sich aus der Verantwortung gezogen, indem sie in die Opposition geht,” sagte er. Gleichzeitig attestiert Oettinger den etablierten Parteien, dass sie die Sorgen und die Verärgerung vieler Bürger unterschätzt hätten.

EU-Kommissar Günther Oettinger im Gespräch mit HuffPost-Herausgeber Cherno Jobatey

Auch die Union, die dramatisch an Zustimmung verloren hat. Nach ersten Schätzungen wechselten rund eine Million Unions-Wähler zur AfD. “Wie wollen sie die wieder einfangen?”, fragte Jobatey seine Gäste.

“Ich glaube, die AfD wird sich im Bundestag selbst entzaubern. Aber das reicht nicht. Die neue Koalition muss den Ehrgeiz haben, mehr Gemeinsamkeit durch Kompromiss herauszuarbeiten”, sagte Oettinger.

"Höhle der Löwen"-Mann Frank Thelen sieht Digitalisierung als wichtigstes Thema der kommenden Jahre

Gründer und Investor Frank Thelen fand ebenfalls klare Worte: “Mit der AfD haben wir alle gemeinsam viel Bockmist gebaut.”

Für den "Höhle der Löwen"-Mann ist Digitalisierung eines der wichtigsten Themen. “Das Thema Digitalisierung wurde leider nur von der FDP stark kommuniziert. Der Rest konnte das Thema nicht ernsthaft platzieren. Wenn ich heute sehe, wie schwierig es ist, eine Firma zu gründen, seinesgleichen Steuererklärung abzugeben. Wir sind nicht digital, wir sind analog.”

Linke-Chefin Katja Kipping will einen Neuanfang

Für Linke-Parteivorsitzende Katja Kipping wiederum ist ein Neuanfang der einzige Weg. “Ich glaube, wir müssen uns alle neu aufstellen und für neue Mehrheiten kämpfen.”

Aber wie? Die Linke ist stark im Osten, die AfD aber auch. “Dass es im Osten so einen so großen Nährboden für die rechte Propaganda gibt, liegt, glaube ich, eher an der Regierung”, sagte Kipping.

katja kipping

Weder Armut noch Arbeitslosigkeit seien eine Entschuldigung dafür, zum Rassisten zu werden. “Aber es sind weniger die Existenzängste der ganz Abgehängten als die Ängste derjenigen, die noch etwas zu verlieren haben.”

Und speziell für Sachsen sagte Kipping: “Seit der Wende hat sich die CDU-Landesregierung gegenüber braunen Strukturen ignorant gezeigt und die Augen davor verschlossen, dass es eine sich verfestigende braune Struktur gibt.”

Rainer Wendt sagt, Wutbürger wurden nicht ernst genug genommen

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund, zeigte sich nicht überrascht vom Wahlergebnis. Warum haben es die etablierten Parteien nicht geschafft, die Stimmung einzufangen?

rainer wendt

“Ich habe den Eindruck, dass man das einfach nicht ernst genug genommen hat, was bei den sogenannten Wutbürgerinnen und -bürgern so angekommen ist. Man hat vielleicht auch unter dem Eindruck der vorangegangenen Landtagswahlen gedacht, naja, wir bummeln uns schon irgendwie eine Koalition zusammen.”

"Schockiertheit nützt nichts", sagt Diana Kinnert

Diana Kinnert, CDU-Politikerin und Buchautorin, war im ersten Moment sehr erschrocken über das Ergebnis der AfD. “Gleichzeitig weiß ich, dass Schockiertheit nichts nützt.”

kinnert

Was ist falsch gelaufen bei der Union? “Zuallererst glaube ich, dass nicht die Union die alleinige Schuldige ist, dass eine populistische Partei in Deutschland im Aufwind ist. Wir haben eine große Koalition gehabt, die dafür gesorgt hat, dass die beiden großen Parteien Debatten meiden.”

Die Opposition sei gleichzeitig zu klein gewesen, um die Debatten alleine zu führen. “Gleichzeitig weiß man, dass die AfD ihr Klientel aus allen sozialen Schichten und aus allen Parteien speist.” Natürlich auch aus der CDU, was daran liegen mag, dass das konservative Mindset auch traditionalistisch ist und sich viele AfD-Anhänger nach einem Gestern sehnen würden.

Die ganze Podiumsdiskussion zum Nachschauen auf Facebook

Über zwei Stunden diskutierte Cherno Jobatey mit den Gästen. Darunter waren auch Eberhard Diepgen, ehemaliger Berliner Bürgermeister, Startup-Gründer Robin Tech, Daniela Schwarzer, Direktorin des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Reiner Holznagel, der Präsident vom Bund der Steuerzahler, Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, und die amtierende Miss Germany Soraya Kohlmann und der ehemalige polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski.

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Auf Facebook übertrug die HuffPost die Veranstaltung live. Alle Interviews gibt es hier noch einmal zum Nachschauen.

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Trotz intensiver Diskussionen blieben viele Gäste fast bis Mitternacht und ließen den Abend, der unser Land verändern wird, bei Rotwein und chinesischem Fingerfood ausklingen.

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