"Klartext": Eine Putzfrau bringt Angela Merkel mit einer Renten-Frage völlig durcheinander

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  • Eine Putzfrau hat im ZDF Bundeskanzlerin Merkel mit ihren Sorgen vor der Rente konfrontiert
  • Die Politikerin konnte der Frau nichts versprechen - die reagierte zornig
  • Die Szene seht ihr oben im Video

Wieder stellt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Wahlsendung den Fragen der Zuschauer. Am Donnerstagabend trat die CDU-Chefin in der ZDF-Sendung "Klartext" auf.

Schon die dritte Frage brachte die Kanzlerin gehörig in Bedrängnis. Petra Vogel aus Bochum ist Reinigungskraft in einem Krankenhaus und engagiert sich in einer Gewerkschaft sowie in der Linken. Sie sitzt auch im Betriebsrat der Gebäudereinigungsfirma Wi-Med, engagiert sich gewerkschaftlich, wie ein Einspieler berichtete.

Vogel schilderte in der Sendung ihre Sorgen vor dem Alter. Ihr Stundenlohn von knapp 10 Euro wird später nur für eine Mini-Rente von 654 Euro reichen, sie wird wohl Grundsicherung beantragen müssen.

"Warum tut die Regierung nichts?"

"Du arbeitest 40 Jahre hart, verdienst eh schon wenig und bekommst Grundsicherung", sagte Vogel in einem Einspieler. In der Sendung fragte sie Merkel dann, warum es in Deutschland nicht eine Bürgerversicherung wie in Österreich gebe. Ein System, in dem alle einzahlen.

"Da ist es möglich, dass eine Reinigungskraft, die 30 Jahre gearbeitet hat, bei einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden mit über 1000 Euro Rente nach Hause geht", sagte Vogel - und schilderte Merkel ihre Aussicht auf die Rente. "Warum ist die Regierung hier nicht in der Lage, sich so ein System anzugucken und so ein System einzuführen?", fragte sie.

Vogel ist kein Einzelfall in Deutschland. Die Zahl der Menschen in Deutschland, die im Alter von Armut bedroht sind, steigt seit Jahren. Waren 2010 noch 4,9 Millionen Menschen im Alter von 55 und älter betroffen, stieg deren Zahl seither kontinuierlich auf zuletzt 5,7 Millionen, wie aus Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat hervorgeht.

Damit waren 2015 20,8 Prozent aller Menschen im Alter von 55 Jahren und älter von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Betroffen ist, wer mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des Durchschnitts auskommen muss.

Eine Zuschauerin schaltet sich ein: "Unverschämt"

Die Kanzlerin äußerte Verständnis für Vogels Lage. "Ich glaube, dass das österreichische Rentensystem an dieser Stelle wirklich besser ist", gab sie zu.

"Machen Sie noch eine Zusatzversicherung?", fragte Merkel. "Von 1050 Euro?", fragte Vogel empört zurück. Eine Riester-Rente würde sie eh nicht abschließen, sagte die Reinigungsfrau. "Da bin ich anderer Meinung", warf die Kanzlerin ein und versuchte das System der Riester-Rente zu verteidigen.

An dieser Stelle schaltete sich eine andere Zuschauerin im Studio ein. "Das ist ein Witz, was Sie erzählen. Ich finde das unverschämt", sagte die Frau. Die Altersarmut sei nach wie vor da.

Merkel verwies noch einmal auf die Riester-Rente und ihre Vorteile. Reinigungskraft Vogel war damit nicht zufrieden.

"Frau Merkel, das ist nicht die Beantwortung meiner Frage. Ich habe Sie gefragt, warum es in Deutschland nicht möglich ist, ein Rentensystem einzuführen, wo die Menschen wenigstens eine Grundrente von 1000 Euro bekommen können. Wo die Menschen nach vierzig Jahren nicht am Bahnhof stehen und Dosen sammeln müssen", sagte sie.

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Am Ende legte die Putzfrau noch einmal nach

"Fürchten Sie sich als Abgeordnete, selbst da einzuzahlen?", legte Vogel noch einmal nach. Merkel wiegelte ab. Sie verwies auf die Grundsicherung. Außerdem müssten Menschen mehr verdienen bei ihrer Arbeit. "Aber ich kann nicht versprechen, unser Rentensystem sofort zu ändern."

Als der Moderator schon auf die nächste Frage kommen wollte, legte Vogel noch einmal nach: "Ich finde, dass ist ein Unding, dass in einem reichen Land wie Deutschland Menschen in der Rente nichts mehr tun können. Armes Deutschland!"

Merkel gab zu, dass die Biografie von Vogel schwierig sei. Aber nicht allen Rentnern gehe es so. "Weil wir gesehen haben, dass es diese verschämte Altersarmut gibt, dass viele Menschen mit ihrer Miete Probleme haben, haben wir die Grundsicherung eingeführt, dazu gibt es die Wohngeldmöglichkeiten." Das sei für Vogel jetzt nicht zufriedenstellend, aber mehr könne Merkel ihr nicht versprechen.

Ein ehrlicher Moment bei dieser Sendung. Und ein trauriger für die Fragestellerin.

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(ame)

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