Deutschlands "Crashprophet" Max Otte erklärt, warum er AfD wählt, obwohl er CDU-Mitglied ist

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MAX OTTE
Max Otte. | ullstein bild via Getty Images
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  • Der bekannte Ökonom Max Otte wählt bei der Bundestagswahl AfD
  • Dass die Partei auch Rechtsradikale hofiert, hält Otte für "das kleinere Übel im Vergleich zu Merkel" - die Kanzlerin gehöre "vor Gericht"

Die AfD gewinnt einen prominenten Wähler hinzu. "Angela Merkel ist für mich nicht wählbar", schrieb der Top-Ökonom Max Otte vor wenigen Tagen auf Twitter.

Otte ist bekannt geworden als "Prophet" der Finanzkrise, außerdem ist er CDU-Mitglied. Dass er sich in der Partei politisch nicht mehr wiederfindet, wurde in den vergangenen Monaten immer wieder klar.

Er warb für den Brexit (ein "schöner Traum"), US-Präsident Donald Trump ("bringt den Frieden") und kritisierte die Geldpolitik der EZB als "DDR im Endstadium".

"Die AfD steht für die CDU, in die ich eingetreten bin", sagt er im Gespräch mit der HuffPost.

Vier Themen seien ihm wichtig. Die Einwanderungspolitik, die Gestaltung der EU, ein Ende der Europolitik, eine konservativere Familienpolitik sowie Frieden mit Russland.

"Rechtsradikale sind das kleinere Übel"

"Bei all diesen Themen finde ich mich in der AfD wieder. Deswegen wähle ich sie", sagt er.

Die umstrittenen Äußerungen von Spitzenpolitikern der Partei sind für Otte das geringere Übel. Der AfD-Landeschef André Poggenburg sprach in einem Chat von "Deutschland den Deutschen". Björn Höcke wird vorgeworfen, die Zeit des Nationalsozialismus zu verharmlosen. Trotz dieser kritikwürdigen Vorfälle findet Otte es "erschreckend, wie die AfD medial zerrissen" werde.

"Die Rechtsradikalen sind für mich das kleinere Übel im Vergleich zu Merkel", sagt Otte dazu. "Die Partei ist zu 90 Prozent bürgerlich.“

Otte verteidigt auch die Spitzenkandidaten der Partei, Alice Weidel und Alexander Gauland.

Die angebliche E-Mail von Weidel, in der von "Bürgerkriegen durch Überfremdung" gesprochen wird, ist für Otte ein Fake. "Das kann sie nicht geschrieben haben", sagt er. Der "Welt", die über die Mail berichtete, liegt jedoch eine eidesstattliche Erklärung für die Echtheit vor.

Gauland hatte gefordert, die SPD-Staatsministerin Aydan Özoguz "in Anatolien zu entsorgen". Die Äußerungen wurden als rassistisch kritisiert, unter anderem von Vizekanzler Sigmar Gabriel.

Otte sagt dazu: "Auch Gabriel hatte gefordert, die Merkel-Regierung zu 'entsorgen'. Aufgeregt hat sich damals niemand. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen."

Da fragt man sich, ob Otte nicht auch bald in die AfD wechselt. Wenn man ihn etwa nach Merkel fragt, könnten diese Sätze auch von einem AfD-Politiker kommen.

"Merkel gehört vor Gericht"

„Merkel gehört für mich vor ein Gericht", sagt Otte, der damit eine umstrittene Forderung von Alice Weidel aufgreift.

"Merkel schädigt unser Land. Sie umgeht das Grundgesetz, in dem sie die Grenzen öffnete und den Euro rettete", sagt er. "Ich habe vor dieser Frau keinen Respekt mehr. Sie hat die Werte der CDU und dieses Landes verraten, um ihre Macht zu erhalten.“

In die AfD will er trotzdem nicht wechseln.

"Der CDU fühle ich mich eng verbunden", sagt er. "Ich werde in dieser Partei auch gebraucht – für die Zeit nach Merkel.“

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.pngInside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

(ben)

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