Studentin findet Hetz-Aufkleber vor ihrem Fenster - und rechnet mit dem Verfasser ab

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  • Mediya Baker kam als Kind aus dem Irak nach Deutschland
  • Vor ihrem Zuhause hat jemand nun das Hetz-Plakat eines rechten Nachrichten-Blogs angebracht
  • Auf Facebook rechnet Baker mit den Verfassern ab

Mediya Baker und ihre Familie leben seit 21 Jahren in Deutschland. So schreibt die Medizinstudentin es auf Facebook. Sie sind aus dem Irak geflohen und habe sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut, trotz aller R├╝ckschl├Ąge.

Vor ihrem Haus hat nun jemand einen gro├čen Aufkleber mit dem Schriftzug "F├╝r den Menschen gegen den Islam" angebracht. Mediya Baker war entsetzt - und verfasste jetzt einen ├Âffentlichen Facebookpost:

Wir h├Ątten es auch viel einfacher haben k├Ânnen

Sie beschreibt, wie ihre Eltern mit ihr nach Deutschland zogen, in der Hoffnung auf ein sicheres Leben. Wie die Eltern Mediya und ihre zwei Schwestern zu emanzipierten jungen Frauen erzogen.

Baker zufolge haben die Eltern viel Diskriminierung erlebt. Sie seien von oben herab behandelt worden, wenn ihr Deutsch nicht akzentfrei war - h├Ątten aber nie erw├Ąhnt, dass sie insgesamt f├╝nf Sprachen sprechen, schreibt Baker. Trotzdem h├Ątten sie immer weiter gemacht. Inzwischen besitzen sie die deutsche Staatsb├╝rgerschaft und ein Reihenhaus in Niedersachsen.

Immer sei die Familie dankbar gewesen, dass Deutschland zu ihrem zu Hause wurde: Die Eltern "haben uns immer erz├Ąhlt, wie wichtig es sei, f├╝r seine Tr├Ąume zu k├Ąmpfen und dankbar f├╝r den Luxus zu sein, in dem wir leben k├Ânnen: dem der Sicherheit, der Freiheit und der Toleranz."

Die Internetadresse f├╝hrt zu einem fremdenfeindlichen Blog

Nun aber fand sie an einer Laterne vor ihrem Haus einen Aufkleber der Seite "PI-News". Die Seite bezeichnet sich selbst als "Politically Incorrect" - also politisch Inkorrekten - Blog.

"Nun habe ich mir aber diese auf dem Aufkleber angepriesene Internetadresse angeguckt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass es sich um nichts anderes als eine Community f├╝r Menschen mit rechter Gesinnung, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit handelt", schreibt Baker auf Facebook. Eine treffende Beschreibung.

Die Beitr├Ąge besch├Ąftigen sich haupts├Ąchlich mit der "Islamisierung Deutschlands" - die Autoren schreiben unter einem Pseudonym.

Baker glaubt nicht, dass der Aufkleber vor ihrem Haus ein Zufall ist. Es sei der einzige in der Nachbarschaft.

Pl├Ądoyer f├╝r Diskussion, nicht f├╝r Hetze

Baker scheibt, es sei durchaus notwendig, ├╝ber den Islam zu sprechen - und dar├╝ber, wie er gelebt wird. "Dass Muslime ihre Religion reflektieren, ist wichtig - genau so wichtig wie f├╝r alle anderen Religionen und Anh├Ąnger dieser Religion", hei├čt es in ihrem Post.

Aber eine ehrliche Diskussion - auch dar├╝ber, ob man ihrer Familie die Integration nicht h├Ątte leichter machen k├Ânnen, wollten die Leute von PI-News offenbar nicht. "Sie w├╝rden lieber gar keine Muslime auf der Stra├če sehen, sie w├╝rden lieber den Islam aus dem ├Âffentlichen Leben verbannen, anstatt 'Islamkritik' zu betreiben."

"Die Familie hat mehr Integrationsarbeit geleistet, als ihr es jemals leisten werdet"

Baker schreibt, ihre Familie habe "mehr Integrationsarbeit geleistet hat, als ihr mit euren ausgrenzenden Statements jemals leisten werdet". Die Familie sei mehr f├╝r einen toleranten und aufgekl├Ąrten Islam eingestanden, als es die Plakate-Kleber je schaffen k├Ânnten.

"Ihr sagt, ihr seid 'politisch inkorrekt' und meint dabei aber, dass eure Meinungen gegen existierende gesellschaftliche und ethische Wertvorstellung gerichtet sind. Wer gef├Ąhrdet hier welche Werte?", fragt Baker.

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Geht w├Ąhlen und lasst eure Stimme pr├Ąsent werden

Konstruktiv wirken die Artikel von PI-News f├╝r sie nicht. F├╝r Baker stellt sich die Frage, ob sie ├╝berhaupt konstruktive "Islamkritik" befassen wollen: "Denn was mich w├╝tend macht ist, dass ihr euch zwar wegen eures Mutes r├╝hmt, die vermeintliche Wahrheit auszusprechen, dass ihr, die ihr euch "endlich traut" mit geschwollener Brust gegen die politische Korrektheit zu schwimmen, anscheinend doch nicht den Mut habt, Klartext zu sprechen: denn ihr wisst ganz genau, mit wieviel Gegenwind und Widerstand ihr rechnen m├╝sstet, weil ihr euch als Rechtsgesinnte entlarven m├╝sstet."

F├╝r Baker ist eines klar: "Jetzt vor der Wahl ist es wichtiger denn je sich zu entscheiden, welches Deutschland wir haben wollen."

Sie bezeichnet ihren Facebookpost als Appell an alle. Es sei wichtig w├Ąhlen zu gehen, nicht umbedingt f├╝r eine bestimmte Partei -aber gegen eine Partei, die f├╝r politische Inkorrektheit und Fremdenfeindlichkeit bekannt ist. Baker nennt keinen Namen. Aber klar ist, welche Partei sie meint: die AfD.

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Facebook-Nutzer stehen hinter Baker

Der Beitrag wurde schon ├╝ber 200 Mal auf Facebook geteilt. Unter ihrem Text bekommt Baker sehr viel Zuspruch:


(sk)