Wissenschaftler forschten 40 Jahre: Es gibt ein klares Anzeichen, dass eure Beziehung nicht halten wird

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  • Viele Menschen neigen dazu, dem Partner beim Streit die kalte Schulter zu zeigen, anstatt zu sprechen
  • US-Forscher haben herausgefunden: Das ist eine der Hauptursachen dafür, dass sich Paare trennen
  • Oben im Video seht ihr, was ihr in Momenten tun könnt, in denen ihr am liebsten weghören würdet

Jemanden anschweigen, ihm die kalte Schulter zeigen, nicht antworten. Wie auch immer du es nennen willst - deinen Partner zu ignorieren, oder ihm während eines Streits immer wieder auszuweichen, ist der größte Fehler, den du in deiner Beziehung machen kannst.

Im ersten Moment mag es noch so aussehen, als wäre Schweigen der einfachste Weg raus aus einem Streit. Aber wenn du diesen Fehler zu oft machst, entstehen riesige Probleme. Tatsächlich ist, jemanden zu ignorieren, laut dem Psychologen John Gottman, einer der Hauptgründe für die Trennung von Paaren.

Gottmann, der an einer Uni in der US- Stadt Seattle unterrichtet und forscht, hat mit seinem Team 40 Jahre lang immer wieder Paare untersucht. Dabei haben die Wisseneschaftler versucht, die Hauptauslöser für eine Trennung, oder wie Gottham sie nennt “Die vier Vorboten der Apokalypse“ (vielleicht ein bisschen zu dramatisch, aber wir reden hier immerhin von deiner Beziehung!), zu finden.

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Überraschenderweise hat die Art, wie ihr miteinander redet, mehr damit zu tun, als du vielleicht denkst.

Missachtung, Kritik, Rechtfertigungen, oder jemandem die kalte Schulter zu zeigen - also dich emotional von deinem Partner zu verschließen - sind die vier am häufigsten genannten Ursachen für eine Trennung.

Wenn du jemanden ignorierst, verspielst du jede Chance auf die erwachsene Unterhaltung, die dein Partner in diesem Moment vielleicht mit dir führen will. Anstatt deine Probleme darzulegen, machst du zu und drehst dich weg. Das führt dazu, dass dein Partner sich überfordert, allein und veralbert fühlt.

Was kannst du also stattdessen tun, wenn du mal wieder am liebsten weghören und deinem Partner die kalte Schulter zeigen würdest?

Hier sind sieben Tipps von Beziehungstherapeuten:

1. Besprich nicht zu viele Themen auf einmal

“Meine Klienten erzählen mir immer wieder, dass sie einen Streit beenden müssen, weil sie Gefahr laufen, sich überfordert zu fühlen. Das ist nichts weiter als eine Selbsterhaltungsmaßnahme. Mit diesem Wissen, muss man als Partner also vorsichtig sein, seinen Liebsten im Streit nicht mit zu vielen Informationen zu überschütten. Ich rate Paaren deshalb, sich immer nur mit einem Thema auf einmal zu befassen.

Wenn jemand, der sowieso dazu neigt, sich bei Überforderung abzuschotten, den Satz ‘und da wäre noch etwas …’ hört, ist es meistens schon zu spät. Der einzige Weg, die Person dann noch zu erreichen ist: sich zurückzuziehen.

"Viele Leute schotten sich vielleicht im ersten Moment ab, aber wenn sie später nochmal an die Situation zurückdenken, wollen sie doch noch darüber reden."

Zeit zum Nachdenken gibst du deinem Partner aber nicht, indem du immer weiter stichelst und nicht aufhörst, Druck auszuüben.
Du musst akzeptieren, dass Leute, die schnell auf Durchzug schalten, Zeit brauchen und Probleme besser Stück für Stück lösen können.

Deshalb musst du aufhören, jedes einzelne Detail und jede Sache, die dich stört, auf einmal diskutieren zu wollen.” – Vikki Stark, Psychotherapeutin und Direktorin des Sedona Counseling Center Of Montreal.

2. Werde dir bewusst, wie dein Körper reagiert, kurz bevor du jemandem die kalte Schulter zeigst

“Es gibt immer bestimmte körperliche Reaktionen, an denen du erkennen kannst, wann es brenzlig wird. Schneller Herzschlag, oder Atemprobleme zum Beispiel sind typische Reaktionen, wenn du dich aufregst. Vielleicht drehst du dich aber auch einfach von deinem Partner weg, oder schließt die Augen und seufzt.

Das alles sind Verhaltensweisen, auf die dein Partner achten sollte. Redet darüber, was du machst, bevor du dich zurückziehst, damit ihr beide künftig die Warnsignale erkennt.“ – Danielle Kepler, Therapeutin in Chicago, Illinois.

3. Gib deinem Partner einen Vertrauensvorschuss

“Häufig klinkst du dich aus dem Gespräch aus, weil du davon überzeugt bist, dass dir dein Partner nicht zuhört, oder sowieso nichts ändern wird. Anstatt immer wieder Forderungen zu stellen, oder nachzufragen, ist es einfacher, deinem Partner die kalte Schulter zu zeigen.

Selbst, wenn dich das von innen auffrisst. Hör auf damit.

"Fang an, deinem Partner zu vertrauen."

Vielleicht hast du dich in ihn verliebt, weil er lustig und gebildet ist. Oder weil er aufmerksam und liebevoll war, als ihr euch kennengelernt habt. Erinnere dich an seine positiven Eigenschaften und die Welt sieht schon ganz anders aus.

Sag ihm, von welchen Sachen du dir wünschen würdest, dass sie sich ändern. Natürlich läufst du damit Gefahr ihn zu nerven, aber immerhin gibst du deinem Partner (und damit eurer Beziehung) eine Chance.“ – Aaron Anderson, Paar- und Familientherapeut in Denver, Colorado.

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4. Überleg dir, wie du runterkommen kannst, wenn es zu emotional wird

“Wahrscheinlich bist du ziemlich wütend, wenn du anfängst, deinen Partner zu ignorieren. Ein Gespräch weiter zu führen, obwohl dein Herz rast und du überwältigt von Emotionen bist, ist in den meisten Fällen kontraproduktiv.

Das liegt daran, dass dein Gehirn in solchen Situationen nicht genug Sauerstoff bekommt. Anstatt reflexartig zu reagieren, atme lieber erstmal tief durch und geh spazieren, oder lenk dich mit etwas Anderem ab.

Überleg dir nicht schon im Vorhinein, was du sagen wirst. Das wird dir nämlich ohnehin nicht helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Es ist okay, dir eine Auszeit zu nehmen, wenn dir der Streit über den Kopf wächst.“ – Kari Carroll, Paartherapeutin aus Portland, Oregon.

5. Schließe einen Pakt, dich nicht zu streiten, wenn du erschöpft bist

“Unser voller Terminplan macht uns anfällig für ein hohes Level an Stress und Unruhe. Wenn du nicht willst, dass ihr euch deshalb nicht zuhört, ist es unvermeidlich, dass du eine Umgebung schaffst, in der es dir und deinem Partner möglich ist, über Gefühle zu sprechen.

Sucht euch einen Tag und eine Zeit aus, die euch beiden passt und redet in einer ruhigen Umgebung, in der es euch möglich ist, eine vernünftige Unterhaltung zu führen. Bevor ihr anfangt, sag deinem Partner ruhig

“ich möchte, dass wir offen miteinander reden können und würde mir wünschen, dass du mir wirklich zuhörst und tatsächlich versuchst, meine Perspektive zu verstehen.“

Ein sicheres Umfeld zu schaffen, in dem ihr euch gut unterhalten könnt, ist ein guter Weg, unbedachte Reaktionen zu vermeiden.“

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6. Sag es, wenn du dich in früheren Gesprächen unverstanden gefühlt hast

“Normalerweise verschließt du dich, wenn du in der Vergangenheit, die Erfahrung gemacht hast, dass dein Partner dir nicht zuhört, oder keine konstruktive Kritik übt.

Du willst nicht schon wieder auf taube Ohren stoßen und deshalb bleibst du lieber still. Sprich es das nächste Mal einfach aus, anstatt es wieder herunter zu schlucken. Erklär deiner Bezugsperson, wie du dich das letzte Mal gefühlt hast und wie das dazu geführt hat, dass du schon mit schlechter Laune in eine Unterhaltung startest.

Hoffentlich eröffnet euch das die Möglichkeit, die Probleme auch offen anzusprechen.“

7. Wenn du wirklich keine Energie mehr hast, um zu reden, dann sei ehrlich

“Es ist vollkommen okay, zu sagen “können wir das bitte später klären“, wenn dir in dem Moment alles zu viel wird.

Trotzdem solltest du nicht zu lange warten, bis du wieder darauf zurück kommst.

Es ist wichtig, deinem Partner eine genaue Zeit zu nennen, möglichst innerhalb der nächsten 24 Stunden, an der ihr über die Probleme in eurer Beziehung sprechen könnt.“ – Craig Lambert, Eheberater in San Diego, Kalifornien.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei HuffPost US und wurde von Rebecca Nothvogel aus dem Englischen übersetzt.

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(ks)

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