"Die liberalen Märchenerzähler": FDP und Grüne liefern sich auf ihren Parteitagen kurz vor der Wahl ein Fernduell

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"Die liberalen Märchenerzähler": FDP und Grüne liefern sich auf ihren Parteitagen kurz vor der Wahl ein Fernduell | dpa
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  • Die Grünen und die FDP streiten sich um Platz 3 im Bundestag
  • Eine Woche vor der Wahl haben sie sich am Sonntag aus der Ferne duelliert

Schon in den vergangene Tagen und Wochen lieferten sich die Grünen und die FDP einen regen Schlagabtausch. Die Liberalen warfen den Grünen vor, beim Klimawandel "Fake News" zu verbreiten, Spitzenkandidat Cem Özdemir nannte seinen Konkurrenten Christian Lindner einen "Diktatorenversteher".

Nun stritten sich die Spitzenpolitiker beider Parteien in einem Fernduell. Eine Woche vor der Wahl kämpfen FDP und Grüne um die Chance, zusammen mit der Union zu regieren. In den Umfragen sieht es derzeit besser für die FDP aus.

"Seien wir mal ehrlich, die Grünen haben keine Chance", sagte FDP-Chef Christian Lindner daher beim Sonderparteitag am Sonntag in Berlin.

Der wahre Kampf um Platz 3 bei der Wahl spiele sich zwischen seiner Partei und der AfD ab. Es sollte nicht die letzte spitze Bemerkung für die Mitkonkurrenten bleiben.

"Özdemir weiß das nicht"

Er sei Politikwissenschaftler, sagte Lindner. Er wisse daher nicht, welche emissionsfrei Technologie die beste sei und sich am Ende durchsetzen werde. "Cem Özdemir ist Sozialpädagoge, der weiß das auch nicht", betonte Lindner.

Außerdem warf er dem Grünen-Spitzenkandidaten vor, seine Sprüche abzukupfern. In der ARD-Sendung "Fünfkampf" habe Özdemir gesagt: "Es kann doch nicht sein, dass die Bundesregierung in Burundi und Botswana Schulen saniert, aber nicht in Deutschland."

Den gleichen Satz habe Lindner schon auf dem Bundesparteitag Ende April formuliert. "Ich freue mich immer, wenn es neue Anhänger für unsere Positionen gibt, aber wir sind den Grünen mindestens ein halbes Jahr voraus."

FDP-Vize Wolfgang Kubicki hatte bereits zuvor den Grünen vorgeworfen, seine Partei nur zu beschimpfen.

Mit der FDP drohe "Aussitzen und Stillstand"

Die Grünen ließen das nicht auf sich sitzen. Sie antworteten von ihrem Parteitag aus, der ebenfalls in Berlin stattfand. "Bei dieser Wahl geht es darum, dass wir umsteuern", stellte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt klar.

Der FDP warf sie Realitätsverweigerung vor. Außerdem würden mit den Liberalen an der Macht Rückschritte in der Sozial-, Klima- und Außenpolitik drohen. Sie warnte vor weiteren vier Jahren des "Aussitzens und Stillstands" unter einer großen Koalition und bezeichnete Schwarz-Gelb als eine Gefahr für den Fortschritt.

Auch ihr Kollege Cem Özdemir ging direkt auf die FDP ein. "Manche Journalisten würden sagen, wir würden hier Feindbilder aufbauen", sagte Özdemir über das Duell mit den Liberalen. Darum gehe es ihm aber nicht.

"Dieses Land braucht die Grünen in der nächsten Regierung", sagte Özdemir, weil sonst Rückschritte beim Klimaschutz drohten. "Der Linder sagt jetzt, man solle Technologie-offen sein", ging der Grünen-Politiker direkt auf die Rede des Konkurrenten ein - und fügte hinzu: "Wer könnte ihm da widersprechen."

"Nochmal in leichter Sprache für die FDP"

"Nochmal in leichter Sprache, damit es die Kollegen von der FDP verstehen", leitete Özdemir seine Erläuterung des eigenen Programms ein: "Mir ist es egal, wie das emissionsfreie Auto aussieht, solange es immer noch in Deutschland gebaut wird."

Özdemir gab sich weiter kämpferisch: "An die FDP sagen wir, macht mal ein Update von eurem Navi. Die Politik ist nicht der Dienstleister der Industrie. Wenn wir ab September regieren, sind wir der Antreiber der Industrie."

Der Spitzenkandidat ging auch auf die Vorwürfe ein, die Grünen hätten "Fake News" verbreitet - mit der Behauptung, durch den Klimawandel gebe es mehr extreme Wetterereignisse. Eine Behauptung, die so von der Wissenschaft tatsächlich nicht eindeutig belegt ist.

Die Wetter-Katastrophen der vergangenen Monate und Jahre ließen sich nicht leugnen, sagte Özdemir. In scharfen Worten teilte er nochmals gegen die Liberalen und deren Parteitag aus: "Ich habe den Eindruck, da in der Sonnenallee sind gerade die Märchenerzähler am Start."

"Die FDP bedient sich Trumps Sprache"

Mit dem Vorwurf der "Fake News" würden sich die FDP-Politiker schon der Sprache des US-Präsidenten Donald Trumps bedienen. "Bei uns heißt es 'Klima First'", bemerkte Özdemir.

Scharfe Worte, mit denen die Grünen wohl hoffen, auf den letzten Metern noch aufzuholen. Bei der aktuellen Emnid-Umfrage vom Sonntag liegt die FDP nur einen Punkt vor den Grünen, allerdings konnten die Liberalen im Vergleich zur Vorwoche einen Zähler aufholen und erreichen neun Prozent, die Grünen stagnierten hingegen bei acht Prozent.

Die Wahl am kommenden Sonntag wird zeigen, wer das Fernduell für sich entschieden hat.

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Mit Material der dpa.

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(mf)

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