Frau veröffentlicht SMS ihres Ex-Mannes, um andere vor einem grausamen Schicksal zu warnen

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Frau veröffentlicht SMS ihres Ex-Mannes, um andere vor einem grausamen Schicksal zu warnen. | iStock
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  • Häusliche Gewalt ist kein Einzelfall
  • Oftmals leiden die Betroffenen jahrelang, bevor sie sich der Polizei oder anderen Menschen anvertrauen
  • Auch Krissy Kross wurde von ihrem Mann jahrelang missbraucht - und warnt jetzt andere Frauen

127.457 Menschen in Deutschland wurden 2015 Opfer von häuslicher Gewalt.

Oft bekommt davon niemand etwas mit. Nicht die Freunde, die zu Besuch kommen. Nicht die Nachbarn, die direkt daneben wohnen. Nicht die Kollegen, die die Opfer jeden Tag sehen.

Ihr Mann empfing sie mit einer Pistole in der Tasche

Auch Krissy Kross wurde ein Opfer häuslicher Gewalt. Ihr Ex-Ehemann stalkte sie, belästigte sie sexuell und schlug sie. Er empfing sie regelmäßig nach der Arbeit immer - immer - mit einer Pistole in der Tasche, wie sie berichtet.

Auf dem Bilder-Portal Imgur lud Kross nun einige SMS ihres Ex-Mannes hoch. Sie zeigen ihr Martyrium und können anderen Frauen die Augen öffnen.

Denn: Kross' Mann war nicht immer so. "Mein Ex-Mann war ein höflicher, liebenswürdiger Mann. Bis ich abgenommen und einen Job gefunden habe. Dann ging er plötzlich davon aus, dass ich ihn betrüge", schreibt sie unter die Screenshots der SMS.

Adam wollte jedes Detail aus dem Leben seiner Frau wissen

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Gleich beim ersten Screenshot wird deutlich, wie wenig ihr Ex-Mann ihr vertraut hat. Adam - unter diesem Namen hat Kross ihn im Handy gespeichert - schickte ihr zahlreiche Nachrichten und wollte jedes Detail ihres Tagesablaufs wissen.

"Wo bist du?", fragte er. Auch wo sie zum Mittagessen hinging, interessierte ihn brennend. Und natürlich, mit wem.

Adam war nämlich ziemlich eifersüchtig auf Kross' Kollegen Tony. Das wird in den folgenden SMS klar.

Adam unterstellte seiner Frau eine Affäre

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Adam wollte wissen, wie es Tony geht. Dass die Frage aber nur der Provokation diente, zeigt das Kürzel "LOL" am Ende seiner SMS.

Kross beteuerte, nicht zu wissen, wie es Tony gehe. Er hätte Frühschicht bis 12.30 Uhr gehabt. Mit der genauen Zeitangabe machte sie es jedoch nur noch schlimmer. Denn jetzt regte sich Adam darüber auf, dass sie seinen Zeitplan ja so gut kennen würde.

Den kenne sie aber nur so gut, weil ihr Schicht genau dann anfing, wenn seine endete, wie sie erklärt.

Als Adam wissen wollte, wo Kross die Nacht verbracht hatte, eskalierte die Situation.

"Ich habe Fallen aufgestellt", schreibt Adam

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Adam schreibt, er hätte Fallen aufgestellt. "Um zu sehen, ob du hier schläfst. Das hast du aber nicht. Lüg mich nicht an", schreibt der eifersüchtige Mann. Und weiter: "Das war ein Test und du hast genau das getan, was ich gedacht habe."

"Jetzt weiß ich es ja. Aber ich will es von dir hören", schreibt er. Kross reagierte auf keine der Nachrichten. Sie erklärt zu dem Screenshot, dass sie die Nacht bei einer Arbeitskollegin verbracht habe.

Eines Tages wollte sie ebenfalls mit zwei Kolleginnen ausgehen. "Er schlug mich ins Gesicht, haute meinen Kopf auf den Boden", beschreibt Kross die grausame Situation.

Ihre Schwiegereltern wollten ihr nicht helfen

Sie wollte zur Polizei gehen, aber daraus wurde nichts. Adam habe sie den kompletten Weg verfolgt.

Kross vertraute sich schließlich den Eltern ihres Mannes an, fragte nach Rat. Doch weder seine Mutter noch sein Vater - ein Pfarrer aus Tennessee - konnten ihre Beschwerde verstehen. Das sei in einer jungen Ehe eben üblich, bekam sie zu hören. Von häuslicher Gewalt wollten sie nichts wissen.

Als Kross nicht mehr auf die Nachrichten reagierte, schreibt Adam "Ich liebe dich, egal was du letzte Nacht getan hast." Wie schnell seine Liebe in Hass umschlagen kann, zeigt der letzte Screenshot, den Kross auf Imgur hochgeladen hat.

"Ich hasse dich, verdammt nochmal", schreibt Adam diesmal seiner Frau. Außerdem macht er klar, dass sie in Washington nicht mehr willkommen ist.

Als Adam ihre Tiere verletzt hat, greift Kross durch

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Schließlich hat es Kross doch geschafft, sich von ihrem Peiniger zu befreien. Aber nicht, weil ihr Mann SIE geschlagen und tyrannisiert hat. Sondern weil er ihren Hund und ihre Katze verletzt hat. Sie hat ihre Tasche gepackt und ist zu einer Kollegin gefahren. Von dort aus hat sie die Polizei gerufen.

"Ich habe gewartet, bis er Auflagen bekommen hat. Dann habe ich ihn nur noch ein paar Mal gesehen, und das auch nur im Gericht", schreibt Kross über die Zeit nach der Trennung.

Mehr zum Thema: Die Geschichte hinter diesem Bild weist auf eine Gefahr hin, der viele Frauen täglich ausgesetzt sind

Adam ist zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Jetzt, drei Jahre später, ist Kross eine glückliche Frau: "Ich habe meine eigene Wohnung, einen ordentlichen Job, meinen Tieren geht es gut. (...) Ich habe die Nachrichten behalten, um mich daran zu erinnern, wie weit ich gekommen bin."

"Ich bin stolz auf das, was ich alleine geschafft habe."

Hinweis der Redaktion: Wenn du selbst Unterstützung brauchst, kannst du dich an die Telefonseelsorge wenden. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Wenn du es wünscht, erhältst du dort auch ein Beratungsangebot und wirst von dort an kompetente Fachstellen vermittelt.

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(lm)

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