"Hart aber Fair": Student iranischer Abstammung treibt Alice Weidel in die Enge

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  • Ein Student iranischer Abstammung bringt AfD-Spitzenpolitikerin Alice Weidel bei "Hart aber Fair" in Bedrängnis
  • Was wolle Weidel gegen Ausgrenzung von Migranten tun?, fragt er sie.
  • Wie oben im Video zu sehen ist, findet die nur Ausflüchte

Es war in weiten Teilen ein gesitteter Abend in der ARD-Sendung "Hart aber Fair". Moderator Frank Plasberg fragte seine Gäste: "Was muss sich ändern bei Sicherheit und Zuwanderung?"

Eingeladen waren Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir, "Bild"-Journalist Nikolaus Blome, Omid Saleh, ein in Deutschland geborener Student iranischer Eltern - und die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel.

Die hielt dieses Mal bis zum Ende der Sendung durch. Ihre Antworten fielen so moderat aus am Montagabend, dass zwischen AfD, CSU und sogar den Grünen stellenweise fast kein Unterschied zu erkennen war. So einig schienen sich alle bei der Abschiebung von straffällig gewordenen Asylbewerbern und der Notwendigkeit eines Einwanderungsgesetzes zu sein.

Nur Cem Özdemir fragte fast verdruckst, ob die Gefängnisse in Afghanistan gut genug seien, um die Straftäter auch wirklich ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

Der Unterschied der AfD zu den anderen Parteien? "Es ist der Zynismus im Kleingedruckten", sagte "Bild"-Journalist Blome.

Deutlich machte das der Student Saleh mit seinen Fragen an Weidel.

"Was wollen Sie dagegen tun?"

"Rassismus gab es immer", sagte Saleh. "In den vergangenen Jahren hat er aber stark zugenommen."

Als Gründe nannte er die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, die in seinen Augen 2015 sehr chaotisch verlaufen sei. Mitverantwortlich sei aber auch die AfD und ihre Rhetorik.

"Die macht die Leute heiß darauf, ihre Probleme auf Ausländer zu schieben", sagte Saleh. Als Beispiel nannte er eine persönliche Erfahrung aus München. Ein Mann habe ihn an einer Bushaltestelle gefragt: "Bist du ein Terrorist oder ein Mörder?"

“Die Leute können nicht mehr differenzieren”, erklärte Saleh seine Eindrücke aus dem Alltag. Auch durch die Aussagen mancher AfD-Politiker sei das vielen Menschen nicht mehr möglich.

"Das ist Aufhetzen, Hass schüren, pauschalisieren", sagte er. Daran sei auch die AfD schuld, die Terroristen, Flüchtlinge, Zuwanderer und Migranten oft in einen Topf werfe.

An AfD-Politikerin Weidel gewandt fragte Saleh: "Was wollen sie dagegen tun, dass ich mich nicht ausgegrenzt fühle?"

Weidel weicht aus

Die schob jede Schuld weit von sich. "Ich fürchte mich auch vor der Spaltung der Gesellschaft", sagte Weidel.

"Sie sind ja das Opfer einer komplett verkorksten Wahrnehmung", antwortete die Politikerin dem Studenten. Schuld daran sei die Bundesregierung mit ihrer "verkorksten" Flüchtlingspolitik.

Rassistische Hetze? Laut den Aussagen von Weidel gibt es das nicht in ihrer Partei.

Hetzerische Rhetorik in der AfD?

Die Frage von Saleh hatte Weidel damit nicht beantwortet. Plasberg wollte dem noch einmal nachgehen. Es gehe doch um die Sprache, warf der Moderator ein.

"Dann konkreter, welche Sprache denn?", gab Weidel etwas patzig zurück.

Hier schaltete sich Grünen-Politiker Özdemir ein und verwies auf die Aussage von Weidels Kollegen Alexander Gauland. Der wollte die SPD-Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz "in Anatolien entsorgen".

Weidel lenkte ab, SPD-Mann Sigmar Gabriel habe 2012 auch das Wort "entsorgen" benutzt. Dass Gaulands Aussage aber durch den Verweis auf Anatolien eindeutig rassistisch gemeint war - darauf wies in der Sendung keiner hin.

Der Rassismus im Kleingedruckten

Blome brachte schließlich ein weiteres Beispiel. In Bayern gebe es 126 Fälle von Zuwanderern, die der Vergewaltigung verdächtigt würden.

AfD-Politiker Jörg Meuthen hatte das am Montag zum Anlass genommen zu sagen: "Da sieht man mal, in welchem Zustand sich Deutschland 2017 befindet."

Von 126 Fällen auf ganz Deutschland und alle Migranten zu schließen? "Wenn das kein Beispiel für Pauschalisierung ist, weiß ich auch nicht", sagte Blome.

Der Hass in der Sprache, er versteckte sich am Montagabend im "Kleingedruckten", wie Blome gesagt hatte.

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