Künstlerin fotografiert Frauen nackt - und zeigt, wie falsch unser Bild von weiblicher Sexualität ist

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FRAU NACKT
Whitney Bell, Autorin und Aktivistin, ist Teil der Reihe "98" der Fotografin Maggie West. | Maggie West
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  • Eine Fotografin hat für ihre Installation 40 verschiedene Frauen nackt abgelichtet
  • Die Models sind Frauen verschiedener sexueller Orientierung
  • Mit dem Projekt will sie auf sexuelle Gewalt und Diskriminierung aufmerksam machen

Maggie West hat es satt, dass Frauen häufig als unschuldige, unberührte Wesen dargestellt werden. Mit ihrer Installation "98" möchte sie gegen das Klischee der weiblichen Reinheit ankämpfen - und die weibliche Sexualität in ein neues Licht rücken.

"Frauen wurden im Laufe der Geschichte so oft als Heilige dargestellt", sagt West. Unter anderem in Kirchenfenstern. Deshalb dienten West die gläsernen Kunstwerke auch als Inspirationsgrundlage.

Ihre Installation besteht aus Plexiglas, das von Stahl in 40 Dreiecke unterteilt wird. In jedem der Dreiecke befindet sich das Foto einer Frau - hinter typischen Kirchenfensterfarben.

Protest gegen sexuelle Gewalt

"Der Großteil der Heiligen waren Jungfrauen - die sind eher einen grauenhaften und gewaltvollen Tod gestorben als ihre Jungfräulichkeit zu verlieren", sagt West. Aber mit ihrem Projekt will die Fotografin den Spieß nun umdrehen.

"Anstatt sie für ihre Reinheit zu feiern, soll das Projekt Frauen für ihre Freiheit und ihre Sexualität würdigen", sagt sie. Und: "Natürlich ist das Projekt auch ein Protest gegen sexuelle Gewalt."

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Das Projekt heißt nicht ohne Grund "98"

Denn alle 98 Sekunden wird in Amerika ein Mann oder eine Frau sexuell belästigt - das zeigt eine Studie des US-Justizministeriums. Nach dieser Zahl hat West ihr Projekt benannt.

In den USA werden jedes Jahr rund 700.000 Frauen vergewaltigt oder erleben andere Formen sexueller Gewalt.

Zum Vergleich: In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 7900 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen polizeilich erfasst. 2004 veröffentlichte das Bundesfamilienministerium eine Untersuchung, nach der fast jede siebte Frau in Deutschland einmal in ihrem Leben Opfer von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung wird.

In Europa hat jede dritte Frau körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Das ist das Ergebnis einer EU-Studie aus dem Jahr 2014, für die 42.000 Frauen befragt wurden. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Straftaten schätzen Experten allerdings viel höher ein.

Mehr zum Thema: Ich wurde in der Bahn sexuell belästigt - hört auf, mir zu sagen, dass ich selbst schuld daran bin

ALLISON IS NAKED! lol @allisonraskin for @slutwalk_la #maggiewestxslutwalk

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Die Models sind sehr unterschiedlich, haben aber eine Sache gemeinsam

West hat für das Projekt 40 Frauen im Neon-Stil abgelichtet.

Die Aktfotografien sollen das zelebrieren, wofür Frauen immer wieder bloßgestellt werden: ihre Körper, ihre Sinnlichkeit und ihre sexuellen Wünsche.

Die Models, die West fotografierte, sind sehr vielfältig - von Cis- über Transgender-Frauen bis hin zu unterschiedlicher ethnischer Herkunft - aber trotzdem haben sie alle eine Gemeinsamkeit.

"Alle Frauen, ob sie Queer, Trans oder Sexarbeiterinnen sind, haben alle auf irgendeine Art und Weise Belästigung, Gewalt oder Diskriminierung erlebt", sagt die Fotografin.

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98 wird auf dem SlutWalk gezeigt

Am ersten Oktober wird das Kunstwerk das erste Mal in Los Angeles gezeigt.

An diesem Tag findet auch der dritte SlutWalk von Schauspielerin und Model Amber Rose in Los Angeles statt.

Der SlutWalk – zu deutsch Schlampenlauf – ist eine Bewegung, die auf Gleichberechtigung, die Vergewaltigungskultur, Opferbeschuldigung und Slut- und Body-Shaming aufmerksam machen soll.

Mehr zum Thema: Eine Frau wird beim Laufen fotografiert - was ein Mann über ihr Outfit schreibt, ist widerlich

Hier könnt ihr die Aufnahmen sehen und erfahren, warum die Frauen an dem Projekt teilgenommen haben (Hinweis: die Aufnahmen zeigen nackte Körper und sind deswegen nicht jugendfrei.)

arabella danger maggie west

Abella Danger

isis king maggie west

"Ich bin eine schwarze Transgender-Frau und stolz auf meinen Körper. Ich finde, ich solle die Kontrolle über ihn behalten", sagt Isis King, ein Transgender-Model. "Niemals sollte ein Opfer aufgrund der Kleidung beschuldigt werden."

tanya negin maggie west

Tanja Negin

luka fisher maggie west

"Ich sehe mich selbst als Genderqueer. In meiner Jugend wurde ich oft sexuell belästigt und mir wurde Gewalt angedroht", erzählte Luka Fisher der Fotografin. "Und das nur, weil ich nicht männlich oder heteronormativ genug bin. Ich habe heute noch Angst, das Haus zu verlassen."

caroline miner maggie west

Caroline Miner

jazzmyne robbins

"Ich wollte bei diesem Projekt teilnehmen, um zu zeigen, dass eine Frau stark und selbstsicher in ihrer Sexualität sein kann", sagt Jazzmyne Robbins. "Und das ohne etwas 'herauszufordern'. Das ist der Weg, den ich gehe."

megan lytle maggie west

Megan Lytle

alaska thunderfuck maggie west

"Wir leben in einer Zeit, in der Frauenfeindlichkeit normal ist", sagt Alaska Thunderfuck, Gewinnerin der amerikanischen Reality-Show "RuPaul Drag Race". "Der SlutWalk ist eine Möglichkeit für Frauen, zusammen zu kommen und die Kraft ihrer Sexualität zum Ausdruck zu bringen."

anna foxxx maggie west

Anna Foxxx

whitney bell maggie west

Whitney Bell, Autorin und Aktivistin, sagte West: "Eine ungenierte Frau ist schon eine mächtige Kraft - aber eine ganze Horde von Frauen, die auf die Straßen strömen, um gegen ihre Scham abzulegen, ist unaufhaltsam."

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der HuffPost US und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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