Clean Eating: Dieser Ernährungstrend hat mich krank und unfruchtbar gemacht - bitte macht nicht denselben Fehler

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  • Sarah Romero folgte dem Ernährungstrend Clean Eating und betrieb exzessiv Sport
  • Doch damit brannte sie ihren Körper völlig aus - sie litt an Herzrasen und wurde unfruchtbar
  • Auch ein Arzt warnt: Er habe Patienten erlebt, die sich mit Clean Eating fast zu Tode gehungert hätten

“Die vergangenen zehn Jahre habe ich damit verbracht, mich langsam selbst umzubringen”, sagt Sarah Romero. Die junge Frau aus dem US-Bundesstaat Utah hat über Jahre hinweg jeden Tag intensiv trainiert und ist dem Ernährungstrend Clean Eating gefolgt.

"Ich dachte wirklich, ich bin einer der gesündesten Menschen der Welt, weil ich auf meine Ernährung achtete und viel Sport machte", sagt Sarah Romero im Gespräch mit der HuffPost. Aber sie hat sich damit nicht nur selbst ausgebrannt, sondern auch krank gemacht.

Mit 22 Jahren war sie unfruchtbar und lief Gefahr, Osteoporose zu bekommen

Wie viele andere junge Frauen und Männer glaubte Sarah den Heilsversprechen der Ernährungs- und Fitness-Gurus. "Ich habe es geliebt, wie mein Körper aussah - ich war dünn und durchtrainiert. Ich habe viele Komplimente bekommen."

Dafür machte Romero jeden Tag nach dem Aufstehen eine Stunde lang Cross-Fit - ein intensives Workout. Sie ging joggen und hob Gewichte. Während viele Menschen es, wenn überhaupt, nur einmal im Monat ins Fitnessstudio schafften, trieb Sarah jeden Tag Sport "wie eine Besessene", wie sie sagt.

Auch ihre Ernährung stellte sie um: Sie verzichtete gemäß dem Clean-Eating-Trend auf verarbeitete Lebensmittel und Fertiggerichte, aß wenig Fett, Weißmehl und Zucker.

Das klingt zwar erst einmal ganz vorbildlich, aber Sarah ließ über die Jahre auch Gluten, Milchprodukte, Zucker und Eier weg. Sie bekam Magenprobleme - ihr wurde das Reizdarmsyndrom diagnostiziert. Für Sarah ein Ansporn, noch strenger auf ihre Ernährung zu achten.

Wie groß ihre Gesundheitsprobleme warten, merkte Sarah erst, als sie sich ein Baby wünschte. Sie setzte die Pille ab - doch sie bekam ihre Periode nicht. Medizinische Tests zeigten: Mit nur 22 Jahren hatte Sarah nicht nur zu wenig Geschlechtshormone in ihrem Körper - sie erhielt auch die Diagnose Osteopenie, eine Vorstufe von Osteoporose.

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Sarah interpretierte die Warnzeichen ihres Körpers falsch

Doch die junge Frau interpretierte die Warnzeichen falsch: "Ich hörte, dass Gewichtheben die Knochen stärken soll, also intensivierte ich mein Training noch. Ich dachte wirklich, ich würde meinem Körper helfen."

Mit 23 Jahren litt sie an Schmerzen in der Brust, Herzrasen und war unfruchtbar. "Ich schlief nicht gut, mein Haar wurde dünner und ich war sehr unglücklich", schreibt Sarah auf ihrem Blog.

Ein Endokrinologie riet ihr schließlich zu weniger Sport und mehr Essen. Statt Cross-Fit solle sie es lieber mit entspannendem Yoga versuchen und Gewicht zulegen. "Ich nahm etwa fünf Kilo zu - aber der Arzt konnte bei den Tests keine signifikante Verbesserungen feststellen", erzählt sie. Sarah war am Boden zerstört. Sie wollte unbedingt gesund werden und ein Kind bekommen.

“Mein Körper sollte mir wieder vertrauen"

Dann stieß sie auf das Buch "No Period. Now what?" (zu Deutsch: "Keine Periode. Was jetzt?"). Das Buch setzte sich mit der Diagnose Amenorrhoe, dem Ausbleiben der Menstruation, auseinander, das viele Ursachen haben kann. "Es kann zum Beispiel durch Mangelernährung, zu viel Sport und Stress entstehen", erklärt Sarah.

Sie fühlte sich sofort angesprochen und tauschte sich in der Facebook-Community, die die Buchautoren gegründet hatten, mit anderen Betroffenen aus. Das gab ihr Kraft und sie beschloss, ihren Lebensstil zu ändern: kein Sport mehr und alles essen, auf das sie Lust hatte.

"Mein Körper sollte mir wieder vertrauen. Ich hatte ihn jahrelang ausgebrannt - dabei war alles, was er brauchte, Essen und Ruhe." Sie nahm zu, passte nicht mehr in ihre Hosen und fühlte sich schlecht, weil sie nicht mehr ihrem Ideal entsprach.

Aber sie merkte auch, dass sie sich wieder besser fühlte, ihr Herzrasen verschwand. Nach nicht einmal einem Jahr setzte ihre Periode wieder ein. Jetzt wartet sie auf Tests, die ihr sagen sollen, ob sie ihre Fruchtbarkeit wieder erlangt hat. "Es hat funktioniert, unsere Körper sind so widerstandsfähig", sagt sie erleichtert.

Ein Ernährungstrend führt zu Mangelernährung

Sie selbst sei kein Einzelfall, betont sie. Viele Frauen hätten sich hilfesuchend an sie gewandt, als sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit ging.

Auch der britische Arzt Max Pemberton, der Menschen mit Essstörungen behandelt, schlug diesen Sommer in einem offenen Brief Alarm: "Wenn man Essstörungen behandelt, lehrt einem der Begriff Clean Eating das Fürchten." Er habe Patienten erlebt, die sich mit Clean Eating fast zu Tode gehungert hätten.

Denn hinter dem Ernährungstrend steckt nach Ansicht des Mediziners vor allem eines: Mangelernährung. Wie bei Sarah kann es dazu kommen, dass man durch die strikten Essensregeln und intensiven Workouts mehr Energie verbraucht, als der Körper zur Verfügung hat.

Da viele Anhänger des Trends dazu neigen, nur noch Gemüse zu essen, erhält ihr Körper nicht mehr genug Energie - und baut ab, statt gesünder zu werden. "Ihr Körper sucht verzweifelt nach einer Energiequelle - und fängt an, seine eigenen Muskeln zu essen", erklärt Pemberton. Der Körper sei im Notfall-Modus und die Periode falle bei vielen betroffenen Frauen aus.

Natürlich ist es gesund, auf ausreichend Bewegung und eine gute Ernährung zu achten. Das Problem ist vielmehr, dass es krank machen kann, wenn man die Regeln zu streng auslegt.

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"Wenn eure Periode ausbleibt, müsst ihr das ernst nehmen"

Sarah betont auch, dass sie weiterhin Sport und eine bewusste Ernährung für wichtig halte - aber das Maß, in dem sie es betrieben hat, habe ihr Körper nicht verkraftet. "Andere können das vielleicht - aber ich nicht, ich habe mich ausgebrannt", sagt sie.

“Wir sind zu hart mit unseren Körpern, Sixpacks sind nicht die Norm. Körper sollten auch Fett haben, aber uns wird suggeriert, dass das etwas Schlechtes ist. Ich bin in diese Falle getappt." Die sozialen Medien würden vielen Frauen das Gefühl geben, sie seien nie schön genug.

Heute ist Sarah froh, dass sie es geschafft hat, ihren Lebensstil zu ändern. "Ich denke, dass mich diese Erlebnisse darauf vorbereitet haben, Mutter zu werden - denn ich denke, ich bin eine bessere Mama, wenn ich nicht mehr von Sport und einem gesunden Lebensstil besessen bin."

Anderen Betroffenen rät sie: "Wenn eure Periode ausbleibt, müsst ihr das ernst nehmen." Und sie spricht ihnen Mut zu: "Ihr seid nicht allein, schämt euch nicht und holt euch Hilfe - zum Beispiel einen Ernährungsberater oder einen Psychologen."

Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr euch auch gerne an Sarah wenden - am besten über ihren Food-Blog oder ihren Instagram-Account.

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(lk)

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