Dieser völlig irre Auftritt des Thüringer AfD-Spitzenkandidaten zeigt, was auf Deutschland nach der Wahl zukommt

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  • Die AfD könnte als drittstärkste Partei in den Bundestag einziehen
  • Damit wahrscheinlich auch der Thüringer Spitzenkandidat Stephan Brandner
  • Dieser fiel mit einer menschenverachtenden Rede auf, die ihr im Video oben sehen könnt

Die AfD hat in den vergangenen Wochen in den Umfragen weiter zugelegt. Inzwischen steht die Partei in einigen Erhebungen schon auf Platz 3, rund 10 Prozent der Deutschen würden den Rechtspopulisten ihre Stimme geben.

Mit aller Wahrscheinlichkeit wird die Partei also schon übernächste Woche mit 60 bis 70 Abgeordneten im Bundestag vertreten sein.

Einer von ihnen wird dann wohl Stephan Brandner sein, Spitzenkandidat der AfD in Thüringen und Direktkandidat in Erfurt, Weimar und dem Weimarer Land.

Chaos und politische Verrohung

Brandner hielt am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt mit AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel eine Rede, die erahnen lässt, was dem Bundestag in der nächsten Legislatur droht: Chaos und eine völlig Verrohung der politischen Kultur.

Denn Brandner, Rechtsanwalt und ehemaliges CDU-Mitglied, hielt eine der wirrsten und verstörendsten Reden, die ein AfD-Politiker wohl je gehalten hat - und die Konkurrenz ist in dieser Disziplin in der Partei groß.

Eine Politiker-Beleidigung jagte die nächste. Brandner forderte sogar, einen Polizeihubschrauber abzuschießen, der die Sicherheit der AfD-Veranstaltung überwachte.

Demonstranten als "häßliche Brut" beschimpft

Die rund 1000 Gegendemonstranten, die in Jena gegen die AfD-Veranstaltung zusammengekommen waren, bezeichnete Brandner in seiner Rede als “häßliche Brut” und als Ergebnis von Inzucht und Sodomie.

Das Verhalten der Gegendemonstranten, die unter anderem mit Trillerpfeifen die Veranstaltung störten, sei eine direkte Folge der Sozialisation unter Angela Merkel, polterte Brandner. "Die schmeißen Flaschen, Steine und Exkremente und ketten Wildschweinköpfe an."

Brandner verstieg sich außerdem dazu, die Gegendemonstranten mit den "SA-Dumpfbacken" zu vergleichen, die “Juden schikaniert” hätten. Die Juden scheinen in diesem Fall die rund 200 AfD-Anhänger zu sein, die der Rede zuhörten.

Dann hob er zu einem Feuerwerk aus Beleidigungen gegen die großen Parteien an.

"Schande für das deutsche Parlament"

Die Grünen, so erklärte Brandner, würden von vielen als Kokser und Kinderschänder gesehen. Die Grünen wie die Linke nennt er eine “Schande für das deutsche Parlament”.

FDP-Chef Christian Lindner beschimpft er als “Unterhosenmodel”, das der AfD Ideen klaue.

SPD-Parteivize Ralf Stegner beleidigt er als "Hetzer- und Hackfresse der Nation". Bundesjustizminister Heiko Maas nennt er "das Ergebnis von politischer Inzucht im Saarland".

Maas, so schimpft Brandner weiter, sei außerdem bekannt durch “eine Liäson mit einer, ich hätte fast gesagt, abgetakelten, aber ich sage mal, die Liäson mit einer überreifen Schauspielerin, also mit einer Staatsfunk- und GEZ-Tussi”. Brandner spielt damit auf Maas’ Freundin Natalia Wörner an.

Den SPD-Kanzlerkandidaten nennt er nur “Martini Schulz” und spielt damit auf Schulz’ schon vor langer Zeit überwundene Alkoholsucht an. Er macht sich auch über Sigmar Gabriels Krankenhausaufenthalt vor einigen Monaten lustig.

Dem Außenminister sei dabei “der Magen zu hoch abgeschnürt worden”, deshalb sei er jetzt so dünn. Die SPD nennt er eine “Schand- und Schmuddeltruppe”.

"Führungs-Fuchtel am Kanzleramt"

Merkel ist bei Brandner nur die “Führungs-Fuchtel im Kanzleramt” oder wahlweise die “Kampf-Fuchtel”, oder eine “alte Fuchtel”, die in den “Knast” gehört. Der Vorwurf von Brandner ist unter anderem: Beihilfe zum Asylmissbrauch und zum Mord.

Beihilfe zur Sachbeschädigung an der deutschen Landschaft sei Merkel außerdem wegen des Ausbaus der Windenergie vorzuwerfen. Dafür fordert Brandner mindestens 35 Jahre Gefängnis.

Auch die Kanzlerin nennt Brandner eine Schande für das Parlament.

Der Wahlzettel müsse zum “Haftbefehl für die Fuchtel im Kanzleramt” werden, wünscht sich Brandner am Ende seiner Rede. Sein Ziel: Die AfD zur zweitstärksten Partei in Deutschland zu machen.

Polizeihubschrauber abschießen

Wer Brandners Rede verfolgt hat, muss seine Aussagen wie eine Drohung verstehen. An diesem Dienstag in Jena hat sich wieder einmal in aller erschreckenden Deutlichkeit gezeigt, was auf Deutschland zukommt, wenn die AfD in den Bundestag einzieht.

Und auch die angeblich von der AfD so hoch geschätzte Polizei bekam von Brandner eines mit: “Ich wundere mich, dass die Antifa inzwischen auch Hubschrauber hat oder wer macht da so einen Krach da oben?”, fragte er in die Menge.

Später fragte er noch: “Kann man den mal abschießen, den Hubschrauber?”

Da sollte auch die einzige Äußerung bleiben, für die sich Brandner kurz darauf entschuldigte.

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(jg)

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