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20/09/2017 10:08 CEST

Sabine Christiansen war das Gesicht der politischen Talks - jetzt ist sie 60

Interessiert am Gespräch? So kennt man Sabine Christiansen

Lange haben wir nichts mehr von ihr gehört. Das ist schon ziemlich ungewöhnlich, denn sie war mal die bekannteste Frau im deutschen Fernsehen. Sie war das strohblonde Markenzeichen der politischen Talkshow - die "Mutter aller Politrunden" ("Gala"), die mit einem stahlblauem Blick ihren Kugelschreiber, den sie kaum zum Schreiben gebraucht hat, bisweilen wie eine Waffe gereckt hat. Nun ist auch sie in die Jahre gekommen, zumindest ein kleines bisschen. Am 20. September wird Sabine Christiansen 60 Jahre alt.

Die Kugelschreiber-Pose

In "Die besten Jahre: Frauen erzählen vom Älterwerden" kommt auch Sabine Christiansen zu Wort

Den Jüngeren, die wohl nur wenig Erinnerungen an sie haben und beim Stichwort "politische Talkshow" die Namen der Damen Volk, Illner oder auch Maischberger aufrufen, sei gesagt, dass Sabine Christiansen etwas Originäres hinterlassen hat, was auch ihre Nachfolgerinnen gern und häufig abrufen: die Kugelschreiber-Pose. Sabine Christiansen gilt als Urheberin dieser bedeutsamen Geste, die eigentlich niemand erklären kann.

Vom 4. Januar 1998 bis 24. Juni 2007 moderierte sie im Ersten sonntagabends die nach ihr benannte Talkshow "Sabine Christiansen", die sich zur bekanntesten Politikdebatte im deutschen Fernsehen entwickelt hatte. Insgesamt wurden 447 Folgen produziert. Zehn Jahre lang interviewte Sabine Christiansen im Berliner Studio fast alle wichtigen internationalen Regierungschefs, Wirtschaftsbosse und Meinungsmacher. Sie war die wichtigste Medienfrau des Landes.

Süffisante Stewardess

Was das bedeuten kann, hat Sabine Christiansen oft schmerzlich zu spüren bekommen. Manchmal gingen die Kritiker regelrecht brutal mit ihr um. Der "Spiegel" beschrieb sie als "Queen Blabla" oder als "Deutschlands begabteste Journalisten-Darstellerin" und "Plauderprimadonna". Ihre Vergangenheit als Stewardess der Lufthansa (1976-1982) wurde in diesem Zusammenhang mehr als einmal süffisant erwähnt.

Dem WDR-Autor Walter von Rossum war sie 2004 sogar das Buch "Meine Sonntage mit Sabine Christiansen" wert. Er charakterisierte die Sonntagsdebatte als eine "Orgie des Geschwätzes". "Tatsächlich ging es mehr oder weniger oft darum, ob Deutschland noch zu retten sei und ob sich der Reformstau auflöse", schrieb die Süddeutsche Zeitung. Immerhin konnte das so verwirren, dass einmal der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber (75) die Moderatorin mit "Frau Merkel" ansprach. Zu der hatte Sabine Christiansen einen besonders kurzen und engen Draht.

"Die Sendung mit der Maus"

Aber auch die lieben Kollegen von der ARD, wo sie von 1987 bis 1997 Redakteurin bei "ARD Aktuell" war und die "Tagesthemen" moderierte, hatte ihren Spaß an Christiansens Lufthansa-Intermezzo. Im Flurfunk wurde gern über ihren "Tagesthemen"-Auftritt als "Sendung mit der Maus" gelästert.

Von alledem hat Sabine Christiansen alles mitbekommen, sich aber nie aus der Ruhe bringen lassen. Nur einmal hat es ihr den Boden unter den Füßen weggezogen, das war im September 2001 - und das Publikum bekam es quasi live mit. Sie wirkte bei ihrer Talkshow ungewöhnlich fahrig und unkonzentriert. Ihr Ehemann Theo Baltz hatte am Samstag davor eröffnet, dass für ihn die Ehe beendet sei und er sich von ihr trennen werde. "Es traf sie wie ein Blitz. Ohne Vorwarnung", schrieb die "Welt".

Sabine Christiansen - in erster Ehe von 1986 bis 1994 mit dem Juristen Uwe Christiansen verheiratet - hatte den TV-Produzenten Theo Baltz 1994 geehelicht. Sie trug zwar den Namen aus ihrer ersten Ehe als Künstlernamen weiter, hat sich privat aber immer mit ihrem Familiennamen Baltz gemeldet. In den sieben Jahren ihrer Ehe galten die beiden als liebevolles Vorzeigepaar. Gemeinsam haben sie die Erfolgssendung in der ARD "Sabine Christiansen" erdacht und aufgebaut; er als Produzent und Chef der Firma Medienkontor, sie als Moderatorin.

Ausgerechnet eine andere Moderatorin

Besonders schmerzlich war, dass sich Baltz ausgerechnet in Christiansens enge Freundin und Kollegin Ulla Kock am Brink (56) verliebt hatte. Sie, ihr Lebensgefährte Alfred Bremm und das Ehepaar Baltz verband seit Jahren eine echte Freundschaft. Auch Freunde und Außenstehende traf die Trennung völlig unvorbereitet.

Christiansen wollte ihre Sendung an jenem Tag nicht schmeißen. Und auch nach der Trennung arbeitete Sabine Christiansen mit ihrem Ex noch zusammen. Die Baltz-Firma Medienkontor lieferte Studiotechnik und sollte dafür 40.000 Euro pro Sendung pauschal erhalten. Darüber gerieten die beiden in einen heftigen Streit, der vor dem Landgericht Berlin ausgetragen wurde.

Ein neues Glück

Alles Schnee von gestern: Ulla Kock am Brink und Theo Baltz haben zwar geheiratet, aber auch diese Ehe ging 2010 in die Brüche. Dafür hat Sabine Christiansen ein neues Glück gefunden. Nach dem fast quälerischen Aus ihres Polit-Talks 2007 hat sie noch einmal geheiratet - den französischen Textil-Unternehmer Norbert Médus (64), den sie bereits 2005 kennengelernt hatte. Bei der Hochzeit 2008 in Paris war Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ihr Trauzeuge. Das Paar lebt in einer 210-Quadratmeter-Wohnung mit Blick auf den Eiffelturm.

Ihren Wohnsitz in Berlin hat sie behalten. Dort ist auch ihre TV-Produktionsfirma ansässig. Zudem sitzt sie bei der Freenet AG und bei Hermes Europe im Aufsichtsrat. Besonders ernst nimmt sie ihre sozialen Verpflichtungen als UNICEF-Botschafterin, als Vize-Vorsitzende der Laureus-Stiftung und als Leiterin der eigenen Kinderstiftung.

Eine ganz besondere Rolle spielt für sie Mallorca. Dort besitzt Norbert Médus in der Nähe von Port Andratx ein Haus. Mallorca ist ihr neuer Lieblingsplatz. "Mein Leben spielt sich viel in hektischen Großstädten ab. Aber wenn ich wieder auf der Insel bin, kann ich entspannen. Wir haben die Berge, und im Winter sind die Strände leer. Ich genieße dann lange Spaziergänge mit meinem Hund - das bringt Ruhe in mein Leben", sagte sie in einem Interview.

Ein Comeback mit einer neuen Talkshow kann sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. So etwas passe nicht mehr "in meinen Lebensentwurf". Die ständige Öffentlichkeit sei "ein gewöhnungsbedürftiges Dasein", sagte sie im Gespräch mit "Bild der Frau". "Mein Mann und ich schätzen unser jetziges Leben mit deutlich mehr Privatsphäre sehr!"