4 Falschaussagen in einer Minute - so führte AfD-Mann Gauland 1,9 Millionen TV-Zuschauer an der Nase herum

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GAULAND
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  • Der AfD wird vieles vorgeworfen: Hetze, Rassismus, Beleidigungen - und auch regelmäßige Falschaussagen
  • Mit solchen wartete nun wieder einmal AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland auf
  • In nur einer Minute wollte er den Beweis erbringen, dass der Klimawandel kein Problem ist - und scheiterte

Schlussspurt im Wahlkampf.

Die ARD hatte am Donnerstagabend noch einmal die Spitzenkandidaten der sieben großen Parteien zum Schlagabtausch geladen.

Der Rahmen: Zwei Moderatorinnen. 90 Minuten Zeit, um die Wähler zu überzeugen.

Die Gäste: Christian Lindner (FDP), Sahra Wagenknecht (Linke), Joachim Herrmann (CSU), Ursula von der Leyen (CDU), Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Manuela Schwesig (SPD) und Alexander Gauland (AfD).

Die Sendung, die immerhin knapp 1,9 Millionen Zuschauer sahen, hatte einige Höhepunkte.

So zum Beispiel als Christian Lindner in einen Großstreit um die AfD reingrätschte. Der FDP-Chef forderte von der Runde eine Diskussion über Inhalte und nicht eine Reaktion auf leere Provokationen.

Manuela Schwesig und Katrin Göring-Eckardt hielten emotionale Reden gegen die AfD.

Ganz am Ende der Sendung kam es aber noch zu einem Höhepunkt - besser gesagt einem Tiefpunkt -, den kaum einer bemerkte. Nämlich zu einer klimaskeptischen Rede von Gauland, wie sie im deutschen Fernsehen wohl seit Jahren nicht mehr gehalten wurde.

Klimaforscher analysiert Gaulands Falschaussagen

Zur Erinnerung: Der Klimawandel ist eine der größten Gefahren für das Leben auf der Erde. Klimaforscher weltweit sind sich einig, dass die Menschheit geradewegs auf eine Katastrophe zusteuert, weil sie zu viel Treibhausgase in die Luft pustet.

AfD-Spitzenmann Alexander Gauland wollte davon in der der Sendung allerdings nichts wissen.

Als die Moderatorin Bettina Schausten ihn fragte, warum die AfD beim Thema Klimawandel “verstandesmäßigen Argumenten” nicht zugänglich sei, hob der zu einem einminütigen Kurzreferat an, in dem er erklärte, warum das mit dem Klimawandel uns allen gar keine Sorgen machen müsse.

Das Problem: Gauland machte in dieser einen Minute gleich vier Falschaussagen.

Wir haben Gaulands Aussagen dem renommierten Klimaforscher Georg Feulner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung vorgelegt. Hier ist seine Einschätzung:

1. Gauland behauptete in der ARD: Deutschland ist nur für zwei Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich und davon sind 95 Prozent natürlichen Ursprungs

Feulner: "Es ist richtig, dass Deutschland nur für etwas mehr als zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist. Aber dabei handelt es sich um die vom Menschen verursachten Emissionen.” Wenn Gauland also behauptet, dass 95 Prozent von diesen zwei Prozent natürlichen Ursprungs seien, liegt er falsch.

Gauland versucht an dieser Stelle, das Problem zu verharmlosen.

Nun könnten sich manche allerdings fragen: Nur zwei Prozent? Warum sollte dann Deutschland Klimaschutz betreiben.

Feulners Antwort darauf: “Der geringe Anteil an den globalen Emissionen berücksichtigt nicht die Vorbildfunktion, die Deutschland innerhalb Europas und weltweit hat. Außerdem ist es für Deutschland wirtschaftlich langfristig von Vorteil, wenn es bei klima- und umweltfreundlichen Technologien eine Vorreiterrolle einnimmt."

2. Gauland behauptete, der CO2-Ausstoß in Deutschland nehme trotz Energiewende zu

Feulner: "Nach Daten des Umweltbundesamtes nehmen die CO2-Emissionen Deutschlands seit 1990 leicht ab, haben aber im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr in der Tat leicht zugenommen.”

Hat Gauland hier also recht? Nein. Denn wie Feulner erklärt, führt das Umweltbundesamt den Anstieg der CO2-Emissionen auf Zunahmen im Güterverkehr, die kühle Witterung sowie den Schalttag zurück.

Feulner weiter: “Der leichte Anstieg hat insofern nicht direkt mit der Energiewende zu tun, zumal Deutschland beim Umstieg von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren Energien ja erst am Anfang steht."

3. Gauland behauptete, dass das Klima sich immer wandelt

Feulner: "Natürlich hat sich das Klima immer gewandelt, aber Klimaänderungen vor der Industrialisierung waren nicht vom Menschen verursacht und liefen auch nicht so schnell ab. Natürlich verursachte Klimaänderungen in der Vergangenheit sind kein Argument gegen den Menschen als Ursache des modernen Klimawandels, genau wie natürlich verursachte Feuer kein Argument gegen die Existenz von Brandstiftung sind."

4. Gauland gibt zwar zu, dass es den Klimawandel gebe - aber es sei “höchst problematisch”, ob er vom Menschen verursacht sei

Feulner: "Es ist wissenschaftlich eindeutig erwiesen und breiter Konsens in der Wissenschaft, dass der Mensch für den modernen Klimawandel verantwortlich ist. Diese Aussage ist schlicht falsch."

Gauland tischte den Zuschauern in rekordverdächtiger Zeit also einen ganzen Haufen von Münchhausen-Geschichten auf. Beunruhigend: Keiner des Anwesenden widersprach den kruden Thesen.

Mehr zum Thema: Wir waren eine Woche auf Wahlkampf-Veranstaltungen der AfD - und haben ein anderes Gesicht der Partei erlebt

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(jg)

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