Die AfD ist unter ostdeutschen Männern die stärkste Partei - wie konnte das passieren?

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PEGIDA DRESDEN
Pegida in Dresden | Anadolu Agency via Getty Images
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  • Vor allem unter ostdeutschen Männern hat die AfD gut abgeschnitten
  • Der Ex-DDR-Bürgerrechtler Frank Richter sieht dafür vor allem drei Gründe

Die AfD ist mit rund 13 Prozent der Stimmen in den Bundestag eingezogen.

Im Osten Deutschlands holte die Partei etwas mehr als Prozent der Stimmen und landete vor der Linkspartei auf dem zweiten Platz. Unter den Männern wurde die AfD mit 25 Prozent der Stimmen gar stärkste politische Kraft.

Was ist da los?

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Frank Richter hat die Wahl verfolgt. Er nennt im Gespräch mit der HuffPost vor allem drei Gründe für das starke Abschneiden der AfD.

Seit mindestens drei Jahren habe sich das Empörungspotenzial der Männer in Ostdeutschland gezeigt, erklärt Richter. Bewegungen wie die rechtsradikale Pegida seien von Männern dominiert.

Eine Forschergruppe der Technischen Universität Dresden führte im Winter 2014 eine Befragung unter den Pegida-Demonstranten durch. Der typische Wutbürger ist demnach 48 Jahre alt und stammt aus Sachsen. Außerdem ist er männlich. Insgesamt waren drei Viertel aller Dresdner Pegida-Anhänger damals Männer.

1. Die jungen Männer fühlen sich abgehängt

Richter sieht vor allem unter jungen und alten Männern in Ostdeutschland ein Wählerpotenzial, das die AfD mobilisiert hat.

Die jungen männlichen AfD-Wähler sind laut Richter mehrheitlich weniger gebildet, als diejenigen, die nicht AfD wählen. Mehr von ihnen wohnen auf dem Land, wo die soziale Situation schlechter ist als in den Städten.

2. Die alten Männer haben sich nicht mit den Nazis auseinandergesetzt

Der Grund, warum viele ältere Männer AfD gewählt haben: Richter sagt, bei der älteren Generation in Ostdeutschland fehle die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.

Die mittlere Generation dagegen sei in der neuen Gesellschaft gut angekommen: Sie habe Arbeit, sei integriert. “Die Alten vererben ihre Ansichten mittlerweile auf die Enkel”, erklärt er weiter.

Mehr zum Thema: Liebe ostdeutsche Männer: Wovor habt Ihr eigentlich ständig so viel Angst?

3. Klassische Männlichkeitsbilder verblassen

Und Richter spricht noch einen dritten Faktor für das starke Abschneiden der AfD unter ostdeutschen Männern an: Klassische Männlichkeitsbilder von Stärke und Dominanz seien in der Gesellschaft auf dem Rückzug. Im Osten - mit der in Teilen schwierigen sozialen Situation - habe das besonders gravierende Folgen.

Frauen setzten sich immer mehr in der Berufswelt durch, in den Schulen seien es Mädchen, die erfolgreich sind - auch klassische Refugien der Männlichkeit wie die Bundeswehr verlören an Einfluss.

Im Osten trifft dieser Wandel auf eine besonders verunsicherte Gesellschaft: Gemessen an der Bevölkerung sind in Ostdeutschland deutlich mehr Männer arbeitslos und geringfügig beschäftigt als in Westdeutschland.

Richter glaubt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Frau damit zum Hassobjekt für viele Männer werde, die sich in dieser neuen Welt nicht mehr zurechtfinden.

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(sk)

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