"logo!"-Moderatoren veröffentlichen eigenes Buch

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Die "logo!"-Moderatoren Jennifer Sieglar und Tim Schreder

Die beiden "logo!"-Moderatoren Jennifer Sieglar (34) und Tim Schreder (26) wollen für Durchblick sorgen. Donald Trump, Brexit, Erdogan, Flüchtlingskrise - alles scheint immer schneller, komplizierter und verrückter zu werden. 140-Zeichen-Tweets und Facebook sorgen auch nicht gerade für Verständnis. Mit ihrem Buch "Ich versteh die Welt nicht mehr. Die wichtigsten Nachrichten verständlich erklärt" (Piper) möchten Sieglar und Schreder mit Hintergründen zu den wichtigsten Nachrichtenthemen unserer Zeit Abhilfe schaffen - auf verständliche Weise. Im Interview mit spot on news sprechen die Autoren über Facebook, Trump und die AfD.

Sie arbeiten unter anderem für eine Kindernachrichtensendung, Ihr Buch richtet sich an Jung und Alt. Haben Sie den Eindruck, auch Erwachsene brauchen noch mehr verständliche Erklärungen?

"Ich versteh die Welt nicht mehr: Die wichtigsten Nachrichten verständlich erklärt" von Jennifer Sieglar und Tim Schreder gibt es hier

Jennifer Sieglar und Tim Schreder: Absolut! Wir denken, dass es niemanden gibt, der keine verständlichen Erklärungen braucht. Ohne fundiertes Hintergrundwissen kann man die aktuellen Nachrichten nicht verstehen, einordnen und sich so auch nur schwer eine eigene Meinung bilden. Das ist ja wie bei einer Serie wie "Game of Thrones" - wenn man ohne ein vernünftiges "Was bisher geschah..." irgendwo in der Mitte der Staffel anfängt zu gucken, wird man auch nicht viel verstehen.

Viele Nachrichtenthemen wie der Nordkorea-Streit oder der Nahostkonflikt sind schon so alt und haben so viele Wendungen genommen, dass man sie mit einer Serie gut vergleichen kann. Unser Buch liefert das "Was bisher geschah" für die wichtigsten Nachrichtenthemen unserer Zeit, damit man dann in der tagesaktuellen Berichterstattung wieder mitkommt. In einer "Tagesschau" oder im Facebook-Newsfeed ist für solche hintergründigen Erklärungen leider oft keine Zeit.

In den sozialen Medien scheint es oft einfache Antworten auf schwierige Fragen zu geben. Wie gefährlich ist es, sich nur über Facebook & Co. zu informieren?

Sieglar und Schreder: Es ist auf keinen Fall generell gefährlich, sich über Facebook & Co. zu informieren. Ob ich eine Sendung wie "heute" im Fernsehen schaue, in der Mediathek nachgucke, auf "heute.de" gehe oder der "heute"-Facebookseite folge, ist erstmal ziemlich egal. Facebook & Co. sind also keinesfalls automatisch "gefährlich" oder "schlechter" als andere Medien. Die Gefahr liegt allerdings darin, dass es schwieriger wird, seriöse von unseriösen Quellen zu unterscheiden. Nicht jeder konnte einfach so eine Zeitung drucken, die man in ganz Deutschland lesen konnte oder eine Sendelizenz bekommen - aber jeder kann eine Facebookseite mit Fakenews gründen und die verteilen sich dann rasend schnell, ohne dass man überhaupt weiß, woher die Nachricht ursprünglich stammt.

Das ist eine Gefahr von sozialen Netzwerken! Ein weiteres Problem liegt sicherlich darin, dass man in Social Media oft nur Überschriften liest und alles möglichst kurz und knapp sein muss. Innerhalb von kürzester Zeit scrollen wir in unseren Feeds durch Massen und Massen an News - da bleibt leider oft wenig Zeit für Erklärungen und Hintergründe.

US-Präsident Trump verkürzt seine Botschaften gern auf Twitter-Länge. In Ihrem Buch widmen Sie ihm auch ein Kapitel. Wie überrascht waren Sie selbst von seiner Wahl?

Sieglar und Schreder: Weil Umfragen und Experten sich eigentlich einig waren, dass Donald Trump keine Chance mehr habe, Präsident zu werden, waren natürlich auch wir erst mal überrascht. Damit hatte niemand gerechnet. Der eine hat am Tag nach der Wahl die "logo!"-Sendung von Mainz aus moderiert und die andere hat die Wahl vor Ort in Washington miterlebt und am Tag nach der Wahl geschaltet. Das war ein wirklich besonderer Tag, weil er auch noch mal sehr klar gezeigt hat, dass es trotz Umfragen und Co. in der Welt der Nachrichten jeder Zeit dicke Überraschungen geben kann, mit denen niemand rechnet - genau das macht Nachrichten ja auch so spannend!

Immer wieder gibt es Terroranschläge. Ab wann sind Kinder dazu in der Lage, das zu verstehen und wie spricht man am besten mit ihnen darüber?

Sieglar und Schreder: Fakt ist, dass Kinder heutzutage immer früher mitbekommen, was auf der Welt passiert. Mit Smartphones, Internet und Co. sind Kinder schon früh in einem Alter, in dem sie irgendwie alles mitbekommen. Es ist fast unmöglich geworden, Sachen vor Kindern geheim zu halten oder zu verstecken. Spätestens mit dem eigenen Smartphone ist Schluss damit. Wenn Kinder dann schreckliche Nachrichten mitbekommen, suchen sie nach Antworten. Es bringt also nichts, Terroranschläge vor Kindern geheim zu halten, weil sie sich die Antworten sonst selbst irgendwo suchen und vermutlich irgendwo finden, wo sie nicht gerade kindgerecht aufgearbeitet sind.

Wichtig beim Erklären von schrecklichen Nachrichten ist zunächst einmal, dass man ehrlich ist und nicht versucht, etwas schön zu reden. Kinder spüren das sofort und werden nicht gerne belogen. Außerdem sollte man selbstverständlich auf grausame Bilder, Geräusche oder Details verzichten. Alles was bei Kindern ein "Kopfkino" auslösen könnte, sollte man vermeiden. Wichtiger ist es, den Kindern die Hintergründe zu erklären: Warum machen Terroristen so etwas? Was wollen sie damit erreichen? Und es ist extrem wichtig, immer wieder klar zu machen, dass Terroranschläge sehr selten sind und dass die Wahrscheinlichkeit, dass mir morgen etwas passiert, extrem gering ist. Kindern fällt es schwer einzuschätzen, wie "groß" ein Nachrichtenthema wirklich ist und übertragen Dinge sehr schnell in ihre eigene Lebenswelt.

Am Sonntag ist Bundestagswahl, die AfD wird dann vermutlich in den Bundestag einziehen. Warum wirkt die Partei so verlockend auf viele Wähler?

Sieglar und Schreder: Wir wissen nun wirklich auf viele Fragen einfache und verständliche Antworten, aber auf diese Frage nicht. Es gibt so viele Menschen in Deutschland, die aus völlig unterschiedlichen Gründen ganz verschiedene Parteien wählen - hier eine pauschale Antwort zu geben, wäre wohl zwangsläufig verallgemeinernd und auch anmaßend. Trotzdem ist uns in den vergangenen Wochen bei unseren Dreharbeiten und Recherchen zur Bundestagswahl, in Gesprächen mit Politikern und Wählern im ganzen Land etwas aufgefallen, was wohl zumindest ein kleiner Teil der Antwort auf diese Frage ist.

Es gibt Menschen in Deutschland, die sehr unzufrieden sind mit der Politik. Mit der Flüchtlingspolitik, der Rentenpolitik, der Sozialpolitik - sie haben ein Gefühl von "Die Politik kümmert sich um alle, nur um mich nicht!" - solche Menschen scheint die AfD anzusprechen, indem sie das Gefühl vermittelt, dass sie "die Alternative" zu der bestehenden Politik sei. Zumindest für einen Teil der Menschen, die ihr Kreuzchen bei der Bundestagswahl bei der AfD machen, ist das also sicherlich eine Art von Protest.

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