POLITIK
24/09/2017 23:48 CEST | Aktualisiert 25/09/2017 07:01 CEST

"Anne Will" zur Bundestagswahl: "Stell dir vor, es ist Koalition, und keiner geht hin"

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Manuela Schwesig fragt Wolfgang Kubicki bei "Anne Will", ob ihm der "Hintern auf Grundeis" gehe

  • Bei "Anne Will" geben sich die Vertreter der kleinen Parteien große Mühe, ihr Desinteresse an einer Koalition zu bekunden

  • SPD-Politikerin Schwesig fragt FDP-Vize Kubicki, ob ihm der "Hintern auf Grundeis" gehe

  • Und Grünen-Spitzenkandidat Özdemir landet einen Punktsieg gegen Kubicki

"Stell dir vor, es ist Koalition, und keiner geht hin". So hat ein User auf Twitter die Talkrunde bei Anne Will in der ARD beschrieben. Treffender geht es nicht.

Nach den Hochrechnungen vom Sonntagabend muss die Union entweder mit der SPD oder mit FDP und Grünen koalieren, wenn es keine Minderheitenregierung oder Neuwahlen geben soll.

Aber die SPD will wirklich nicht. Die FDP tut zumindest so, als wolle sie nicht. Die Grünen bleiben ihrer Rolle als Bedenkenträger treu und wollen schon irgendwie, haben aber auch irgendwie Sorgen. Und die AfD könnte mangels eigener Ideen nicht mal, wenn sie und die anderen Parteien wollten. Was natürlich absolut keine der anderen Parteien will.

Özdemir sieht die SPD im "Schmollwinkel"

Schon kurz nach Bekanntwerden der Prognose um 18 Uhr hat die SPD klargestellt, dass sie mit ihren 20 Prozent in die Opposition geht. Das war, wenn man Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in "Anne Will" zuhörte, vorher wohl überlegt und abgesprochen worden.

Man könnte meinen, das sei nun für FDP und Grüne ein Grund zum Jubeln.

Aber Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir sagt in der Sendung über die SPD: "Eine solch stolze Partei kann doch jetzt nicht sagen, wir sind im Schmollwinkel." Man solle doch mal einen Tag darüber nachdenken.

Kubicki wirft der SPD eine "billige Geschichte" vor

Und FDP-Vize Wolfgang Kubicki wirft Manuela Schwesig vor: "Es ist eine billige Geschichte, die Sie hier treiben." Die SPD ziehe sich aus taktischen Gründen aus der Verantwortung, aber die FDP solle ihre Überzeugungen über Bord werfen und eine Koalition eingehen.

Die Motive der Parteien sind nicht allzu schwer zu erraten.

Taktik, Taktik, Taktik

Die SPD hat als Juniorpartner in einer Koalition mit der Union das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Nachkriegsgeschichte eingefahren. Auf eine Wiederholung ist die SPD also nicht scharf, denn das könnt ihr Ende als Volkspartei sein.

Da ist es schon aus taktischen Gründen klüger, die Opposition anzuführen. Und sie tut Deutschland den Gefallen, zu verhindern, dass die AfD als drittstärkste Kraft die Opposition anführt.

Die FDP hat ein Interesse daran, den Preis für eine Koalition mit ihr hochzutreiben. Das war schon bei der Landtagswahl kürzlich in Nordrhein-Westfalen zu beobachten, so läuft es nun auch im Bund.

Das gilt auch für die Grünen, wobei die inhaltlichen Differenzen da tatsächlich eine größere Hürde sein könnten als bei der FDP. Besonders mit der CSU sind die Differenzen riesig.

Mit der AfD will keine der anderen Parteien koalieren. Aber der Vollständigkeit halber sei auch hier gesagt: Die AfD hat kein Interesse daran, Verantwortung zu übernehmen. Spitzenkandidat Alexander Gauland bestätigte in der Sendung wörtlich, dass seine Partei nicht konstruktiv sein wolle. Sondern einfach dagegen.

"Der Hintern auf Grundeis"

Und so ergeben sich bei "Anne Will" dann denkwürdige Diskussionen.

Schwesig wehrt sich, man solle aufhören so zu tun, "als wäre Opposition Bäh oder Schmollecke".

Sie fragt Kubicki provokant: "Denken Sie, dass Sie es nicht können, Herr Kubicki?" Man könne fast das Gefühl bekommen, "Ihnen geht der Hintern auf Grundeis".

Kubicki sagt, die SPD möge sich doch mal vorstellen, was wäre, wenn auch die FDP einfach sagen würde, sie könne nicht mit der Union.

Schwesig findet, das sei doch ein großer Unterschied zwischen FDP und SPD. Die SPD habe sich der Verantwortung schon gestellt und sei jetzt mit noch weniger Stimmen aus der Koalition gegangen. Die Partei habe die Botschaft daraus verstanden. Aber: "Sie können doch nicht heute Abend schon Angst davor haben."

Kubicki verweist auf inhaltliche Differenzen zu Schwarz und Grün.

Schwesig pampt: "Das ist jetzt Ihr Problem."

CDU-Vizechefin Ursula von der Leyen mahnt, man möge doch an gute demokratische Gepflogenheiten anknüpfen und erst mal Gespräche führen, bevor man entscheide.

Der Grüne Özdemir sagt. "Ab und zu geht es auch mal ums Land" – nicht nur um Parteiinteressen.

Und weil es noch nicht reicht mit dem Hickhack der potenziellen Koalitionäre, sagt Kubicki zu Özdemir: "Ich würde Ihnen raten, dass Sie erst mit uns statt mit der Union reden."

Özdemir kontert: "Ich würde Ihnen raten, solche Gespräche nicht im Fernsehen zu führen."

Diesem Satz hat keiner etwas entgegenzusetzen. Punktsieg für Ödzemir.

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(jg)

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