"Rennen zwischen FDP und AfD": Wie Lindner den Kampf um Platz 3 für sich entscheiden will

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LINDNER
"Rennen zwischen FDP und AfD": Wie Lindner das Rennen um Platz 3 bei der Wahl für sich entscheiden will | dpa
Drucken
  • Im Rennen um Platz drei ist die AfD der größte Konkurrent für Christian Lindners FDP
  • Im Interview mit der "Welt am Sonntag" wirbt er mit deutlichen Worten zur Einwanderung und der Euro-Politik um Wähler

In wenigen Tagen dürfte Christian Lindner am Ziel angekommen sein. Nach der Wahl am Sonntag wird die FDP, darauf deuten alle Umfragewerte derzeit hin, nach vier Jahren wieder in den Bundestag einziehen.

Für den Chef der Liberalen geht es nun darum, drittstärkste Kraft zu werden. Im Interview mit der "Welt am Sonntag" macht Lindner dabei als den größten Konkurrenten seiner Partei die AfD aus.

"Jetzt geht es um das Rennen zwischen FDP und AfD", sagte Lindner der "WamS".

Kritiker werfen Lindner vor, am rechten Rand zu fischen

In den vergangenen Tagen hatten einige politische Gegner und Journalisten dem FDP-Chef vorgeworfen, mit seinen Parolen zur Flüchtlingspolitik am rechten Rand zu fischen.

Im Gespräch mit der “WamS” sagt Lindner dazu: "Die AfD mit ihren Verschwörungstheorien, der internen Zerrissenheit und vor allem ihrer völkisch-autoritären Einstellung wäre kein Gegengewicht zur großen Koalition."

Doch dass er sich, wie beklagt wurde, im Wettbewerb mit der AfD sieht, bestätigt Linder in diesem Interview. Allerdings greift er nicht zu Parolen der Rechtspopulisten, wie die Kritiker ihm unterstellen, sondern wirbt mit deutlichen Worten zur Einwanderung- und zur Euro-Politik um konservative Wähler.

Die roten Linien der FDP

Seine "roten Linien" für eine Regierungsbeteiligung lauten dabei:

Einwanderungsrecht

Die FDP will bei der Einwanderung zwischen Asyl, Flucht und Zuwanderung unterscheiden, schnellere Verfahren und europäischen Grenzschutz forcieren. Das macht Lindner zur Voraussetzung einer Regierungsbeteiligung.

Außerdem möchte er einen Untersuchungsausschuss zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung 2015 einberufen. “Der Sommer 2015 darf sich so nicht wiederholen. Als Opposition wäre ein solcher Ausschuss das einzige Instrument, um Fehler der Regierung von damals transparent und um Druck für eine neue Einwanderungspolitik zu machen", sagte er.

"Wenn wir dritte Kraft werden, ist entweder die SPD Oppositionsführerin, falls es zu einer kleinen Koalition kommt. Oder wir sind es eben im Fall einer großen Koalition. Beides wäre gut für die politische Kultur."

Europa

Die schwierigste Frage sei die Weichenstellung für die Zukunft Europas, sagte Lindner im "WamS"-Interview. Er vermutet sogar: "Ich habe die Befürchtung, dass Frau Merkel mit Herrn Macron bereits neue Geldtöpfe verabredet hat."

Mit der FDP werde Deutschland nicht mehr Geld für die Mitgliedsstaaten in Europa bereitstellen. "Das würde Europa nicht stärken, sondern die Fliehkräfte vergrößern", sagte Lindner. Und fügte an späterer Stelle hinzu: "Alles, was auf einen Finanzausgleich auf europäischer Ebene hinausläuft, als Euro-Zonen-Budget oder als Bankenunion, ist für uns eine rote Linie."

Für Griechenland möchte Lindner die Möglichkeit eines Austritts aus dem Euro schaffen.

Lindner, der nächste Finanzminister?

Im Gespräch mit der "WamS" legt Lindner vor allem einen Fokus auf wirtschaftliche Themen, wenig überraschend. Sollte die FDP eine Koalition mit der Union eingehen können und wollen, sehen die meisten Beobachter den FDP-Chef daher auch als künftigen Finanzminister.

Im Interview will Lindner nicht offen zugeben, in welcher Rolle er sich in der Regierung sehen würde. Dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz gibt er aber eine klare Empfehlung mit, welches Ministerium er sich schnappen sollte:

"Nur als Finanzminister haben Sie relevanten Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, sprechen in Europa bei der entscheidenden Frage Euro mit und sind für Deutschland in der Welt an den großen Entscheidungen bei G20 am Tisch", sagte Lindner.

In den Umfragen reicht es derzeit nicht für eine schwarz-gelbe Koalition. Rein rechnerisch wäre ein Dreierbündnis aus Union, FDP und Grüne möglich. Doch sowohl Lindner als auch der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir haben das in den vergangenen Tagen ausgeschlossen.

"Verführungsrhetorik à la Trump"

Özdemir beschimpfte Lindner am Samstag im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung gar als "Diktatoren-Versteher". Der FDP-Chef hatte zuletzt eine neue Russland-Politik gefordert.

Auch warf der Grünen-Chef Lindner vor, mit einer "Verführungsrhetorik à la Trump" die CDU beim Thema Flüchtlings rechts überholen zu wollen.

Im Interview mit der "Welt" hat Lindner darauf nun indirekt geantwortet - und seine harten Positionen bei der Einwanderungspolitik unterstrichen.

Der 24. September wird zeigen, ob seine Strategie aufgeht.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(lk)

Korrektur anregen