Deutschtürke beklagt sich im ZDF über Rassismus in Deutschland - dann wird Merkel ungehalten

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  • In der ZDF-Sendung "Klartext, Frau Merkel!" wirft ein junger Deutschtürke der Bundeskanzlerin vor, nichts gegen Rassismus zu tun
  • Er redet sich immer weiter in Rage und lässt Angela Merkel kaum aussprechen
  • Die Szenen seht ihr im Video oben

In der ZDF-Wahlsendung "Klartext, Frau Merkel!" stellte sich die Bundeskanzlerin erneut den Fragen von Bürgern. Ein junger Deutschtürke redete sich dabei viel Frust von der Seele - und ließ die Bundeskanzlerin kaum zu Wort kommen.

Ein Elternteil des jungen Mannes sei Deutsch, der andere Türkisch, sagte der Mann. Er sei in Berlin-Charlottenburg geboren ist - und berichtete, dass er sich ständig rechtfertigen müsse, Deutscher zu sein. Er werde als Deutscher mit Migrationshintergrund bezeichnet oder "einfach nur 'Der Türke'".

"Und da möchte ich Sie fragen, wie weit Sie sich in der Verantwortung sehen, dass es immer noch diesen Terminus 'Deutscher mit Migrationshintergund' gibt oder im Allgemeinen diesen alltäglichen und strukturellen Rassismus, den es in Deutschland immer noch gibt?"

Als der junge Mann sagt, er habe so viele Diskriminierungen in seinem Leben erfahren, dass er sie gar nicht aufzählen kann, beginnen andere Zuschauer zu klatschen. "Warum fühlen Sie und ihre Fraktion sich nicht für diesen strukturellen Rassismus verantwortlich?", fragt er die Kanzlerin.

Das Thema Leitkultur kommt auf

"Ehrlich gesagt wäre ich eine schlechte Bundeskanzlerin, auch eine schlechte Bundestagsabgeordnete, wenn ich mich nicht gegen strukturellen Rassismus wehren würde", stieg Merkel großspurig ein.

"Ich habe mich sogar sehr dafür eingesetzt", sagte sie weiter. Doch dann wird sie von dem jungen Deutschtürken unterbrochen.

Er könne ein Lied von Rassismus singen. Immer wieder käme das Thema der deutschen Leitkulturen auf: "Pünktlichkeit, Wir-sind-nicht-Burka und was weiß ich noch." Aber nie gehe es um darum, dass die Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund tolerant und weltoffen seien. "Und wir akzeptieren Bierkulturalität und wir sind gegen Rassismus."

Kaum hat er das gesagt, wird Merkel ungehalten.

"Wenn das nicht Rassismus ist, gegen den Sie sich klar äußern, dann weiß ich auch nicht"

"So, also, jetzt bin ich ja hier. Und sage Ihnen, dass schon im Artikel 1 unserer Verfassung steht, dass jede Würde des Menschen unantastbar ist, wir gegen jede Form von Rassismus entschieden vorgehen und wenn mir das begegnet, werde ich den Leuten auch Bescheid sagen. Zweitens..."

Doch weiter kommt Merkel nicht. Der junge Mann unterbricht sie abermals.

"Ich sage Ihnen nur ein Beispiel", fängt er an. "Jetzt bin aber ich dran", echauffiert sich die Kanzlerin.

Doch der junge Mann redet weiter: "Ende letztens Jahres. Entschuldigen Sie, Ende letzten Jahres kam aus Ihrer Fraktion auch in einer berühmten deutschen Talkshow wieder der Spruch 'Roberto Blanco ist ein wunderbarer Neger'. Also wenn das nicht Rassismus ist, gegen den Sie sich klar äußern, dann weiß ich auch nicht."

Merkel versucht einzuspringen "Aber da gab's..." - doch sie darf nicht.

Angela Merkel wird es zu bunt

Ständig würden in der Öffentlichkeit Wörter wie "Überfremdung" und "Asylanten" fallen, klagt ihr Gegenüber. Das sieht der junge Mann als klares Zeichen für im Alltag gegenwärtigen Rassismus, der nicht aus unserer Gesellschaft verschwindet.

"Wenn Sie sich 2010 ganz stolz hinstellen und sagen 'Multikulti ist gescheitert' und Ihr Freund Seehofer noch schreit 'Multikulti ist tot' und alle jubeln und das nicht struktureller Rassismus ist, dann tut's mir leid", sagt er.

Da wird es der Bundeskanzlerin dann doch zu bunt.

"Ich verstehe Ihre Emotion. Aber glauben Sie, dass ich jetzt auch die Chance bekomme, fünf Sätze hintereinander zu sagen?", fragt die Bundeskanzlerin mit geballten Fäusten.

Sie erklärt, dass "Multikulti" für sie bedeutet, dass alle nebeneinander her leben und sich nicht auf gemeinsame Grundlagen einigen. "Und das möchte ich nicht." Das heiße aber nicht, dass nicht jeder auch seine Kultur ausleben könne.

"Das müssen wir doch definieren dürfen, ohne dass man uns gleich Rassismus vorwirft"

Zack. Wieder wird Merkel unterbrochen.

Doch dieses Mal will sie es nicht mehr zulassen: "Ich glaube, Sie tun auch Ihrem Anliegen keinen Gefallen, wenn Sie mir nicht die Chance geben, ein paar Worte zu Ihren gewichtigen Vorwürfen zu sagen." Egal ob Deutscher oder Deutscher mit türkischen Wurzeln - alle seien deutsche Staatsbürger und niemand Deutscher anderer Qualität.

"Wenn wir nicht mehr sagen dürfen oder wenn Sie nicht mehr sagen wollen, dass sie eine bestimmter Wurzel haben, dann ist das ok und wir sprechen Sie nur noch als deutschen Staatsbürger an", sagt Merkel. "Viele möchten aber auch, dass man sieht, dass sie auch noch eine bikulturelle Komponente haben."

Zudem habe jedes Land kulturelle Wurzeln, dazu gehörten in Deutschland Muslime genauso wie christlich-jüdische Wurzeln. "Und das müssen wir doch definieren dürfen, ohne dass man uns gleich Rassismus vorwirft."

Jeder Mensch sei gleichberechtigt. "Und wo immer Sie rassistischen Vorurteilen begegnen, werden Sie mich auf Ihrer Seite haben und wir haben viele Programme zur Prävention, weil wir wissen, dass es noch ein Problem ist", endet die Kanzlerin ihre Reaktion auf den Vorwurf des jungen Deutschtürken.

Der kam danach nicht mehr zu Wort.

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(jg)

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