Weltkindertag im Google Doodle: Wieso dieser Tag auch in Deutschland wichtig ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KIDS
Kinder haben auch eine Stimme | Alistair Berg via Getty Images
Drucken
  • Am Mittwoch ist Weltkindertag - Google erinnert mit einem Doodle
  • Das Motto: "Kindern eine Stimme geben"

Am 20. September ist Weltkindertag - und Google feiert diesen mit einem bunten Doodle. Bunte Eicheln springen über ein Seil, schaukeln, singen und lesen. Sie sitzen in einer großen, dicht belaubten Baumkrone. Sie wirkt weich und schützen wie ein Nest, auch sind sie nicht zu übersehen - oder zu überhören.

Dass die Kleinen oft ihre Münder offen haben, ist wohl kein Zufall.

"Wir reden viel zu oft über Kinder und viel zu selten mit ihnen"

Der Weltkindertag des UN-Kinderhilfswerks Unicef und des Deutschen Kinderhilfswerks steht in Deutschland unter dem Motto "Kindern eine Stimme geben".

Gefordert werden mehr Möglichkeiten für Kinder, ihre Ideen und Vorstellungen in Schulen, Kitas, aber auch Kommunen und Gemeinden einbringen zu können.

"Wir reden viel zu oft über Kinder und viel zu selten mit ihnen", sagt Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Kinderhilfe.

Zypries will das Wahlalter senken - aus einem einfachen Grund

Das sieht wohl auch die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) so. Sie hat sich dafür ausgesprochen, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken.

"Denn 16-jährige Mädchen und Jungen wissen in der Regel schon sehr genau, was sie wollen und was gut für sie ist", sagte Zypries zur Eröffnung des Weltkindertagsfestes am Sonntag auf dem Potsdamer Platz in Berlin.

Kinder hätten ein Recht darauf, gehört zu werden. Es lohne sich auch für unsere Gesellschaft. Deshalb müssten die Rechte der Kinder auch in der Verfassung verankert werden, betonte Zypries.

Das Weltkindertagsfest ist eine von mehreren hundert Aktionen zum Weltkindertag am 20. September.

Jedes Fünfte Kind lebt in Armut - und zwar in Deutschland

Aber man kann den Tag auch einfach mal als Erinnerung sehen. Denn auch in Deutschland kann nicht jedes Kind Kind sein.

Ein Grund ist: Armut.

Rund 13,3 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland. Knapp 19 Prozent von ihnen - fast ein Fünftel - gelten laut Statistik als arm oder armutsgefährdet, leben also in Haushalten mit geringem Einkommen.

Eines von 21 Kindern wohnt sogar in Haushalten mit "erheblicher materieller Deprivation" - der Fachausdruck dafür, dass jemand seine Wohnung nicht ausreichend heizen kann, laufende Rechnungen nicht zahlen und sich nicht einmal eine Woche Urlaub im Jahr leisten kann.

Hier können Projekte wie die Arche helfen. Arche-Sprecher Paul Höltge sieht die Angebote des Hauses jedoch nicht als existenzsichernde Grundversorgung für den Kiez an. Sie seien vielmehr eine Möglichkeit, den Kindern trotz ihrer oft prekären Lebensumstände etwas Stabilität und Normalität zu geben. Eltern sind ebenso zu jeder Mahlzeit eingeladen und werden dazu angehalten, gemeinsam mit ihren Kindern zu essen.

Für einige sei das Mittagessen in dem gänzlich spendenfinanzierten Haus die erste Mahlzeit am Tag.

"Wir verstehen uns als eine Ergänzung, eine Unterstützung zur Familie", sagt Höltge. Doch Familie zu erleben, ist nicht jedem Kind vergönnt.

2017-06-20-1497957385-7066081-HuffPost1.png
Erste Worte, erstes Durchschlafen - und der erste Kita-Platz: All das ist Thema in unserer Eltern-Gruppe bei Facebook. Meldet euch hier an.

Emotionale Verwahrlosung kann jedes Kind treffen

Denn nicht wenige Eltern geben ihre Kinder in die Obhut der Arche, weil sie nicht nur finanziell, sondern auch emotional überfordert sind. Und: "Emotionale Verwahrlosung gibt es auch in bessergestellten Familien", sagt Höltge.

Knapp 90 Prozent der Arche-Gäste sind gleichwohl Hartz-IV-Empfänger, schätzt Nele Thönnessen, eine von 16 Sozialpädagogen des Projekts. Viele leben nahe oder unter der Armutsgrenze, wenige wollen es zugeben oder sich selbst eingestehen.

"Wenn im Gesetz statt sexueller Gewalt das Wort Missbrauch steht, dann verniedlicht das"

Allerdings ist Armut nicht das einzige Problem. Nach Einschätzung von Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Kinderhilfe, wird ein Viertel aller Kinder gewaltbelastet erzogen: "Das reicht von der Ohrfeige bis zum Verprügeln."

Kinder bräuchten nicht nur besonderen Schutz in der Familie, sondern auch im Gesetz. "Momentan haben wir da aber eine Tendenz, dass Eigentum höher bewertet wird", sagt Becker.

Er könne zum Beispiel nicht verstehen, dass für Einbrüche und Diebstähle teils höhere Freiheitsstrafe verhängt würden als für Sexualstraftaten gegen Kinder. Er spricht zudem von einer "Unehrlichkeit" in der juristischen Sprache: "Wenn im Gesetz statt sexueller Gewalt das Wort Missbrauch steht, dann verniedlicht das, was Kindern angetan wird."

Das könnte euch auch interessieren:
Bundestagswahl 2017: Das ist der Unterschied zwischen Erststimme und Zweitstimme
Abgeordnetenwatch-Test: Welcher Direktkandidat verdient die Erststimme?
Wahl-O-Mat: Testet, welche Partei zu euch passt

Angebot: Mit dem Social-Media-Portal "Nebenan.de" könnt ihr euch mit euren Nachbarn online absprechen - wenn es um die Post geht, die Katzen-Versorgung oder um tolle Events.

Hier könnt ihr euch bei Nebenan.de kostenlos anmelden



Mit Material der dpa.

Korrektur anregen