ARD-"Schlussrunde": Gauland will hetzen - Göring-Eckardt und Schwesig finden die richtige Antwort

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ARD-"Schlussrunde": Gauland will wieder hetzen - die Antworten von Göring-Eckardt und Schwesig sollte jeder kennen | dpa
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  • Beim letzten Schlagabtausch vor der Wahl versuchte AfD-Spitzenkandidat Gauland, seine umstrittenen Äußerungen der vergangenen Tage zu verteidigen
  • Dann schalteten Grünen-Spitzenkandidatin Göring-Eckardt und SPD-Ministerpräsidentin Schwesig auf Angriff

In der letzten großen TV-Debatte vor der Wahl haben Spitzenpolitiker den AfD-Frontmann Alexander Gauland gemeinsam in die Zange genommen.

Vor allem SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt stellten den AfD-Politiker in der Debatte.

Die ARD hatte am Donnerstagabend zur Schlussrunde eingeladen. Mit dabei waren neben den drei Politikern:

CDU-Ministerin Ursula von der Leyen
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)
FDP-Chef Christian Lindner
Linke-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht

Am Anfang der Diskussion ging es um die lautstarken Proteste und Pöbel-Attacken gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor allem bei Wahlauftritten in Ostdeutschland.

"Ich halte es aus, wenn man mich eine Schlampe nennt"

Man müsse genau hinsehen, wer bei Merkels Kundgebungen laut brülle und pfeife. "Offensichtlich sind da Leute mit Bussen hingefahren worden von der Partei von Herr Gauland", sagte Göring-Eckardt.

Dann hielt sie ein flammendes Plädoyer für die Demokratie - und gegen die wütenden Proteste.

“Die haben doch nichts gemacht, als zu brüllen. Das ist doch keine Art der demokratischen Auseinandersetzung. Das ist für mich keine Option, wenn es nur noch um Hass geht”, sagte die Grünen-Politikerin sichtlich emotional.

“Je mehr eine solche Partei wie die von Herrn Gauland versucht, Grenzen zu überschreiten, umso mehr fühlen sich andere dazu aufgerufen, das in den Wahlkampf einzubringen.”

Natürlich sollten im Wahlkampf die sozialen Themen angesprochen werden, sagte Göring-Eckardt. “Aber es gibt niemanden, der das Recht hat, das mit Hass zu tun.”

Sie legte nach: “Ich halte das aus. Ich halte den Hass aus. Ich halte den Hass in den sozialen Medien aus. Ich halte aus, dass man mich eine Schlampe nennt. Ich halte das aus, das man sagt, man möchte mich vergewaltigen.” Aber es betreffe auch viele andere, die damit nicht so gut umgehen könnten.

Wenn die Gesellschaft so weit auseinanderdrifte, dass solche Äußerungen salonfähig seien, “dann haben wir echt viel zu tun, die Demokratie zu verteidigen”.

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"Das ist nicht irgendeine Dame"

Wenig später geriet Gauland dann mit Schwesig aneinander.

Der AfD-Spitzenpolitiker sprach schon wieder über seine umstrittenen Äußerungen in den vergangenen Wochen. Bei einer Rede hatte Gauland gefordert, die Deutschen sollten stolz auf die Leistungen der Soldaten in beiden Weltkriegen sein dürfen.

Auch seine rassistische Rede über die SPD-Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz verteidigte Gauland nochmals. Er habe “nur empfohlen, dass sie vielleicht in ein Land gehen möge, wo sie die Kultur vielleicht besser versteht.”

An diesem Punkt platzte der SPD-Politikerin Schwesig der Kragen: “Das ist nicht irgendeine Dame. Das ist eine starke Frau, die hier aufgewachsen ist.”

Sie legte nach: “Wie Sie heute Abend hier drauf sind, das ist so typisch für Sie. Erst provozieren…”

Hier unterbrach der AfD-Politiker sie und meinte, er habe doch gar nicht provoziert.

"Sie spalten unser Land"

"Jetzt noch nicht", entgegnete Schwesig. "Jetzt setzen Sie sich ganz gemütlich hier hin und tun so, als ob alles ganz in Ordnung wäre mit Ihnen und Ihrer Partei."

Schwesig fuhr fort: "Sie spalten unser Land, Sie schüren Hass und Hetz." Eine 70-Jährige in Frankfurt an der Oder habe ihr kürzlich gesagt, Gaulands Worte erinnerten sie an den "Ton von Nazis".

Gauland hielt dagegen.

“Das ist immer der Versuch, uns sofort zu Nazis zu erklären." Schwesig wisse offensichtlich nicht mehr, was Nazis seien.

Die SPD-Politikerin antwortete, ihre Generation sei froh, friedlich aufgewachsen zu sein. “Sie spalten unser Land", sagt sie an Gauland gewandt. "Das ist das Problem”, wiederholte Schwesig.

Gauland blickte zu den Moderatorinnen und widersprach noch einmal.

Hier beendete Moderatorin Tina Hassel den Streit. Die Runde solle doch lieber über Inhalte sprechen.

Das erwarten die Politiker vor der Wahl

Zum Abschluss sollten die Spitzenpolitiker angeben, wie ihre Partei am Sonntag abschneiden wird. Von der Leyen sagte: “Wenn Menschen der Kanzlerin vertrauen, müssen sie mit der Zweitstimme Union wählen, das ist die Kanzlerstimme, und dann können wir in Richtung 40 Prozent gehen.”

Die Union liegt derzeit in Umfragen zwischen 36 und 37 Prozent.

Schwesig sagte: "Besser werden als in den Umfragen." Die SPD kommt aktuell auf Werte zwischen 20 und 23 Prozent.

Wagenknecht erwartet "auf jeden Fall" ein zweistelliges Ergebnis. Die Umfragen sehen die Linkspartei zwischen 8,5 und 11 Prozent.

Göring-Eckardt zeigte sich überzeugt, dass die Grünen "locker zweistellig und dritte Kraft" würden. Die Partei liegt allerdings in Umfragen nur bei 7 oder 8 Prozent.

Lindner sagte: "Wir würden gerne dritte Kraft werden." Die Liberalen kommen auf 9 bis 11 Prozent.

Nur Gauland wollte sich auf keine Vorhersage einlassen. Das würde ihm später nur wieder vorgehalten, wenn sie falsch sei.

Mit Material der dpa.

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