Die Volksparteien verlieren kurz vor der Wahl an Boden - die lachenden Dritten sind die kleinen Parteien

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SCHULZ
Die Volksparteien verlieren kurz vor der Wahl an Boden - die lachenden Dritten sind die kleinen Parteien | dpa
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  • Oben flop, unten top: Das ist das Bild, das die neuesten Umfragen zur Bundestagswahl zeigen
  • Union und SPD verlieren an Zustimmung, wohingegen AfD, FDP, Grüne und die Linke gewinnen
  • Die Gründe dafür sind vielfältig: Fehlende Spannung beim Kanzlerduell, große Unzufriedenheit mit dem Wahlkampf und die Ablehnung einer nochmaligen Großen Koalition

CDU und SPD scheint im Schlussspurt des Wahlkampfes die Puste auszugehen. Ein Blick auf die drei aktuellsten Umfragen zeigt, dass die beiden Volksparteien an Zustimmung verlieren - und die kleinen Parteien an Zuspruch gewinnen.

Mehrere Umfragen zeigen diesen auffälligen Trend:

Allensbach: Im Vergleich zum 6. September verloren CDU und SPD jeweils 2 Prozent, wohingegen AfD (+ 2 Prozent), FDP (+ 1 Prozent), die Linke (+ 1 Prozent) und Grüne (+ 0,5 Prozent) zuletzt zulegen konnten.

Insa: Im Vergleich zur Vorwoche büßte insbesondere die SPD (- 1,5 Prozent) aber auch die CDU (- 0,5 Prozent) an Zustimmung ein. Auf der anderen Seite konnten Grüne (+ 1 Prozent) und Die Linke (+ 0,5 Prozent) zulegen, FDP und AfD blieben bei ihren Werten.

Forsa: Hier ist der Trend nicht ganz so stark. Allerdings verliert die CDU auch hier ein Prozent, die anderen Parteien - bis auf die FDP (+ 1 Prozent) - stagnierten am 19. September bei ihren jeweiligen Prozentzahlen der Vorwoche.

Keine Spannung, kein Wahlkampf

Das Institut für Demoskopie Allensbach führt den Rückgang bei den Volksparteien laut "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" darauf zurück, dass das Duell der beiden Spitzenkandidaten an Spannung verloren habe.

Doch auch der Bundestagswahlkampf selbst entfacht bei den Wählern wenig Begeisterung. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den Berliner "Tagesspiegel" sind lediglich 16,3 Prozent der Deutschen zufrieden mit dem Wahlkampf der Parteien. Unzufrieden zeigte sich dagegen eine Mehrheit von über 60 Prozent der Befragten.

Insbesondere das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz dürfte diese Sichtweise noch verstärkt haben. Wurde das Aufeinandertreffen im vornherein mit Spannung erwartet, erwies es sich letztendlich für viele als zu harmlos, zu kurz, zu langweilig.

FDP-Chef Christian Lindner traf auf Twitter anscheinend das Gefühl der Bürger: "Es hat sich angefühlt wie die Wartezeit beim Einwohnermeldeamt."

AfD - das neue Sammelbecken der Unzufriedenen

Dass diese Meinung nicht nur die Opposition, sondern auch viele Wähler teilen, zeigen die Umfragen.

Zudem ist die Kanzlerpräferenz seit Monaten stabil. Knapp die Hälfte der Bevölkerung votiert für die amtierende Kanzlerin, nur 23 Prozent für den SPD-Chef Schulz.

Die AfD habe der Linken den Rang als Sammelbecken der Unzufriedenen abgelaufen, heißt es bei Allensbach weiter. Denn überproportional viele Anhänger dieser beiden Parteien sind mit dem politischen System der Bundesrepublik Deutschland nicht zufrieden. Insbesondere bei den AfD-Anhängern treffen alle Institutionen des Landes überwiegend auf Misstrauen.

Auffällig ist auch: Sowohl Linke als auch AfD haben ihre Machtbasis primär in den östlichen Bundesländern - auch deshalb kommt es dort vermehrt zu Gewalt auf Politiker und Partei-Einrichtungen dieser Parteien.

Merkel: "Wir haben keine Stimme zu verschenken"

Die aktuelle Entwicklung deutet aber auch darauf hin, dass die Menschen weitere vier Jahre unter einer großen Koalition vermeiden wollen. Laut der Allensbach-Umfrage wünschen sich eine Fortsetzung der großen Koalition nur 14 Prozent der Befragten.

Trotz oder gerade wegen des derzeitigen Gegenwinds geben sich Merkel und Schulz weiter kämpferisch.

"Ich sage jedem und jeder, dass diese Wahl nicht entschieden ist", sagte die CDU-Chefin. Koalitionspräferenzen ließ sie weiterhin nicht erkennen. "Die CDU hat keine einzige Stimme zu verschenken, und ich spreche mal für die CSU gleich mit."

Auf der anderen Seite kündigte Schulz harte Auseinandersetzungen mit der Union bis zur Wahl an: "Ihr könnt Euch warm anziehen!", erklärte der SPD-Spitzenkandidat in Mannheim.

Damit könnten allerdings auch die eigenen Anhänger gemeint sein. Denn geht der Trend so weiter, dürfte es für die SPD noch frostig werden.

(Mit Material der dpa)

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