"Wir sind ihnen ein halbes Jahr voraus": FDP-Chef Lindner teilt am Parteitag gegen die Grünen aus

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"Wir sind ihnen ein halbes Jahr voraus": FDP-Chef Lindner teilt am Parteitag gegen die Grünen aus | dpa
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  • FDP-Chef Christian Lindner hat beim Parteitag der Liberalen gehörig gegen die Grünen gekeilt
  • Die würden seine Formulierungen klauen, sagte Lindner

Christian Lindner hatte da noch eine offene Rechnung. Das war auf dem Partei der FDP am Sonntag zu spüren. Denn immer wieder attackierte der Parteichef der Liberalen die Grünen - und vor allem deren Spitzenkandidat Cem Özdemir.

Der hatte Lindner am Samstag in der "Bild"-Zeitung als "Diktatorenversteher" beschimpft, denn der FDP-Politiker wirbt für eine neue Russland-Politik.

"Insbesondere die Grünen haben eine regelrechte Kampagne gegen die FDP gestartet", sagte Lindner - und verwies zunächst auf die eher humorvolle "Fälschung" von FDP-Wahlplakaten durch Mitglieder der Grünen.

Dann zählte Lindner auf, was die Grünen in den vergangenen Tagen über die FDP gesagt hätten: "Lindner spielt Trump", "Schaumschlägerei", "Menschenfeinde".

Wettkampf um den dritten Platz

Die verbalen Attacken sind wenig verwunderlich, immerhin haben sowohl die FDP als auch die Grünen bei einer Koalition mit der Union die Chance, sich an einer Regierung zu beteiligen. Beide kämpfen um den dritten Platz bei der Wahl - Umfragen sehen die FDP allerdings vorne.

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Auch die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer hatte zuletzt gegen die Grünen ausgeteilt. Sie bezeichnete Berichte über die Zunahme von Extremwetter-Ereignissen als "Fake News" und die Kampagne der Grünen als Angstmacherei.

"Mögen sich die Grünen mit sich selbst beschäftigen, wir beschäftigen uns mit Inhalten", sagte Lindner auf dem Parteitag. Er forderte mehr Investitionen für die Bildung. Konnte sich aber auch hier einen Seitenhieb auf die Grünen nicht verkneifen.

Die Grünen kopierten Lindners Sprüche

"Unser Ziel ist, dass im nächsten Jahrzehnt kein Mensch mehr die Schule ohne Abschluss verlässt", sagte er.

Overhead-Projektoren, ein Patent aus den 1930er Jahren, würden noch immer in der Liste der neuen Medien gehandelt, witzelte er. "Unsere Schulen sind eher zu einer Sammlung von Elektroschrott geworden als zu Laboren für die Zukunft." Das "Digitalste" in den Schulen dürfe nicht die Pause sein.

Lindner verwies auf eine Wahlsendung in der ARD, wo Özdemir gesagt habe: "Es kann doch nicht sein, dass die Bundesregierung in Burundi und Botswana Schulen saniert, aber nicht in Deutschland."

Denselben Satz habe er auf dem Bundesparteitag schon gesagt. "Ich freue mich immer, wenn es neue Anhänger für unsere Positionen gibt, aber wir sind den Grünen mindestens ein halbes Jahr voraus", sagte Lindner. Die nächste Spitze gegen den Konkurrenten.

"Wer uns mit der AfD vergleicht, verharmlost die Gefahr"

Auch auf die Kritik nach seinen Äußerungen zur Flüchtlingspolitik ging Lindner ein. Manche Journalisten und Politiker hatten im vorgeworfen, die rechten Parolen der AfD nachzusagen.

Er habe nur seine Standpunkte wiederholt, die er seit zwei Jahren vertrete, sagte Lindner. Die FDP wirbt für ein Einwanderungsgesetz, das zwischen Asyl, Flucht und qualifizierter Zuwanderung unterscheidet.

Die AfD setze auf Ressentiments und Abschottung, sagte Linder. "Wer uns mit denen vergleicht, der verharmlost die Gefahr für unsere politische Kultur, die von den echten Feinden, der völkisch-autoritäten AfD ausgeht."

Im weiteren Verlauf seiner Rede kritisierte Lindner die Internet-Konzerne Google und Apple. "Spieler wie Google dürfen nicht so mächtig werden, dass sie selbstherrlich die Regeln aufstellen", sagte Lindner.

Er beschwerte sich außerdem, dass Steuererklärungen und andere amtliche Vorgänge so viel Zeit in Anspruch nehmen würden.

"Unser Ziel muss sein, dass Deutschland nicht immer nur Fußball-Weltmeister werden will. Wir müssen in gleicher Weise auch den Anspruch haben, Digital-Weltmeister zu sein. Allein, um den Leuten Lebenszeit zu ersparen", sagte er.

Auch eine letzte Spitze gegen die Grünen ließ sich Lindner nicht nehmen: “Wir haben in unserer Vergangenheit Fehler gemacht. Wer nicht. Wir sind nicht unfehlbar. Wer was Unfehlbares will, der muss in die katholische Kirche gehen, da gibt es den Papst. Oder der muss zu den Grünen gehen, da gibt es Katrin Göring-Eckhardt.”

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(mf)

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