POLITIK
25/09/2017 21:55 CEST | Aktualisiert 26/09/2017 09:17 CEST

Auf diese 10 Newcomer im Bundestag freuen wir uns

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Auf diese 10 Newcomer im Bundestag freuen wir uns

  • Deutschland stehen schwierige politische Monate und Jahre bevor

  • Umso dringender braucht es im Bundestag frischen Wind und neue Ideen

  • Wir stellen euch 10 vielversprechende Parlaments-Newcomer vor

Es sind beunruhigende Tage für die deutsche Demokratie.

Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges zieht eine große rechte Fraktion in den Bundestag ein.

Klare Regierungsmehrheiten gibt es nicht, auf das politische Berlin könnten zähe Koalitionsverhandlungen zukommen: In einer Zeit, in der man den Eindruck gewinnt, dass besser früh als spät eine stabile Regierung stehen sollte.

Bei all diesen berechtigten Sorgen, die viele Deutsche teilen, geht eines unter: Im Jahr 2017 sind wieder viele junge, vielversprechende Newcomer in das Parlament eingezogen. Auch an ihnen wird es jetzt sein, Antworten auf die drängenden Fragen zu finden, wie das Deutschland aussehen soll, in dem wir in vier Jahren leben.

Denn wer könnte die Zukunft des Landes besser gestalten, als junge Menschen, die so direkt wie niemand anderes von den heutigen Entscheidungen betroffen sind?

Auf diese 10 Bundestags-Neulinge unter 35 Jahren solltet ihr in den kommenden Jahren besonders achten:

Paul Ziemiak (CDU), 32 Jahre alt

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Politisch Interessierten ist er längst ein Begriff: Der Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak. Jetzt zieht der 32-Jährige über die Landesliste in Nordrhein-Westfalen in den Bundestag ein. Ziemiak ist ein echter Konservativer, einer, der auch mal Parteichefin Angela Merkel kritisiert, die Große Koalition einst als "großes Chaos" tadelte.

Der CDU-Mann ist sicherlich nicht der klassische Jungpolitiker, auch in der Jungen Union ist Ziemiak wegen seiner manchmal rauen Art nicht unumstritten. Doch er ist einer, der sich einsetzt, zum Beispiel beim Thema Rente "große Reformen“ fordert, statt wie seine Parteiführung den Status quo zu beschwören.

Und: Ziemiak weiß, sich zu verkaufen. In den sozialen Medien ist der Chef der Jungen Union stark wie wenige seiner Parteikollegen, in den Talkshows der Nation hat er bereits jetzt einen festen Platz.

Fazit: Einer für Wolfgang Bosbachs Fußstapfen.

Konstantin Kuhle (FDP), 28 Jahre alt

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Auch Konstantin Kuhle ist Vorsitzender einer Jungpartei: Er leitet die Geschicke der Jungen Liberalen. Der 28-Jährige bringt dabei alles mit, was einen erfolgreichen Politiker ausmacht. Trotz seines jungen Alters gehört Kuhle rhetorisch schon jetzt zu den herausragenden Figuren der FDP.

Der JuLi-Chef studierte Jura an der privaten Elitehochschule Bucerius Law School in Hamburg. Als elitär will er trotzdem nicht wahrgenommen werden, er suchte stärker als andere FDP-Kandidaten den Kontakt zu den Bürgern, bloggte auch in der HuffPost über seinen Wahlkampf.

Kuhle ist das moderne Gesicht einer modernen Partei, fordert Optimismus, Mut zu Europa und ein entschiedenes Eintreten gegen die AfD. Und: Kuhle plädierte schon vor Jahren für ein "neues Verhältnis zu den Grünen".

Fazit: Kuhle könnte ein Motor der Jamaika-Koalition werden. Einer für die vorderen Reihen.

Elvan Korkmaz (SPD), 32 Jahre alt

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Elvan Korkmaz zieht für die SPD zum ersten Mal in den Bundestag ein. Trotzdem war sie am Sonntag "verdammt traurig", wie sie zu Protokoll gab. Der Erfolg der AfD sei eine "Klatsche für die gesamte Demokratie“.

Dass die SPD schon am Sonntag beschloss, in die Opposition zu gehen und der AfD nicht die Rolle als Oppositionsfüher zu überlassen, dürfte Korkmaz zumindest ein wenig erleichtert gestimmt haben.

Die 32-Jährige aus Gütersloh in Ostwestfalen hatte bereits bei der Urabstimmung 2013 gegen eine Große Koalition gestimmt. Sie gehört zum linken Parteispektrum, will etwa Leiharbeiter besser bezahlen lassen als Festangestellte.

Korkmaz sagt, sie habe einen "kurzen Draht zu Andrea Nahles", der beste Chancen auf den Fraktionsvorsitz nachgesagt werden. Sie will sich im Bundestag um Sozial- und Verkehrspolitik kümmern.

Fazit: Eine für den Neuanfang. Die Handynummer von Nahles wird ihr nicht schaden.

Danyal Bayaz (Grüne), 33 Jahre alt

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"Mich beeindruckt Danyals wirtschaftspolitischer Sachverstand", sagt Grünen-Chef Cem Özdemir über Danyal Bayaz. Der 33-jährige Heidelberger ist dank des starken Wahlergebnisses der Grünen in Baden-Württemberg erstmals über die Liste in den Bundestag eingezogen.

Bayaz gehört in seiner Partei zu denen, die sich eine Jamaika-Koalition vorstellen können. Allein das könnte ihn nun in den Vordergrund rücken. "Gutes Wirtschaft, gutes Klima", fordert der Grüne, der in Stuttgart und New York über Finanzmärkte promovierte.

Das klingt, wie etwas, das man über einen hypothetischen Koalitionsvertrag von Grünen und Liberalen schreiben würde.

Dennoch hat Bayaz die typisch grüne Unbequemlichkeit verinnerlicht: In der Flüchtlingskrise etwa nimmt er auch die Wirtschaft in die Pflicht. Man könne sich nicht nur den "syrischen Ingenieur herauspicken", sagte Bayaz in seiner Bewerbung für die Bundestagskandidatur. "Auch die Unternehmen müssen ihren Beitrag zu diesem Kraftakt leisten."

Fazit: Ein Pragmatiker mit Überzeugungen. Genau das, was die Grünen brauchen, wenn sie regieren wollen.

Gökay Akbulut (Die Linke), 34 Jahre alt

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Ebenfalls aus Baden-Württemberg zieht Gökay Akbulut nach Berlin. Die 34-jährige Linke-Politikerin aus Mannheim hat über die Landesliste den Einzug ins Parlament geschafft. Akbulut ist kurdischer Herkunft, kam als 9-Jährige als Flüchtling mit ihren Eltern aus Anatolien nach Deutschland.

Auch das hat ihre politische Haltung geprägt. "Jede Waffe, die ihren Krieg findet, kommt in Form eines Flüchtlings zurück", sagt Akbulut, die das Wort "Flüchtlingskrise" stets vermeidet.

Akbulut kritisiert das Bündnis der Bundesregierung mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und will Handelsabkommen, die afrikanische Staaten vom europäischen Markt ausschließen, beenden.

Fazit: Eine weitere unbequeme Stimme der Linken im Parlament.

Philipp Amthor (CDU), 24 Jahre alt

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Der 24-jährige Philipp Amthor mag aussehen wie ein Bezirksvorstand der Schüler-Union, doch der Schein trügt. Per Direktmandat gewann Amthor den riesigen Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald.

Und das mit Unterstützung von ganz oben. Gleich mehrmals teilte er sich im Wahlkampf eine Bühne mit der Kanzlerin Angela Merkel, die über Amthor lächelnd sagt, der sei doch "ein ganz anständiger, junger Mann". "Wir mögen uns", sagt der dann.

Doch Amthor, der sich selten ohne Lackschuhe und Anzug zeigt und wohl allein deshalb mit den meisten Menschen in seinem Alter wenig gemein hat, hält nicht nur nach oben den Kontakt. "Sie kochen Kaffee, ich bringe Kuchen mit", schrieb er auf Wahlplakate. Schon Monate bevor die CDU überhaupt begonnen hatte, für die Bundestagswahl zu werben.

Und der direkte Kontakt zu den Menschen kommt offenbar an. "Wenn man Merkel etwas stecken will, kann man zu Philipp Amthor gehen", erklärte ein Lokalpolitiker im Gespräch mit "Spiegel Online“.

Gewissermaßen ist Amthor sicherlich die Karikatur des CDU-Jünglings. Junge Union, Konrad-Adenauer-Stiftung, Interesse an der Wehrmacht, der Geschichte Preußens und ein Jura-Studium. Doch vielleicht sind es genau solche Leute, die es im Konrad-Adenauer-Haus braucht, wenn die CDU wieder an Profil gewinnen will.

Fazit: Hat eine gute Mentorin. Muss sich den Anzug nicht erst kaufen gehen.

Roman Müller-Böhm (FDP), 24 Jahre alt

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Genauso jung wie Amthor ist der FDP-Newcomer Roman Müller-Böhm. Er zieht über die Landesliste in NRW ins Parlament ein. Müller-Böhm wirkt mit Pullunder und Hornbrille ein bisschen wie das Klischee eines jungen FDPlers.

Mit der Digitalisierung hat der 24-Jährige jedoch ein Kernthema, bei dem es jeden neuen Impuls gebrauchen kann. "Ein Industriegebiet mit einer 2000er-Leitung als Technologiezentrum zu bezeichnen, ist kein schlechter Scherz, sondern bittere Realität in Oberhausen", mahnt er etwa die miserable digitale Infrastruktur in seiner Heimat an.

Bei einem wichtigen Thema bremst Müller-Böhm bislang allerdings selbst. Eine Jamaika-Koalition würde ihm "große Bauchschmerzen" bereiten, sagte er am Wahlsonntag.

Fazit: Jede Stimme für mehr Fokus auf die Digitalisierung ist wichtig.

Falko Mohrs (SPD), 33 Jahre alt

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In Wolfsburg hat der 33-jährige Falko Mohrs seinem CDU-Kontrahenten das Direktmandat abgenommen. Mohr ist tief in der Region verwurzelt, in Wolfsburg geboren – und hat bei VW seine Ausbildung gemacht.

Der junge Sozialdemokrat will sich um Jugend– und Familienpolitik kümmern, engagiert sich deshalb auch als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses seiner Stadt.

Sollte sich die SPD in der Opposition wieder verstärkt auf ihre Kernthemen besinnen, könnte Mohrs gleich Verantwortung übernehmen.

Fazit: Auch er könnte ein Gesicht der neuen SPD werden.

Christoph Bernstiel (CDU), 33 Jahre alt

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Christoph Bernstiel ist Pragmatiker. Auf die Frage, was er mit auf eine einsame Insel nehmen würde, antwortete er einmal: "Meine Lebensgefährtin, einen Werkzeugkoffer und eine Rolle Panzertape."

Die Kernthemen von Bernstiel sind Innere Sicherheit, Terrorbekämpfung und Kriminalität. Bei Merkels Mission, Wähler von der AfD zurückzugewinnen, könnte er somit früher oder später eine Rolle spielen.

Fazit: Kommt vielleicht zur richtigen Zeit.

Anna Christmann (Grüne), 34 Jahre alt

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Die 34-jährige Anna Christmann zieht für die Grünen in Baden-Württemberg in den Bundestag. Schon ihre Herkunft lässt eine gewisse Pragmatik erahnen, die den Grünen beim möglichen Projekt sicher nicht schaden kann.

Christmann arbeitet im Wissenschaftsministerium in Stuttgart, Wissenschaftspolitik zählt so zu ihren politischen Schwerpunkten. Aber auch für eine bessere Förderung von Start-up-Unternehmen setzt sich die Politikerin ein, ebenso für Volksentscheide und eine direktere Demokratie.

Zukunftsthemen, über die in den kommenden vier Jahren zu reden sein wird.

Fazit: Ein Gesicht für Jamaika?

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(ame)