5 Zahlen zeigen, was nach der Bundestagswahl auf Deutschland zukommt

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BUNDESTAG
5 Zahlen, die zeigen, was nach der Bundestagswahl auf Deutschland zukommt | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Der Bundestag wird sich nach der Wahl an diesem Sonntag massiv verändern
  • Schon jetzt lassen 5 Zahlen erahnen, was auf Deutschland dann zukommt

Wochen und Monate haben die Parteien auf diesen Moment hingearbeitet: den Tag der Wahl. Doch ganz gleich, wie die Bundestagswahl an diesem Sonntag ausgeht, ebenso entscheidend wird das Nachspiel sein, das sich an daran anschließt.

Schon jetzt ist sicher, dass auf den Bundestag massive Veränderungen zukommen. Diese Zahlen zeigen, was nach der Wahl wichtig wird.

1. So lang könnten die Koalitionsverhandlungen dauern

Üblicherweise ist es die wichtigste Frage nach jeder Wahl: Welche Koalition regiert in Zukunft das Land?

Bei der Bundestagswahl 2017 scheinen die Option begrenzt zu sein: Neben der Großen Koalition ist den Umfragen zufolge derzeit nur eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP möglich. Doch FDP und Grüne hoffen weiterhin auf eine mögliche Zweierkoalition mit den Konservativen.

So oder so: Auf Deutschland könnten zähe Koalitionsverhandlungen zukommen. Das zeigt auch diese Grafik des Brüsseler Polit-Magazins "Politico". Vor vier Jahren waren es so ganze 86 Tage, die zwischen Wahl und der Kabinettsbildung lagen.

Dieses Jahr könnte das politische Berlin eine ähnlich lange Durststrecke erleben. Insbesondere falls es auf eine erneute Große Koalition hinauslaufen sollte.

Die Sozialdemokraten haben durchblicken lassen, dass sie wieder ihre Basis über eine Regierungsbeteiligung als Juniorpartner abstimmen lassen wollen. Besonders die Parteilinke dürfte schwer von dieser Idee zu überzeugen sein.

2. So stark wird die Opposition

Seit 2013 bilden Grüne und Linke die Opposition. Nach Mandaten ist es die schwächste Opposition seit mehr als 40 Jahren. Vier Fünftel der Sitze im Bundestag nehmen Abgeordnete von Union und SPD ein.

Ein Grund für die Mini-Opposition: 15,8% der Zweitstimmen gingen 2013 an Parteien, die es am Ende nicht über die Fünf-Prozenthürde schafften. Die "Zeit" spricht von der "größten Außerparlamentarischen Opposition der Republik".

Dieses Jahr scheint sicher: Die Opposition im Parlament wird wieder stärker. Die AfD, die auf ein Ergebnis von über 10 Prozent hoffen kann, wird ebenso in der Opposition sein wie die Linke, die in Umfragen ebenfalls bei rund 10 Prozent steht.

Mit AfD und FDP werden wohl zwei zusätzliche Parteien ins Parlament einziehen, SPD und Union dürften im Vergleich zu 2013 dagegen Sitze einbüßen.

3. So groß wird der Bundestag

Ein weiterer Effekt der neuen Parteien im Parlament: Der Bundestag wird größer. Nach Schätzungen des Friedrichshafener Politologen Joachim Behnke dürften im künftigen Parlament zwischen 680 und 700 Abgeordnete Platz nehmen. "Keine andere Demokratie der Welt hätte dann so viele Sitze im Parlament“, sagte Behnke der Deutschen Presse-Agentur.

Der Grund: Durch die zusätzlichen Parteien sinke der Zweitstimmenanteil der anderen Parteien, was vor allem bei der CDU zu deutlich mehr Überhangmandaten führen dürfte. Damit diese das Stimmenverhältnis nicht verzerren, werden sie mit sogenannten Ausgleichsmandaten für die anderen Parteien aufgewogen.

Kritiker glauben, dass das Riesen-Parlament die Effizienz der politischen Arbeit beeinträchtigen könnte.

4. So extrem werden die Debatten

Die Opposition wird jedoch nicht nur größer, sondern – das deutet sich schon jetzt an – radikaler. Es wird erwartet, dass die AfD über 70 Mandate für den Bundestag gewinnt.

Laut Einschätzung des "Spiegel"-Ablegers "Bento" haben dadurch "28 Rechtsradikale gute Chancen, künftig im Bundestag zu sitzen".

Die HuffPost hat zuletzt eine Woche lang jeden Tag Veranstaltungen der AfD in ganz Deutschland besucht.

Dort zeigte sich erneut, wie radikal und menschenverachtend die Rhetorik vieler AfD-Kandidaten ist – und was nun auch dem Bundestag blüht.

5. So männlich wird der Bundestag

Und noch eine schlechte Nachricht gibt es schon jetzt: Im neuen Bundestag werden voraussichtlich noch weniger Frauen vertreten sein als bisher.

Bei der CSU etwa sind nur 17 Prozent der aussichtsreichen Kandidaten Frauen.

Auch die FDP hat ein Frauenproblem: Bei einem Wahlergebnis von 9 Prozent würden 53 Männer über die Liste ins Parlament einziehen, aber nur 18 Frauen.

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(ll)

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