FDP-Chef Lindner macht in der ARD-"Schlussrunde" vor, wie die Politik mit der AfD umgehen sollte

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  • Bei der ARD-"Schlussrunde" war die AfD oft das Hauptthema
  • FDP-Chef Lindner versuchte immer wieder, die Diskussion dorthin zu führen, wo sich AfD-Kandidat Gauland schwer tat

Wie so oft in den Polit-Talkshows der vergangenen Wochen war in der ARD-"Schlussrunde" eine Partei das Hauptthema: die AfD.

Zunächst sprachen die eingeladenen Politiker über die ungemütlichen Wahlkampfauftritte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Ostdeutschland, dann waren die umstrittenen Äußerungen von Alexander Gauland Thema der Diskussion.

Vor allem die Politikerinnen Manuela Schwesig (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) attackierten den AfD-Spitzenkandidaten hart, der ebenfalls in der Runde saß.

Nach gut 20 Minuten kam dann auch FDP-Chef Christian Lindner zu Wort - und grätschte dazwischen.

Er sagte: "Ich halte es für unangemessen, dass hier jede AfD-Äußerung diskutiert wird. Die Menschen können es auch selber einordnen, brauchen da nicht immer unsere Interpretationshilfe."

Der Gipfel des Zynismus

Das eigentliche Problem sei: Die Opposition sei in den vergangenen Jahren im Bundestag komplett ausgefallen, sagte Lindner. Festmachen könne man das an der Flüchtlingspolitik: Gauland habe die Flüchtlingskrise selbst als "Geschenk" für seine Partei bezeichnet.

Das sei der "Gipfel des Zynismus", dass die AfD nicht nur keine Lösung für Krisen habe, sondern aus ihnen auch noch politisches Kapital schlagen wolle. In diesem Moment schien Lindner seinen eigenen Rat missachtet zu haben.

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Später in der Sendung aber machte der FDP-Politiker noch einmal deutlich, was in seinen Augen ein häufig begangener Fehler im Umgang mit der AfD sei. Gauland hatte bestritten, dass die AfD weniger "Nazi-Themen" im Schulunterricht fordere.

Lindner: "Was bringt das denn?"

Lindner warf den Moderatorinnen daher an den Kopf: "Was bringt es denn, dass man fortwährend die AfD mit ihren wirklich abwegigen Äußerungen konfrontiert?"

Er wolle von der AfD lieber wissen, was sie gegen Unterrichtsausfall tun wolle, wie sie Digitalisierung gestalten wolle. Linder wollte Gauland also mit konkreten Fragen konfrontieren - und die Strategie ging auf.

Die Moderatoren leiteten Lindners Frage an den AfD-Spitzenkandidaten weiter. Gauland geriet für einen Moment aus dem Konzept. "Ähm", sagte Gauland und sammelte sich sichtlich.

Dann kamen seine Antworten: mehr Geld in Bildung, weg mit dem Kooperationsverbot. Letzteres würde dem Bund erlauben, direkt Geld für die Bildung in den Bundesländern auszugeben.

Das heißt, eine Abschaffung des Kooperationsverbots würde die Bildungspolitik ein Stück weit zentralisieren. Das will Gauland aber eigentlich gar nicht.

"Die Versuche, Bildung in Deutschland zu vereinheitlichen, führen leider immer dazu, dass das schwächere System sich durchsetzt", behauptete der AfD-Politiker.

Gauland versucht, abzulenken

An einer Stelle musste Gauland schließlich sogar zugeben, keine Antwort parat zu haben. Moderatorin Bettina Schausten sagte zu dem AfD-Politiker, das Rentenkonzept seiner Partei wirke "unausgereift".

Gauland entgegnete: "Wir sind eine sehr junge Partei. Ich gebe völlig zu, dass wir kein ausgearbeitetes Rentenkonzept haben."

Linder wollte Gauland mit dieser Antwort nicht davonkommen lassen. "Was heißt überhaupt junge Partei, was haben Sie denn gemacht in den letzten vier Jahren außer Streiten?", fragte der FDP-Chef.

Gauland konterte genervt, erst die FDP und die Euro-Rettung hätten die AfD groß gemacht. Ein Ablenkungsmanöver. Lindners Antwort: "Sie wollen ja jetzt noch die Europäische Union verlassen. Als wenn man nicht in dieser Phase, in der sich die Welt befindet, die Europäische Union erst gründen müsste, wenn es sie nicht gäbe."

Mehr zum Thema: ARD-"Schlussrunde": Gauland will hetzen - Göring-Eckardt und Schwesig finden die richtige Antwort

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(jg)

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