Vom Helfer zum Schlepper? Das sollten alle wissen, bevor sie über Flüchtlingsretter im Mittelmeer diskutieren

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  • Medien und Politiker werfen den Seenotrettern auf dem Mittelmeer vor, mit Schleppern zusammenzuarbeiten
  • Was spielt sich wirklich auf den Schiffen der Hilfsorganisationen ab?
  • Oben im Video: Weil wir Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten wollen, droht uns die lybische Regierung mit dem Tod

Die Arbeit auf der Aquarius ist kein Zuckerschlecken. So beschreibt es einer der Helfer auf dem Rettungsschiff.

Im August beherbergte das 77 Meter lange Schiff eine 38-köpfige Crew, 272 Flüchtlinge, vier Reporter und acht Leichen.

Die Aquarius wird von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée betrieben und durchsegelt die warmen, oft tödlichen Gewässer des Mittelmeers.

Die Crew rettet Menschen auf dem letzten Abschnitt ihrer Reise von Nordafrika nach Europa. Einer Route, die nicht selten von Verhaftungen, Folter, Vergewaltigung und manchmal sogar Sklaverei gezeichnet ist.

Die Aquarius rettet verzweifelten Menschen das Leben. Aber genau dafür wird die Crew immer häufiger von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen als ein Feind Europas gebrandmarkt.

Kritiker der Hilfsorganisationen im Mittelmeer beschuldigen die Mitarbeiter, den Schleusern zu helfen. Rechte Gruppen wie die "Identitären Bewegung" bezeichnen die Hilfsorganisationen als "gratis Taxi-Service", der so regelmäßig fahre, als würde es sich um das "Heathrow des Mittelmeeres" handeln.

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Die Aquarius im Hafen von Marseille 2016. Quelle: Reuters

Aber für die Menschen an Bord der schrottreifen Boote, die vor der Küste Libyens in See stechen, sind Hilfsorganisationen Retter, die die Kluft zwischen Tod auf dem Meer und Leben auf dem europäischen Festland überbrücken.

Ein Flüchtling sagte zu einem Reporter der britischen Ausgabe der HuffPost an Bord der Aquarius: "Wir alle haben so viel erleiden müssen. Alle Menschen hier auf dem Schiff haben schon sehr viel hinter sich. Der heutige Tag ist wie eine Wiedergeburt.“

Die Zahl der Flüchtlinge steigt

In diesem Jahr steigen die Zahlen der Menschen wieder, die über das Mittelmeer nach Europa kommen.

Bisher haben 2017 120.137 Menschen das Meer überquert, 82 Prozent davon kamen in Italien an.

Ungefähr 2410 sind bei dem Versuch ums Leben gekommen – und das sind nur die, von denen wir wissen.

Die Hilfsorganisationen räumen ein, dass ihre Dienste nur eine kurzzeitige Lösung in der Krise sein können. Aber bis eine langfristige Lösung gefunden wird, wird der Flüchtlingsstrom nicht abreißen.

Die Hilfsorganisationen stecken in einem Teufelskreis fest:

Wenn sie auch weiterhin Menschen aus dem Mittelmeer retten, wird das immer mehr Menschen ermutigen, es auch zu versuchen. Aber wenn sie ihre Hilfe einstellen, werden diese Menschen sterben.

Wer also ist wirklich schuld an dem Flüchtlingsstrom, der sich auf den Weg nach Europa macht und was passiert wirklich auf dem Mittelmeer?

Die Meinungen hier sind so unterschiedlich wie die Tragödien, die zu ihnen geführt haben. Wir erklären hier, welche Gruppen bei der Flüchtlingskrise auf dem Mittelmeer eine Rolle spielen - und was sie tun.

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Ein Satellitenbild zeigt die Position der Aquaris Anfang September 2017. Quelle: Marinetraffic

1. Die Hilfsorganisationen: Sind sie Lebensretter?

Ich sehe uns viel mehr als einen Rettungsdienst, bis die politischen Lösungen auch global greifen und eine europäische Lösung für die Flüchtlingskrise gefunden ist.

- Tillmann Rummenhohl, Mitglied von SOS Méditerranée

Die Crew-Mitglieder an Bord der Aquarius und die Mitarbeiter hinter den Kulissen geben sich keinen Illusionen hin, was ihre Rolle in der Flüchtlingskrise betrifft. Sie sind eine temporäre Lösung für ein Problem, das nach einem globalen Eingreifen verlangt.

"Wir haben immer wieder verdeutlicht, dass wir uns nicht als Lösung für dieses Problem betrachten. Das Problem liegt viel tiefer und ist weiter verzweigt, als ein Rettungsschiff im Mittelmeer greifen könnte", sagt Max, stellvertretender Koordinator für SOS Méditerranée auf der Aquarius, gegenüber der HuffPost.

Auf der politischen Ebene müsse es eine breitere systematische Veränderung geben, um in der Krise zu greifen. Jeder, der einmal ein Rettungsschiff gesehen habe, wisse, dass das keine Lösung sein könne, sagt er.

Er fügt hinzu: "Es ist ein harter Job, der an den Nerven zehrt – immer wieder sehen wir Menschen, die sich in einem furchtbaren Zustand befinden und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand von uns Spaß an dieser Arbeit hat oder sich wünscht, es würde noch lange so weitergehen."

Vieles könnte die Crew von der Arbeit abhalten: Die hohe Wahrscheinlichkeit, dass man Zeuge davon werde, wie ein Menschen ertrinkt, die Gewissheit, auf Menschen zu treffen, die sich in ausweglosen Situationen befinden, die Seekrankheit, die Hitze.

Doch all das hält die Crew bisher nicht auf.


Auch die HuffPost wurde Zeuge mehrerer dramatischer Zwischenfälle auf See. Einmal befand sich das Opfer einer Schießerei an Bord, ein anderes Mal wurden acht Leichen von einem anderen Schiff auf die Aquarius gebracht.

"Die Toten waren fünf Männer und drei Frauen, alle noch sehr jung, zwischen 20 und 35 Jahren", sagt Marcella Kraay, Projekt-Koordinatorin bei Ärzte ohne Grenzen.

"Soweit wir sehen konnten, war die Todesursache Erstickung. Außerdem hatten einige Brandwunden von dem Treibstoff und Abschürfungen von dem großen Gedränge auf den Booten, sie wurden eingequetscht."

Mediale Aufmerksamkeit ist das letzte, was sich die Crew wünscht.

Statt Berichten über die acht Toten habe es nur Artikel über den Verhaltenskodex Italiens für Hilfsorganisationen oder die Aktion "Defend Europe" der rechten Identitären Bewegung gegeben.

"Hilfsorganisationen wurden beschuldigt, mit Schleusern zu kooperieren. Und niemand fragt sich, wie um Himmels Willen denn die freiwilligen Helfer, die ihre berufliche Karriere und ihr Privatleben aufs Spiel setzen, um Menschenleben zu retten, mit den Kriminellen zusammenarbeiten können, die Menschen foltern und ihnen den Todesstoß versetzen?“, fragt Mathilde Auvillain, Kommunikationsdirektorin bei SOS Méditeranée.

Im Sommer warfen Politiker und Medien den Seerettern vor, mit den Schleusern zusammenzuarbeiten. Die Rettungsmissionen der Hilfsorganisationen im Mittelmeer wurden immer kritischer beäugt. Die Crew der Aquarius weist diese Anschuldigungen weit von sich.

Mehr zum Thema: Ein Seenotretter berichtet: "1032 Menschen haben wir gerettet, an nur einem Tag"

2. Die Schleuser: Geschäftspartner der Hilfsorganisationen?

Eine Überfahrt von Libyen nach Italien kostet 1000 US-Dollar. Die Fahrt dauert nur drei bis fünf Stunden.

- Von einer Facebook-Seite, die für "Einwanderung" nach Italien von Libyen aus wirbt

Für Menschen, die mit dem Schleusern Geschäfte machen, ist es genau das: ein Geschäft. Das belegen auch die Stimmen der wenigen, die sich öffentlich dazu geäußert haben: "Ich bin kein Krimineller, ich biete eine Dienstleistung an!", zitiert die britische Zeitung "Guardian" einen Schleuser.

"Früher war dieses Geschäft sehr riskant, aber jetzt ist es ein offener Markt. Es gibt so viele Anbieter", sagte ein Schmuggler der Zeitung. "Wenn ich dich aufs Meer rausschicke, dann schaffst du es, oder du schaffst es nicht. Aber ich bekomme so oder so mein Geld", sagt ein weiterer Schmuggler im Gespräch mit "Al Jazeera".

So präsentieren sich auch die Facebook-Seiten, auf denen einige als "Reiseunternehmen oder Geschäftsseite" für ihre Dienstleistungen werben.

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Eine Facebook-Seite, klassifiziert als "Reiseunternehmen oder Geschäftsseite"

Schiffe wie die Aquarius spielen eine wichtige Rolle in den Geschäftsmodellen der Schleuser. Die Schlauchboote der Schleuser, in denen die Flüchtlinge ihre Reise starten, sollen Italien gar nicht erreichen. Die Schleuser rechnen mit den Rettungsschiffen.

Für Kritiker der Hilfsorganisationen ist das Grund genug, die Crew der Aquarius als das Hauptproblem der Flüchtlingskrise darzustellen.

Beweise, die von der HuffPost zusammengetragen wurden, belegen jedoch, dass die Schleuser die Schiffe der Hilfsorganisationen nicht gezielt ins Auge fassen. Ebenso setzen sie auf die Schiffe der Küstenwache und der Marine.

Das Bild oben stammt von einer Facebook-Seite. In Arabisch steht dort: "Eine mögliche Einreise nach Italien von Libyen aus".

In Postings kann man wiederholt von "Flügen" über das Mittelmeer lesen. Als Abflugsort wird die Stadt Sabratah genannt, ein bekannter Ableger für Flüchtlingsboote. Die Überfahrt kostet 1000 US-Dollar, als Kontakt wird eine WhatsApp-Nummer angegeben.

Die Hilfsorganisationen werden nicht explizit genannt. Es ist lediglich die Rede von "Kampfschiffen", vermutlich bezieht sich das auf die Schiffe der Marine.

An Bord der Aquarius erzählt der 28-jährige Said aus dem Sudan: "Mir wurde gesagt, dass wir in ungefähr sechs Stunden internationale Gewässer erreicht hätten, dann würde uns die italienische Marine retten. Die Hilfsorganisationen haben sie nicht erwähnt. Sie gaben uns ein Satellitentelefon und sagten uns, nach 4 Stunden sollten wir den Notruf wählen und auf uns aufmerksam machen."

Von den fünf Flüchtlingen aus Saids Gruppe, mit denen die HuffPost sprach, erwähnte nur einer eine Hilfsorganisation (das Rote Kreuz). Die anderen sprachen nur ganz allgemein von "Schiffen".

Verkompliziert wird die Situation noch durch die kritische Lage Libyens.

Derzeit gibt es in Libyen zwei Parlamente und drei Regierungen. Außerdem werden verschiedene Teile des Landes von unterschiedlichen Milizen kontrolliert. Einige von ihnen sind auch am Schleusergeschäft beteiligt.

Das Geld macht einen großen Anreiz des Schleusergeschäftes aus. Sollte sich aber eine andere, lukrativere Einnahmequelle auftun, würden die Schleuser ihre Geschäfte wohl anders ausrichten.

Gegenwärtig arbeiten die beiden größten Schleuser-Gangs mit den Regierungen in Libyen und Italien zusammen, um den Flüchtlingsstrom nach Europa einzudämmen. So wurde es wiederholt berichtet.

Die Schleuser haben offenbar andere Einnahmequellen ins Visier gefasst. Was auch bedeutet: Es interessiert die Schmuggler nicht, wer an Bord der Aquarius ist.

3. Die italienische Regierung und politische Kopfschmerzen

Die Beweise sind erdrückend. Wir haben Beweise, die belegen, dass Schleuser illegale Einwanderer zu einem Rettungsschiff begleiten und sich auch mit der Crew des Schiffes getroffen haben.

- Ambrogio Cartosio, Staatsanwalt in Trapani, Sizilien

Nächstes Jahr im Mai wird in Italien ein neues Parlament gewählt. Diejenigen an der Macht und auch jene, die gerne an der Macht wären, haben verstanden, dass die Flüchtlingskrise das wichtigste Thema der Wahl werden wird. Kein anderes Land in Europa ist derzeit so von der Flüchtlingskrise betroffen wie Italien.

"Die Flüchtlingskrise übt einen gewaltigen Druck auf die Innenpolitik aus", sagt Persi Paoli, Experte für Verteidigung, Sicherheit und Infrastruktur bei dem Think Tank Rand Europe, gegenüber der HuffPost.

Seit Anfang August soll eine gemeinsame Marine-Mission von Italien und Libyen den Flüchtlingsstrom eindämmen
. Die italienische Regierung unterstützt die libysche Marine und die libysche Küstenwache.

Zugleich werden Rettungsschiffe wie die Aquarius immer kritischer betrachtet. Das gipfelte im August mit der Beschlagnahmung eines Schiffes der Organisation Jugend Rettet. Der sizilianische Staatsanwalt Ambrogio Cartosio beschuldigte die Organisation, mit den Schleppern zusammengearbeitet zu haben.

Italiens Regierung versucht, die Arbeit der Hilfsorganisationen zu kontrollieren. Sie zwang sie, einen umstrittenen neuen Verhaltenskodex zu unterzeichnen. Mittlerweile haben auch deshalb eine Reihe von Hilfsorganisationen ihre Rettungsarbeit im Mittelmeer eingestellt.

"Die anstehenden Wahlen in Italien haben auch dafür gesorgt, dass das politische Klima sich merklich verändert hat. Die lebensrettende Arbeit der Hilfsorganisationen im zentralen Mittelmeer ist immer häufiger starker Polemik ausgesetzt“, sagt Jana Ciernioch, Sprecherin von SOS Méditerranée, gegenüber der HuffPost.

4. Die libysche Küstenwache

Ihr verursacht ein großes Problem. Ihr verhaltet euch wie Assistenten der Schleuser. Ihr seid Transporteure.

- Libysche Küstenwache zum Rettungsschiff Golfo Azzurro

Das obige Zitat wurde am 15. August aufgenommen und ist bezeichnend für die vielen Zusammenstöße zwischen der libyschen Küstenwache und den Hilfsorganisationen in den vergangenen Wochen.

Bei einem ernsten Zwischenfall vor wenigen Tagen wurde die Crew eines Schiffes der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms sogar beschossen.

Die Haltung der libyschen Küstenwache ist deutlich: Die Crews von Schiffen wie die Aquarius ermutigten die Schleuser und sind in libyschen Gewässern nicht willkommen.

Aber wer gehört genau zur Küstenwache und was sind ihre Motive? Darauf eine Antwort zu finden, ist schwierig in einem Land, in dem zwei Parlamente, drei Regierungen und mehrere bewaffnete Milizen miteinander um die Macht rivalisieren.

Zumindest in den Augen der internationalen Gemeinschaft ist der Präsidentschaftsrat unter dem Vorsitz von Premierminister Fayiz as-Sarradsch an der Macht. Aber die Dinge sind nicht immer so eindeutig.

Die gemeinsame See-Mission zwischen der italienischen Marine und der libyschen Küstenwache scheint zu funktionieren. Die Zahl der Menschen, die die Reise über das Mittelmeer antreten, und die Zahl der Menschen, die auf dieser Reise ihr Leben lassen, sind dramatisch gesunken.

Aber das scheint zu großen Teilen auch an den Abkommen zu liegen, die mit den zwei mächtigsten Milizen in der Stadt Sabratah geschlossen wurden. Sabratah ist einer der größten Ablegepunkte für Flüchtlingsboote.

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Mitglieder der selbsternannten Libyschen Nationalen Armee feuern Mörtelgeschosse auf Milizen in Akhribish, einem Viertel von Benghazi im Juli 2017. Quelle: Getty

Die beide Milizen, Al-Amuni und die Brigade 48, werden von zwei Brüdern aus der al-Dabashi-Familie angeführt, einer der größten Familien in der Region.

Mindestens fünf Sicherheitsbeamte und Aktivisten, die in Sabratah stationiert sind, berichteten, dass die Miliz bekannt dafür sei, Flüchtlinge nach Europa zu schleusen. Einer nannte die Brüder die "Schleuser-Könige von Sabratah".

Ein Sicherheitsbeamter, der anonym mit einem Reporter sprach, erklärte: "Die Schleuser von gestern sind die Schleuser-Jäger von heute."

"Wenn die große Liebe zwischen Italien und Libyen wieder abgekühlt ist, werden wir hier eine noch gefährlichere Situation vorfinden.“

Es gibt Beweise dafür, dass die lybische Küstenwache mit den Schleusern zusammenarbeitet.

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5. Die Menschen auf dem Mittelmeer

Wir alle haben so viel erleiden müssen. All die Menschen hier haben schon so viel hinter sich. Innerlich sind sie schon lange tot. Selbst ihre Familien halten sie für tot. Der heutige Tag ist wie eine Auferstehung.

Dieses Zitat stammt von einem 20-jährigen Kameruner, der sechs Monate in einem libyschen Gefängnis verbrachte. Im August wurde er von der Aquarius gerettet.

Er sagte zudem: "In Libyen wurden wir immer geschlagen, ohne Grund. Sie haben uns ohne Grund ins Gefängnis gesteckt. Die Gefängniswärter haben Leute getötet, dann haben sie sie in ein Loch geworfen. Sie haben das Loch nicht geschlossen, bis es voller Leichen war."

Es wird viel darüber diskutiert, ob die Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen, Wirtschaftsflüchtlinge sind, die in Europa ein besseres Leben suchen, oder ob es echte Kriegsflüchtlinge sind, die vor Verfolgung oder Schlimmerem fliehen.

Wenn sie Libyen erreichen und dort entweder verhaftet, verkauft oder zur Prostitution gezwungen werden oder für eine Überfahrt nach Europa bezahlen, dann ist ihr Status egal – sie wollen einfach nur gerettet werden.

An Bord der Aquarius erzählen die Menschen ihre außergewöhnlichen Geschichten: "In Libyen wurden wir ohne Grund geschlagen. Wenn du nach ein bisschen Wasser fragtest, wurdest du betraft", sagt Said. Er wurde vom sogenannten Islamischen Staat gekidnappt, während er durch Libyen reiste.

"Der IS fragte nach meiner Nationalität und meiner Religion und sie befahlen mir, aus dem heiligen Koran vorzulesen. Ich las, und sie ließen mich gehen", sagt er.

Und fügt hinzu: "Ich will meine Geschichte erzählen, denn ich will, dass die Menschen erfahren, was in Libyen passiert. Wenn ich irgendetwas sagen könnte, dann würde ich den Menschen sagen, nicht nach Libyen zu kommen. Wenn man einmal in Libyen ist, dann kommt man nicht mehr raus.“

"Du kannst nicht mehr nach Hause. Du kannst auf das Boot gehen, oder sterben", sagt Michael, 17 Jahre alt aus Ghana.

"Aus dem Gefängnis kommst du nicht raus, nicht mal, um Essen zu besorgen. Sie nehmen dich fest und verkaufen dich wie ein Sück Vieh", sagt der 20-jährige Anon, ebenfalls aus Ghana.

Der 34-jährige Joseph aus Nigeria sagt: "Sie nennen uns 'Sklaven'. Sie schlagen uns mit ihren Gewehren oder einem Stück Holz." Er habe gesehen, wie 19 Menschen getötet wurden, 15 seien aus Nigeria gewesen.

"Wenn sie dich kidnappen, dann befehlen sie dir, deine Familie anzurufen und nach Geld zu fragen. Wenn du von deiner Familie kein Geld bekommst, dann stecken sie dich für vier Monate ins Gefängnis. Zuerst schießen sie dir ins Bein. Dann töten sie dich, wenn du nicht zahlst", sagt er.

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost UK und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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(ll)

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