Vor Auftritt des türkischen Präsidenten: Bodyguards von Erdogan verprügeln erneut Demonstranten in den USA

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ERDOGAN TRUMP
Erdogans Prügel-Truppe: Schon wieder drehen die Bodyguards des Präsidenten in den USA durch | Kevin Lamarque / Reuters
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  • Der Sicherheitsdienst des türkischen Präsidenten ist bei einer Veranstaltung in den USA erneut mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen
  • Trump lobte am Donnerstag vor einer Rede Erdogans dennoch den Politikstil des türkischen Präsidenten

Chaotische Szenen in New York: Anlässlich einer Rede des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Times Square haben Demonstranten für Tumult gesorgt.

Mittendrin im Geschehen: der Sicherheitsdienst von Erdogan. Laut der Nachrichtenagentur AP sei ein Mann aufgestanden und habe "Terrorist" gerufen, die Leibwächter hätten ihn daraufhin gepackt und aus dem Raum befördert, in dem Erdogan die Rede hielt.

Ein weiterer Demonstrant habe eine Flagge einer kurdischen Gruppe gezeigt, auch er wurde aus dem Saal geworfen.

Die US-Nachrichtenseite "VOA News" veröffentlichte Aufnahmen der Szenen.

Zu sehen ist, wie Erdogans Bodyguards einen Mann aus dem Raum befördern wollen. Ein anderer Mann - offenbar ein Erdogan-Anhänger - läuft der Menschentraube hinterher und schlägt dem Demonstranten mit der Faust ins Gesicht.

Eine Sprecherin des Hotels teilte der US-Nachrichtenseite "Patch" mit, die Männer in den Anzügen seien von Erdogan angeheuert worden - nicht vom Hotel.

Auf einem weiteren Video ist die Szene aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Hier wird auch deutlich: Auch der Sicherheitsdienst wandte Gewalt an.

Üble Szenen im Mai

Nachdem die Demonstranten aus dem Raum geschmissen wurden, habe Erdogan versucht, seine Anhänger zu beruhigen, berichtet die Nachrichtenseite "Turkish Minute".

Der türkische Staatspräsident habe in die Menge gerufen: "Lasst uns diese Versammlung nicht den frechen Saal-Terroristen überlassen."

Die Szenen erinnern an Bilder aus dem Mai 2017. Damals verprügelten Erdogans Leibwächter Demonstranten in Washington.

Gegen 15 von ihnen wurde Haftbefehl erlassen. Erdogan warf der US-Polizei dagegen schwere Versäumnisse vor. Die Beamten hätten es zugelassen, dass sich "Terroristen" ihm auf 50 Meter nähern hätten können.

Trump: "Erdogan bekommt sehr gute Noten"

Laut Aussagen von Erdogan habe sich US-Präsident Donald Trump kürzlich bei einem Telefonat "traurig" über die Ereignisse im Mai gezeigt. Erste Übersetzungen hatten davon gesprochen, Trump habe sich bei Erdogan entschuldigt. Dem widersprach Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin auf Twitter.

Trump und Erdogan trafen sich am Donnerstag nach dem Vorfall am Times Square zu einem Gespräch. Zuvor hatte Trump den türkischen Präsidenten für dessen Politik gelobt. "Er bekommt sehr gute Noten", sagte Trump.

"Unsere Beziehungen sind vermutlich enger, als sie jemals waren", fügte der US-Präsident hinzu. Das liege wohl auch an den guten persönlichen Beziehungen zwischen ihm und Erdogan.

Eigentlich gilt das Verhältnis beider Länder als angespannt. Die Türkei sieht vor allem die militärische Unterstützung der Kurden im Nordirak kritisch.

Erdogan fordert darüber hinaus die Auslieferung des im US-Exil lebenden Klerikers Fethullah Gülen, den die türkische Regierung für den Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres verantwortlich macht. Bisher weigern sich die USA aber, Gülen auszuliefern.

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(ben)

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