Hunderttausende Rohingya auf der Flucht: Dieses Bild ist eine Schande für die ganze Welt

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  • Hunderttausende Muslime fliehen derzeit aus Myanmar nach Bangladesch
  • Beobachter sprechen von ethnischen Säuberungen durch die Armee
  • Ein Foto zeigt das Leid der Flüchtlinge auf besonders drastische Weise

Eine Mutter, die ihr totes Kind beweint.

Es ist eine der ältesten Darstellungen von Leid und tiefster Trauer, die die Menschheit kennt. Und eine der Wirkungsvollsten, um auf Unrecht hinzuweisen.

Genau so eine Aufnahme hat vor einigen Tagen der Fotograf Mohammad Ponir Hossain an einem Strand in Bangladesch gemacht.

mohammad ponir hossain
(Hamida beweint ihren Sohn. Quelle: Reuters)

Der Hintergrund der Aufnahme: Aktuell fliehen täglich zehntausende Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch. 400.000 Menschen haben in den vergangenen drei Wochen ihre Heimat verlassen, weil Polizisten und Soldaten ihre Dörfer niederbrennen, Frauen vergewaltigen und Kinder abschlachten.

Hamidas Boot kenterte

Menschenrechtsorganisationen warfen Myanmar eine ethnische Säuberung vor. Es ist eine humanitäre Katastrophe, die sich vor den Augen der Weltgemeinschaft ereignet - und die unternimmt bisher nichts, um das Grauen zu beenden.

Viele der Flüchtlinge von ihnen setzen sich in alte, kaum seetaugliche Boote, um die fünfstündige Überfahrt durch den Golf von Bengalen zu wagen.

In einem dieser Boote saßen vergangene Woche auch Hamida und ihr Mann Nasir Ahmed mit ihren beiden Söhnen und 18 weiteren Flüchtlingen.

Kurz vor dem rettenden Strand kenterte das Boot aber, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, für die der Fotograf Hossain arbeitet. Dabei ertrank einer der Söhne von Hamida. Der zweite Sohn des Paares hat laut Reuters den Schiffbruch überlebt.

mohammad ponir hossain
(Das Boot, mit dem Hamida und ihre Familie flohen, liegt in den Wellen. Quelle: Reuters)

Hamidas Boot kenterte

“Ich bin zu dem Ort geeilt und ich habe die Menschen gesehen, wie sie über dem Körper des toten Babys geweint haben”, erklärt Hossain.

Dort sah er die Frauen, die zu Hamida eilten, um sie zu trösten.

mohammad ponir hossain
(Nasir Ahmed trägt seinen toten Sohn in den Armen. Quelle: Reuters)

Und er sah den Mann von Hamida, wie er seinen toten Sohn schließlich vom Strand wegträgt.

Humanitäre Situation spitzt sich zu

Die Fotos, die Hossain gemacht hat, sind gleichzeitig ein Appell an die Weltgemeinschaft, endlich etwas gegen das Morden in Myanmar zu tun.

Denn die humanitäre Krise der Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch hat sich in den vergangenen Tagen noch einmal dramatisch zugespitzt.

Der Wetterdienst des Landes warnte am Montag vor Stürmen und Monsunregen an der Grenze zwischen Myanmar und Bangladesch.

Viele der Flüchtlinge schlafen im Freien, da die Flüchtlingslager voll sind und es an Zelten mangelt. Zwei Migranten wurden von wilden Elefanten totgetrampelt - darunter ein zweijähriges Kind.

Das sind die wichtigsten Informationen zum Drama um die Rohingya:

Die Flucht der Rohingya begann am 25. August, als Myanmars Militär nach Angriffen von Rohingya-Rebellen auf Polizei- und Militärposten mit Razzien im Bundesstaat Rakhine begann.

Rakhine grenzt an Bangladesch. Die Rohingya werden von Myanmar, dem ehemaligen Birma, nicht als Staatsbürger anerkannt. In dem Vielvölkerstaat ist die große Mehrheit der Bevölkerung buddhistischen Glaubens.

Tausende Menschen harren laut UN in spontan errichteten Unterkünften am Straßenrand aus. “Sie haben gar nichts, sind hungrig und traumatisiert und haben keinen Zugang zu sauberem Wasser”, sagte ein Experte der Internationalen Organisation für Migration (IOM).

Die Gefahr von Epidemien ist laut Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef sehr groß. Zudem seien schon vor der Krise mehr als die Hälfte der Kinder mangelernährt gewesen.

Amnesty International liegen nach eigenen Angaben Beweise für eine ethnische Säuberung an den Rohingya vor.

Diese belegten, dass Sicherheitskräfte und Selbstjustiz-Mobs im Norden des Bundesstaates Rakhine ganze Dörfer der muslimischen Minderheit niedergebrannt und auf fliehende Menschen geschossen hätten, teilte die Menschenrechtsorganisation mit.

Auswertungen der Daten eines Branderkennungssystems, Bilder von Satelliten und vor Ort sowie Aussagen von dutzenden Zeugen in Myanmar und im Nachbarland Bangladesch zeigten eine systematische “Kampagne der verbrannten Erde massenhaften Ausmaßes” in den vergangenen drei Wochen.

Angesichts der Situation wird die internationale Kritik an Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi immer größer. Die Friedensnobelpreisträgerin führt seit vergangenem Jahr in dem südostasiatischen Land als “Staatsrätin” praktisch die Regierung.

Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina hat die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Druck auf Myanmar auszuüben, damit das Land die Flüchtlinge als Staatsbürger in ihre Heimat zurücklasse und ihre Sicherheit gewährleiste.

Mehr zum Thema: Die größte Flüchtlingskrise, von der bisher kaum jemand gehört hat

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(jg)

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