Ein Dortmunder Obdachloser leidet tagelang unter Schmerzen - doch keiner will ihm helfen

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HOMELESS MAN
Ein Dortmunder Obdachloser leidet tagelang unter Schmerzen - doch keiner will ihm helfen (Symbolbild) | Cylonphoto via Getty Images
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  • In Dortmund fanden Streetworker einen schwer kranken Mann auf der Straße
  • Als sie einen Krankenwagen riefen, wollten die Sanitäter ihn nicht mitnehmen
  • Die Helfer mussten laut einem Medienbericht zu einer Drohung greifen, damit der Mann behandelt wurde

Man sollte meinen, dass jeder Kranke in Deutschland in Notfällen eine ärztliche Mindestversorgung bekommt.

Doch ganz so selbstverständlich scheint das nicht zu sein.

In Dortmund lag ein Obdachloser fünf Tage lang regungslos am Straßenrand - unter höllischen Schmerzen. Weil kein Krankenhaus ihn aufnehmen wollte.

Laut dem Nachrichtenportal “Der Westen” hätten ihn Streetworker nur zufällig gefunden. Der Zustand des 64-Jährigen sei kritisch gewesen, der ganze Körper sei mit Schuppenflechte bedeckt gewesen, der Mann habe sich kaum bewegen können.

"Er konnte nicht einmal aufstehen vor Schmerzen"

"Er konnte nicht einmal mehr aufstehen vor Schmerzen, deshalb hat er in eine Flasche uriniert", teilte Streetworkerin Diana Kollotzek dem Nachrichtenportal mit.

Der 64-jährige Ludwik war ihr und ihren Kollegen wohl schon bekannt. Gemeinsam engagieren sie sich ehrenamtlich im Verein “Hand in Hand für Menschen” für Obdachlose. “Ludwik ist ein lieber, freundlicher und genügsamer Mann“, berichtet Kollotzek dem Nachrichtenportal weiter.

Vor 25 Jahren soll er von Polen nach Deutschland gekommen sein. Die deutsche Staatsbürgerschaft soll er allerdings nicht haben haben - genauso wenig wie eine Krankenversicherung.

Als Ludwik länger nicht mehr beim Verein aufgetaucht sei, begannen sich die Helfer, Sorgen zu machen. Trotzdem war es nur Zufall, dass sie den geschwächten und verletzten Mann fanden.

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Kein Krankenhaus wollte ihn aufnehmen

Sie hätten einen Krankenwagen gerufen, berichtet Streetworkerin Kollotzek. Doch statt Hilfe hätten sie erstmal eine ernüchternde Absage gekommen.

"Kein Krankenhaus in Dortmund wollte ihn entgegennehmen. Solange er sich noch sprachlich äußern kann, nicht bewusstlos ist oder stark alkoholisiert, erklärt sich niemand bereit, ihn aufzunehmen", sagte Kollotzek gegenüber dem "Westen".

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Erst auf die Androhung hin, den Fall öffentlich zu machen, hätten die Sanitäter Ludwik mitgenommen und ihn in ein Krankenhaus ins wenige Kilometer entfernte Unna gebracht.

Dort wurde er behandelt und konnte sich erholen. Wie es nun jedoch mit Ludwik weitergeht, ist unklar. Er müsste dauerhaft ärztlich behandelt werden - dies kann das Krankenhaus jedoch nicht ermöglichen, berichtet der "Westen". Nach Versorgung der akuten Verletzung muss der 64-Jährige wohl wieder zurück auf die Straße.

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