Die AfD arbeitet im Wahl-Endspurt mit einer US-Werbeagentur zusammen, die selbst Trump zu unseriös war

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MERKEL
Vincent Harris: Der Texaner steckt hinter der Schmutzkampagne der AfD im Wahl-Endspurt | Screenshot
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  • Der Bundestagswahlkampf geht in die heiße Phase
  • Auch die AfD will nochmal Fahrt aufnehmen - und mit einer massiven Negativkampagne gegen Merkel punkten
  • Dahinter steckt eine PR-Agentur aus den USA, die selbst Donald Trump zu heikel war

"Die Eidbrecherin" prankt es in großen Lettern, weiß auf rot auf der gleichnamigen Website. Gemeint ist Angela Merkel, die Bundeskanzlerin. Die in düsteren Farben und professionell gestaltete Seite wirft der CDU-Chefin nicht nur den Bruch ihres Amtseides vor, sondern auch komplettes Versagen.

Wegen Merkel seien angeblich 98 Menschen "Opfer von Terroristen" geworden. Zudem wird mit der plakativen Zahl von 15000 Euro monatlicher Kosten pro Einwanderer geworben (Tatsächlich dürften die Kosten pro Flüchtling deutlich geringer sein, viele Einwanderer dürfen sich darüber hinaus selbst versorgen oder werden vom deutschen Sozialsystem erst gar nicht erfasst).

Die Macher der skurrilen Website animieren dann auch noch unverhohlen dazu, ihre Botschaften zu verbreiten: "Die CDU und die Eidbrecherin haben Deutschland ins Unglück gestürzt!", heißt es auf einem Bild, welches mit einem Klick auf Facebook oder Twitter geteilt werden kann.

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Vincent Harris: Der Texaner steckt hinter der Schmutzkampagne der AfD im Wahl-Endspurt

Die US-Agentur mit provokanten und aggressiven Kampagnen

Klar ist: Die AfD hat die Website geschaltet, so steht es im Impressum. Doch registriert wurde die Domain am 1. September in den USA.

Und dort wurde die Kampagne auch entwickelt, es dürfte sich um die Arbeit des Texaners Vincent Harris handeln, schreibt der "Stern". Zudem wurde die Domain von Harris' Werbeagentur registriert.

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Bereits Ende August hatte "Spiegel Online" berichtet, dass die AfD mit der von Harris gegründeten PR-Agentur Harris Media zusammenarbeitet.

Wohl vor allem aus zwei Gründen:

Einerseits ist die Agentur für ihre "provokanten und aggressiven Kampagnen" bekannt, wie "Spiegel Online" schreibt.

Andererseits arbeitete Harris' Team bereits mit zahlreichen kontroversen rechten Politikern zusammen - durchaus erfolgreich. Laut Firmenwebsite zählen zu den Kunden unter anderem der erzkonservative republikanische Senator Ted Cruz, US-Skandalpolitikerin Sarah Palin und die britische rechtspopulistische Partei Ukip.

Selbst Trump war Harris zu heikel

Und auch für Donald Trump hat Harris gearbeitet. Doch bereits nach wenigen Tagen hatte der jetzige US-Präsident die Zusammenarbeit beendet.

Harris' PR-Agentur sollte eigentlich Trump bei dessen Präsidentschaftswahlkampf unterstützen. Doch letzterem soll Gerüchten zufolge der Ruf nicht gefallen haben, der Harris vorauseilt.

Die AfD scheint das nicht zu stören. Harris hat ein Team von drei Leuten nach Berlin entsandt, von wo sie die Partei in der heißen Phase des Wahlkampf unterstützen und die "Drecksarbeit" machen sollen, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtete.

Denn wie in den USA gegen Trump-Herausforderin Hillary Clinton, sollen der AfD nun im Wahlkampf-Schlussspurt Schmutzkampagnen zum Erfolg verhelfen - und von den derzeitigen Skandalen um Spitzenkandidatin Alice Weidel ablenken.

Die emotionalisierte Darstellung Angela Merkels als Eidbrecherin passt da ins Bild. "Das Gefühl, dass die Regierung sich nicht mehr an Gesetze hält, eint die Anhänger der AfD, auch über die Asylpolitik hinaus", erklärte PR-Berater Thomas Praus dem Rechercheportal "Correctiv".

Wird der Wahlkampf online gewonnen?

Die rechtspopulistische Partei will insbesondere auf Facebook die Wähler überzeugen. Mit teils drastischen Negativkampagnen: So wie einer Grafik, die teils blutige Reifenspuren zeigt, darauf Hinweise auf sieben Terroranschläge in Europa. Die Überschrift: "Die Spur der Welt-Kanzlerin durch Europa."

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Auch hier ist die Intention klar: Da Merkel auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise die Grenzen öffnete, sei sie direkt Schuld an den jüngsten Terrorattacken. Da sieht die AfD geflissentlich über verzerrte Darstellungen hinweg, so ist etwas der Attentäter von Manchester in Großbritannien geboren - und nicht eingewandert.

Um die Social-Media-Offensive zu finanzieren, ruft die AfD massiv dazu auf, für die Partei zu spenden. Das Ziel sind 1 Million Euro, über 710.000 Euro hat die Partei schon eingesammelt. "Spätestens seit Trumps Wahlsieg wissen wir: Der Wahlkampf wird vor allem online gewonnen", schreibt die Partei unter ihre Ankündigung.

Mit einer Million Euro könnte man bei Facebook bis zu 15 Millionen Nutzer sogar mehrfach erreichen, betonte PR-Berater Praus. Wie aktuelle Umfragen zeigen, scheinen zumindest einige Wähler den rassistischen und vereinfachten Phrasen der AfD wirklich Glauben zu schenken.

Und dank Harris könnte die letzte Wahlkampf-Woche noch dreckiger werden, als sie jetzt bereits ist.

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.pngInside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

(jg)