Diese 8 Dinge, die uns wichtig sind, stehen bei der Wahl auf dem Spiel

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Diese 8 Dinge, die uns wichtig sind, stehen bei der Wahl auf dem Spiel | GETTY
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  • Bei der Bundestagswahl entscheidet sich die Zukunft Deutschlands für die nächsten vier Jahre
  • Dabei stehen Dinge auf dem Spiel, die seit Jahrzehnten Konsens waren

Eines ist jetzt schon sicher: Am Sonntagabend wird sich Deutschland verändert haben. Die Bundestagswahl dürfte nicht nur die FDP in den Bundestag zurückbringen, sondern auch erstmals seit den 1950er-Jahren eine rechte Partei, auf deren Listen Menschen kandidieren, die das System verändern wollen.

Bei dieser Wahl stehen Dinge auf dem Spiel, die über Jahrzehnte in Deutschland Konsens waren. Und die wichtig für dieses Land sind.

Eine womöglich zu kurze Liste.

1. Der gesunde Menschenverstand

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat am Donnerstagabend in der "ARD-Schlussrunde" einen neuen deutschen Rekord aufgestellt. Innerhalb einer Minute gelang es ihm, gleich vier Falschaussagen zur Klimapolitik zu machen. Unter anderem zweifelte er daran, ob der Klimawandel von Menschen gemacht sei.

So geht es seit Monaten mit der AfD. Die Partei druckt gefälschte Fotos auf Wahlplakate, hetzt mit widerlichen Unterstellungen gegen Kanzlerin Angela Merkel und verleumdet Journalisten. Spitzenkandidatin Alice Weidel brachte es sogar fertig, erst die Existenz einer Hetz-Mail zu leugnen, nur um den Vorgang dann später durch ihren Anwalt bestätigen zu lassen.

Trotzdem wird diese Partei von Menschen gewählt, die glauben, dass Politiker lügen. Das erste Opfer an diesem Wahlabend könnte der gesunde Menschenverstand sein.

2. Der Friede in Europa

Heute steht auch die zukünftige Ausrichtung unserer Außenpolitik zur Wahl. Die Debatte darüber kam im Wahlkampf viel zu kurz.

Denn nach dem Wahlsieg von Donald Trump und dem EU-Ausstieg Großbritanniens kommt der deutschen Position in zentralen Fragen ganz besonders viel Bedeutung zu.

Es macht einen Unterschied, ob man eine Partei wählt, die Putins aggressive Außenpolitik billigt oder nicht. Das Ausland wird heute ganz genau auf Deutschland schauen.

3. Der Umgang mit unserer Geschichte

Heute geht wohl eine Epoche zu Ende. Fast 60 Jahre lang saßen keine Rechtsextremisten im Bundestag. Das dürfte sich heute ändern, die Spitzenpositionen der AfD-Landeslisten sind zum einem großen Teil mit Menschen besetzt, die einen äußerst zweifelhaften Umgang mit der deutschen Geschichte pflegen.

AfD-Abgeordnete werden wahrscheinlich dabei sein, wenn in zwei Jahren des 80. Jahrestags der ersten Schüsse im Zweiten Weltkrieg gedacht wird. Und sie werden wohl auch im Bundestag sitzen, wenn 2020 dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz gedacht wird.

Ob Alexander Gauland dann immer noch der Meinung ist, er müsse stolz auf die "Leistungen" der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg sein?

Mehr zum Thema: BLOG: "Herr Gauland, Sie verhöhnen meinen Opa"

4. Gleiche Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land

Gut ein Jahrzehnt schon dauert der Run auf die großen Städte in Deutschland. In dieser Zeit ist die Lebenssituation der Menschen auf dem Land zunehmend aus dem Blick geraten.

Dabei ist die Provinz in Deutschland so dicht besiedelt und so gut erschlossen wie kaum anderswo auf der Welt, sie war auch stets ein Ort, an dem Innovationen entwickelt wurden. Das Auto wurde nicht in Berlin erfunden. Und das Telefon nicht in München.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat beim Ausbau des Breitband-Internets kläglich versagt. Das Förderkonzept der CDU für den ländlichen Raum ist, wie das gesamte Wahlprogramm, sehr dünn.

Doch die deutsche Linke scheint noch nicht einmal ein Konzept zu haben, wie die Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land wieder näher zusammen führen will.

5. Die Zukunft des Autos

Die Innovationspolitik deutscher Autokonzerne in den vergangenen 15 Jahren hatte Anflüge von Realitätsverweigerung. Da wurden Dieselfahrzeuge auf den Markt gebracht, deren Schadstoffwerte mit Computerprogrammen frisiert werden mussten, damit sie den Normen entsprachen.

Und seit Jahren verschleppen Deutschlands Autobauer den Produktwechsel zu Elektrofahrzeugen, weil man mit den alten Stinkern noch eine Menge Geld machen kann. Das könnte sich bald rächen.

Zur Wahl stehen heute verschiedene Ansätze für eine künftige Autopolitik. Von einem Weiterso bis zum Neuzulassungsverbot für Verbrennungsmotoren ist alles drin.

6. Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland

Was in Deutschland besser läuft im Vergleich zu anderen Ländern? Vielleicht, dass wir es trotz aller Streits immer wieder geschafft haben, doch noch miteinander zu reden.

Wir haben oft gestritten in diesem Land. Doch es gab Grenzen, die von den meisten Menschen respektiert wurden.

In diesem Wahlkampf wurde der kleinste gemeinsame Nenner zwischen den Deutschen infrage gestellt. Heute steht auch zur Wahl, ob wir die Gräben in der Bundesrepublik vertiefen wollen.

7. Der soziale Ausgleich

Genauso, wie die Belange der ländlichen Bevölkerung lange Zeit vernachlässigt wurden, sind auch die Anliegen der ärmeren 40 Prozent zu lange hintenangestellt worden.

Während die Beschäftigung auf Rekordniveau ist und die Arbeitslosigkeit stetig sinkt, sollte nicht aus dem Fokus geraten, dass die Einkommen der wirtschaftlich Schwachen in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr gestiegen sind.

Wenn es so etwas wie einen "German Dream" gab, dann diesen: Dass jeder mit harter Arbeit ein Auskommen haben kann, das es ihm ermöglicht, "dazu zu gehören". Genau das steht jetzt infrage.

Dafür tragen die etablierten Parteien eine Verantwortung. Das radikalste Programm zur Förderung von Reichen hat aber wohl die AfD.

8. Unsere eigene Glaubwürdigkeit als Bürger

Nach dem Brexit-Referendum jammerten Hunderttausende junger Briten, die nicht zur Wahl gegangen waren, über den Ausgang der Abstimmung. Donald Trump wurde nur von einem Viertel der wahlberechtigten Amerikaner gewählt. Die Hälfte der US-Bürger hat diesen Präsidenten durch Wahlenthaltung möglich gemacht.

Es gibt keine Ausreden. Heute haben die Deutschen die Möglichkeit, die Zukunft zu gestalten. Wer meint, von diesem Recht kein Gebrauch machen zu müssen, dem passiert eben in den kommenden vier Jahren die Zukunft.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(ll)

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