US-Wirtschaftsjournalisten analysieren: Das sind Merkels größte Herausforderungen in der nächsten Amtszeit

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ANGELA MERKEL
Angela Merkel | Kai Pfaffenbach / Reuters
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  • Auf die neue Regierung kommen zahlreiche Probleme zu
  • Einige von ihnen listen nun die Wirtschaftsexperten von “Bloomberg” auf

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen: Angela Merkel wird aus diesem Wahlkampf wohl wieder als Bundeskanzlerin hervorgehen.

In ihrer vierten Amtszeit steht die Kanzlerin allerdings vor einigen Problemen - die sie sich selbst in den vergangenen Jahren eingebrockt hat.

So kritisierte zuletzt der Berlin-Korrespondent des britischen Wirtschaftsmagazins “Economist”, Jeremy Cliffe, im Gespräch mit der HuffPost: “Die wirklichen Probleme Deutschlands kommen im Wahlkampf nicht zur Sprache.” Stattdessen gefallen sich vor allem die großen Parteien CDU und SPD im Konsens.

Mangelnde Investitionen

Nun legt auch die auf Wirtschaft spezialisierte US-Nachrichtenseite “Bloomberg” mit einer Deutschland- und Merkel-Kritik nach. Der Titel des Beitrags: “Merkels Problem: Deutschlands Wirtschaft ist zu 20. Jahrhundert”.

Vieles, was “Bloomberg” schreibt, ist nicht neu. Dennoch zeigt der Blick von außen noch einmal klarer, wie es wirklich im Land bestellt ist.

Denn auf den ersten Blick, so gibt auch “Bloomberg” zu, gehe es der deutschen Wirtschaft blendend.

Auf den zweiten Blick zeige sich allerdings, dass in Bereichen, die entscheidend für den Erfolg im 21. Jahrhundert sein werden, wie der Internetversorgung und der Bildung, hohe Investitionen nötig seien.

Parteien bleiben vage in ihren Versprechen

“Bloomberg” kritisiert zum Beispiel die mangelnden Investitionen in die öffentliche Infrastruktur. “Bloomberg” schreibt: “Deutschland setzt seine Zukunft aufs Spiel, indem es die Infrastruktur vernachlässigt - das reicht von Toiletten in Schulen bis zur Ausrüstung der Bundeswehr.”

Auch in Straßen, Krankenhäuser sowie Forschung und Entwicklung werde zu wenig investiert. Merkel sei es in den vergangenen Jahren wichtiger gewesen, den Haushalt auszugleichen.

In Zahlen ausgedrückt: Nur 10 Prozent der Investitionen in Deutschland kommen vom Staat. Zum Vergleich: In Japan, Frankreich, den USA und Kanada liegt der Wert bei 16 Prozent.

Auch das im Wahlkampf viel diskutierte Thema des Breitband-Ausbaus spricht “Bloomberg” an. Zwar würden fast alle Parteien versprechen, in dieser Hinsicht etwas zu verbessern.

“Allerdings ist bisher unklar, wie viel Geld wirklich für den Ausbau von Glasfaserkabeln eingesetzt wird.” Deutschland nimmt unter den sieben größten Industrieländern den letzten Platz ein, wenn es um den Ausbau des Glasfasernetzes geht.

Schaden für den Wirtschaftsstandort

Ein weiterer Punkt, in dem Deutschland schlecht wegkommt: Wirtschaftsschulen in Deutschland hätten immer noch einen schweren Stand. Auch die Qualität der Management-Schulen sei nicht so gut wie zum Beispiel in Frankreich, Großbritannien, Kanada oder in den USA.

Das könnte langfristig dem Wirtschaftsstandort schaden. Der Grund laut “Bloomberg”: Immer noch sind sehr wenige Studenten bereit, für ihr Studium zu bezahlen. Sie wählen die kostenlose Ausbildung an den Unis.

Der “Economist”-Journalist Cliffe hatte im Gespräch mit der Huffpost noch auf ein weiteres Problem hingewiesen, das Deutschland nach der Wahl dringend angehen muss:

Fast die Hälfte der Menschen hätten nicht von den Lohnerhöhungen der vergangenen Jahren profitiert. Die Schlangen an den Essensausgaben der Tafeln würden immer länger. Der Wohlstand in Deutschland sei ungleicher verteilt, als es oft scheine.

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(mf)

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