"Anne Will" zur Bundestagswahl: "Stell dir vor, es ist Koalition, und keiner geht hin"

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ANNE WILL
Manuela Schwesig fragt Wolfgang Kubicki bei "Anne Will", ob ihm der "Hintern auf Grundeis" gehe | screenshot
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  • Bei "Anne Will" geben sich die Vertreter der kleinen Parteien gro├če M├╝he, ihr Desinteresse an einer Koalition zu bekunden
  • SPD-Politikerin Schwesig fragt FDP-Vize Kubicki, ob ihm der "Hintern auf Grundeis" gehe
  • Und Gr├╝nen-Spitzenkandidat ├ľzdemir landet einen Punktsieg gegen Kubicki

"Stell dir vor, es ist Koalition, und keiner geht hin". So hat ein User auf Twitter die Talkrunde bei Anne Will in der ARD beschrieben. Treffender geht es nicht.

Nach den Hochrechnungen vom Sonntagabend muss die Union entweder mit der SPD oder mit FDP und Gr├╝nen koalieren, wenn es keine Minderheitenregierung oder Neuwahlen geben soll.

Aber die SPD will wirklich nicht. Die FDP tut zumindest so, als wolle sie nicht. Die Gr├╝nen bleiben ihrer Rolle als Bedenkentr├Ąger treu und wollen schon irgendwie, haben aber auch irgendwie Sorgen. Und die AfD k├Ânnte mangels eigener Ideen nicht mal, wenn sie und die anderen Parteien wollten. Was nat├╝rlich absolut keine der anderen Parteien will.

├ľzdemir sieht die SPD im "Schmollwinkel"

Schon kurz nach Bekanntwerden der Prognose um 18 Uhr hat die SPD klargestellt, dass sie mit ihren 20 Prozent in die Opposition geht. Das war, wenn man Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpr├Ąsidentin Manuela Schwesig (SPD) in "Anne Will" zuh├Ârte, vorher wohl ├╝berlegt und abgesprochen worden.

Man k├Ânnte meinen, das sei nun f├╝r FDP und Gr├╝ne ein Grund zum Jubeln.

Aber Gr├╝nen-Spitzenkandidat Cem ├ľzdemir sagt in der Sendung ├╝ber die SPD: "Eine solch stolze Partei kann doch jetzt nicht sagen, wir sind im Schmollwinkel." Man solle doch mal einen Tag dar├╝ber nachdenken.

Kubicki wirft der SPD eine "billige Geschichte" vor

Und FDP-Vize Wolfgang Kubicki wirft Manuela Schwesig vor: "Es ist eine billige Geschichte, die Sie hier treiben." Die SPD ziehe sich aus taktischen Gr├╝nden aus der Verantwortung, aber die FDP solle ihre ├ťberzeugungen ├╝ber Bord werfen und eine Koalition eingehen.

Die Motive der Parteien sind nicht allzu schwer zu erraten.

Taktik, Taktik, Taktik

Die SPD hat als Juniorpartner in einer Koalition mit der Union das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Nachkriegsgeschichte eingefahren. Auf eine Wiederholung ist die SPD also nicht scharf, denn das k├Ânnt ihr Ende als Volkspartei sein.

Da ist es schon aus taktischen Gr├╝nden kl├╝ger, die Opposition anzuf├╝hren. Und sie tut Deutschland den Gefallen, zu verhindern, dass die AfD als drittst├Ąrkste Kraft die Opposition anf├╝hrt.

Die FDP hat ein Interesse daran, den Preis f├╝r eine Koalition mit ihr hochzutreiben. Das war schon bei der Landtagswahl k├╝rzlich in Nordrhein-Westfalen zu beobachten, so l├Ąuft es nun auch im Bund.

Das gilt auch f├╝r die Gr├╝nen, wobei die inhaltlichen Differenzen da tats├Ąchlich eine gr├Â├čere H├╝rde sein k├Ânnten als bei der FDP. Besonders mit der CSU sind die Differenzen riesig.

Mit der AfD will keine der anderen Parteien koalieren. Aber der Vollst├Ąndigkeit halber sei auch hier gesagt: Die AfD hat kein Interesse daran, Verantwortung zu ├╝bernehmen. Spitzenkandidat Alexander Gauland best├Ątigte in der Sendung w├Ârtlich, dass seine Partei nicht konstruktiv sein wolle. Sondern einfach dagegen.

"Der Hintern auf Grundeis"

Und so ergeben sich bei "Anne Will" dann denkw├╝rdige Diskussionen.

Schwesig wehrt sich, man solle aufh├Âren so zu tun, "als w├Ąre Opposition B├Ąh oder Schmollecke".

Sie fragt Kubicki provokant: "Denken Sie, dass Sie es nicht k├Ânnen, Herr Kubicki?" Man k├Ânne fast das Gef├╝hl bekommen, "Ihnen geht der Hintern auf Grundeis".

Kubicki sagt, die SPD m├Âge sich doch mal vorstellen, was w├Ąre, wenn auch die FDP einfach sagen w├╝rde, sie k├Ânne nicht mit der Union.

Schwesig findet, das sei doch ein gro├čer Unterschied zwischen FDP und SPD. Die SPD habe sich der Verantwortung schon gestellt und sei jetzt mit noch weniger Stimmen aus der Koalition gegangen. Die Partei habe die Botschaft daraus verstanden. Aber: "Sie k├Ânnen doch nicht heute Abend schon Angst davor haben."

Kubicki verweist auf inhaltliche Differenzen zu Schwarz und Gr├╝n.

Schwesig pampt: "Das ist jetzt Ihr Problem."

CDU-Vizechefin Ursula von der Leyen mahnt, man m├Âge doch an gute demokratische Gepflogenheiten ankn├╝pfen und erst mal Gespr├Ąche f├╝hren, bevor man entscheide.

Der Gr├╝ne ├ľzdemir sagt. "Ab und zu geht es auch mal ums Land" ÔÇô nicht nur um Parteiinteressen.

Und weil es noch nicht reicht mit dem Hickhack der potenziellen Koalition├Ąre, sagt Kubicki zu ├ľzdemir: "Ich w├╝rde Ihnen raten, dass Sie erst mit uns statt mit der Union reden."

├ľzdemir kontert: "Ich w├╝rde Ihnen raten, solche Gespr├Ąche nicht im Fernsehen zu f├╝hren."

Diesem Satz hat keiner etwas entgegenzusetzen. Punktsieg f├╝r ├ľdzemir.

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(jg)

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