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21/09/2017 08:41 CEST | Aktualisiert 21/09/2017 08:47 CEST

"Ich habe eine Waffe dabei": AfD-Anhänger will Gast bei "Maischberger" von seiner Partei überzeugen

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"Ich habe eine Waffe mit im Studio dabei": AfD-Anhänger soll Gast bei "Maischberger" von seiner Partei überzeugen

  • Bei "Maischberger" sollten Prominente einen anderen Gast von ihrer Wahlentscheidung überzeugen

  • Ex-Moderator und AfD-Anhänger Gockel wählte zunächst ein beunruhigendes Argument

Wenige Tage vor der Bundestagswahl hat Sandra Maischberger in der ARD Prominente und Wissenschaftler zu ihrer Wahlentscheidung befragt.

Für Aufregung sorgte in der Sendung vor allem ein Gast: der ehemalige Moderator und AfD-Unterstützer Hans-Hermann Gockel. Eingeladen waren zudem:

Schauspielerin und CDU-Fan Uschi Glas

Schauspieler und SPD-Anhänger Clemens Schick

Ex-"Focus"-Chefredakteur und FDP-Unterstützer Helmut Markwort

Armutsforscher und Linke-Anhänger Christoph Butterwegge

Schauspieler und Grünen-Wähler Tayfun Bademsoy

Zu Beginn sollte jeder in der Runde einen anderen von seiner Wahlentscheidung überzeugen. "Ich möchte Sie bitten, die AfD zu wählen, weil man heutzutage nicht mehr unbewaffnet aus dem Haus gehen kann", sagte der frühere Moderator Gockel.

Und er fügte ein brisant klingendes Geständnis hinzu: "Ich gebe zu, ich habe auch heute eine Waffe im Studio dabei." Dann griff er in die Innentasche des Jackets - und holte seine "Waffe" hervor: das Grundgesetz. Mit Einband in den Deutschlandfarben.

Das wertlose Grundgesetz?

"Das ist eine Waffe, von der ich bisher dachte, dass sie mich schützt." Das Grundgesetz werde aber leider immer mehr verwässert.

"Ich hoffe, dass das Grundgesetz in Deutschland weiter seine Gültigkeit behält und dass wir nicht irgendwann nach den Regeln der Scharia leben müssen", sagte Gockel. Das werde nämlich kein "Zuckerschlecken" sein.

Erstes Thema der Diskussion war dann der Streit zwischen CDU und CSU während der Flüchtlingskrise. Uschi Glas bekannte: Sie habe mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem CSU-Parteitag 2015 gelitten, als Bayern Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Kollegin auf der Bühne abgekanzelt habe.

"Ich denke, dass das entglitten ist. Das darf einfach nicht passieren", sagte Glas.

Maischberger wies darauf hin, dass es beim Streit zwischen den beiden Unionsparteien um die Obergrenze gegangen sei. Glas meinte zwar, dass "wir in Passau überrannt worden sind". Eine Obergrenze lehne sie allerdings ab.

Schick über den "entscheidenden Fehler" von Merkel

SPD-Anhänger und Schauspieler Schick kritisierte den Alleingang der Bundeskanzlerin in der Flüchtlingskrise - auch wenn Merkels Entscheidung mutig gewesen sei.

Der entscheidende Fehler sei aber gewesen, dass sie die EU-Partner "nicht ins Boot geholt hat". Osteuropäische Länder würden nun keine Solidarität zeigen.

Moderator und "Waffen"-Besitzer Gockel sagte auf Nachfrage von Maischberger, er habe früher CDU gewählt - aber schon 2003 mit der Partei gebrochen. Grund: Merkel sei damals als CDU-Vorsitzende für die Beteiligung Deutschlands am Irak-Krieg gewesen.

"Wenn ich durch Bielefeld gehe, denke ich, ich bin in Nordafrika"

Danach widmete sich die Sendung aktuelleren Themen - wie der AfD. Maischberger zeigte in einem Einspieler einen Ausschnitt einer Rede von Gockel vor AfD-Anhängern 2016:

"Wenn ich durch Bielefeld durch die Fußgänger-Zone gehe, dann habe ich an manchen Tagen das Gefühl, ich bin Nordafrika oder im Nahen Osten."

Maischberger hakte nach: “Herr Gockel, was stört Sie an Ausländern in Bielefeld?"

Seine Antwort: Die Einwanderer würden die Sozialkassen der Bundesrepublik belasten, ohne dass sie einen Anspruch hätten, in Deutschland sein zu dürfen.

Die Belastung der Sozialkassen sei ein Argument, stellte Maischberger klar. Die Beobachtung in den Innenstädten aber ein "ausländerfeindliches Ressentiment".

"Wenn ich durch die Innenstadt von Bielefeld gehe, habe ich den subjektiven Eindruck, in Nord- oder Schwarzafrika zu sein", versuchte Gockel zu erklären.

Und bei einem solchen Eindruck stelle sich der Journalist Hans-Herrmann Gockel - er sprach von sich in der dritten Person - die Frage, was das objektiv bedeute. Er verwies auf Sozialausgaben, die wegen der Einwanderung steigen würden.

"Pure Ausländerfeindlichkeit"

Armutsforscher Butterwegge entgegnete: "Das hat einfach damit zu tun, dass die sozialen Probleme zugenommen haben."

Gockel mache ein Problem auf, dass es so gar nicht gebe. "Das sind doch nicht die Kosten der Flüchtlinge."

In Nordrhein-Westfalen würden viele ja schon bezweifeln, dass es Bielefeld überhaupt gebe.

"Aber wenn ich durch Bielefeld gehe, habe ich einen ganz anderen Eindruck als Sie. Diese Stadt ist belebt von Menschen, wo ich sehe, das ist eine Metropole, eine globalisierte Stadt mit Menschen verschiedenster Herkunft", sagte Butterwegge. Der Wissenschaftler kritisierte Gockelt hart: "Das hat mit ihren Ressentiments im Kopf zu tun."

Grünen-Wähler Bademsoy warf dem AfD-Anhänger an den Kopf: "Das ist pure Ausländerfeindlichkeit. Seit es die AfD gibt, spüren meine Kinder das."

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