Muslima will aus Mainzer Bus aussteigen - dann wird klar, was die anderen von ihrem Kopftuch halten

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  • Eine Facebook-Seite für deutschtürkische Akademiker hat auf einen Fall von Alltagsrassismus aufmerksam gemacht
  • Eine junge Muslima wurde in einem Mainzer Bus aufs Übelste beleidigt
  • Die Reaktionen auf diesen Vorfall seht ihr oben im Video

"Ein erneuter Fall von Alltagsrassismus hat uns soeben erschüttert." So beginnt der neueste Facebook-Beitrag der Seite "Türkisch Deutsche Akademiker aus Anatolien".

Der Vorfall in einem Mainzer Bus zeigt, mit welcher Bosheit sich manche Menschen in Deutschland herumschlagen müssen.

Eine junge Muslima wollte gerade aus einem Bus der Mainzer Verkehrsbetriebe aussteigen, als eine sitzende Passagierin sie angepöbelt haben soll: "Ich wünschte, ich könnte Ihnen das Kopftuch mal abziehen!"

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Die Juristin mit türkischen Wurzeln soll ruhig geblieben sein - auch dann noch, als die Frau ihre Unverschämtheit wiederholte. Bestimmt, aber höflich, wie in dem Facebook-Beitrag zu lesen ist, soll sich die Juristin zur Wehr gesetzt haben.

Entschärft war die Situation damit aber noch lange nicht.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

Die sitzende Passagierin begann demnach nämlich eine regelrechte Hetztirade und soll die junge Muslima aufs Übelste beleidigt haben. Unter anderem seien diese Sätze gefallen: "Passen Sie sich diesem Land endlich an!" und: "Ich kann es nicht ausstehen, dass Sie ein Kopftuch tragen!"

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Aus Solidarität der schimpfenden Frau gegenüber soll sich dann auch noch ein weiterer Fahrgast eingemischt haben. Und der gab sich nicht mit Beleidigungen zufrieden, sondern wurde wohl gleich handgreiflich:

Als die Juristin antworten wollte, scheint er sie plötzlich von hinten am Rucksack gepackt und und ruckartig nach hinten gezogen haben, so dass die Frau ins Wanken kam und kurz vor einem Sturz stand. Gleichzeitig soll der Mann noch "Raus hier" gerufen haben.

Fahrgast würde sogar eine Falschaussage machen

Schockiert von der Attacke, soll die Muslima gedroht haben, die Polizei zu rufen. Das brachte ihr Buhrufe ein. "Rufen Sie doch die Polizei. Ich bin Zeuge. Niemand hat Sie jemals angefasst", soll ihr ein unbeteiligter Mann aus dem Bus zugerufen haben.

Andere Passagiere stimmten mit ein. Sie forderten die Kopftuchträgerin lautstark auf, den Bus zu verlassen. Hilfesuchend soll sich die verzweifelte Muslima an andere Fahrgäste gewandt haben. Doch niemand soll auf sie reagiert haben.

"Erst später kam ein einziger Fahrgast hinzu, der sie schützen wollte und letztlich ebenso rassistisch beschimpft und angepöbelt wurde, so dass die junge Frau den Bus völlig fertig und mit Tränen in den Augen verließ", heißt es in dem Post weiter.

Im Hass vereint

Der Verein "Türkisch Deutsche Akademiker aus Anatolien" setzt sich gegen ein derartiges Verhalten einem seiner Mitglieder gegenüber zur Wehr. Er rechnet mit den Fahrgästen ab, die die Muslima so schikaniert haben sollen.

In dem Beitrag schreiben die Seitenbetreiber: "Sie (Anm. d. Red.: die Fahrgäste) haben praktisch ihren ganzen Hass und ihre menschenverachtende Ideologie offen gelegt und es an einer einzigen jungen Frau ausgelassen. Haben sich durch ihren gemeinsamen Hass verbündet und einander den Rücken gestärkt.

"Wir sind ein Verein, der es sich zum Ziel gemacht hat, das friedliche Miteinander zu fördern."

Für die Pöbler könnte das ein Nachspiel haben

Um ein Zeichen gegen Alltagsrassismus zu setzen, gibt die Seite bekannt, dass rechtliche Schritte gegen die uneinsichtigen Fahrgäste eingeleitet wurden. Außerdem habe der Verein bereits die Mainzer Verkehrsgesellschaft MVG um eine Stellungnahme gebeten - bislang ohne Erfolg.

Auch die HuffPost hat die MVG angeschrieben und folgendes Statement erhalten: "Der Fall ist uns bekannt und die Kundin hat uns auch bereits persönlich geschrieben." Die MVG möchte nun den Fahrer zu dem Vorfall befragen. Danach werde man der Kundin persönlich antworten.

Die Seite "Türkisch Deutsche Akademiker aus Anatolien" hat bislang noch nicht auf eine Anfrage der HuffPost-Redaktion reagiert.

Hier könnt ihr den gesamten Facebook-Beitrag lesen:

Mehr zum Thema: Die betroffene Muslima sagt in der HuffPost, wie sie die Situation erlebt hat -
und welchen Schluss sie daraus zieht

Im Video unten seht ihr, wie ein Vater reagiert, nachdem er von seine muslimische Tochter erfährt, dass sie ihr Kopftuch ablegen möchte:

Junge Muslima will das Kopftuch abnehmen - doch sie hat nicht mit der Reaktion ihres Vaters gerechnet 

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(sk)

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