Absurde Debatte in den USA: Viele Medien haben Trump immer noch nicht verstanden - und das ist gefährlich

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Viele Medien haben Trump immer noch nicht verstanden - und das ist gefährlich | Getty
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  • In den USA ist eine Diskussion über die Loyalität des US-Präsidenten ausgebrochen
  • Es geht um einen Deal von Donald Trump - und die Frage, wie er zu seiner Partei, den Republikanern, steht
  • Eine Scheindebatte, die vor allem eines zeigt: Wie sehr Donald Trump immer noch unterschätzt wird
gepert, opportun und brutal.

Die Republikaner in den Vereinigten Staaten waren mal konservativ. Heute, nach Jahren des hysterischen Kampfes gegen Barack Obama, sind sie fundamentalistisch. Früher hießen republikanische Präsidenten Lincoln, Eisenhower, Reagan oder Bush. Heute heißen sie eben Donald Trump.

Das ist nur konsequent: Was als Tea-Party-Aufstand rechter Sonderlinge in der Partei begann, hat seinen Höhepunkt in der Wahl eines exzentrischen und radikalen Außenseiters gefunden.

Trump ist eine Schande für sein Land - und erst recht für seine Partei. Sie hat sich ihm hingegeben und seine obskure und gefährliche Präsidentschaft erst ermöglicht.

Doch jetzt fühlen sich die Republikaner wegen eines Deals des US-Präsidenten von Trump hintergangen - und in den USA ist eine absurde Debatte darüber ausgebrochen, was das bedeutet.

Trumps Deal mit den Demokraten

Was die Republikaner so aufregt: Trump hat sie brüskiert, indem er ein Abkommen mit den Demokraten in den USA geschlossen hat, das Schuldenlimit des Landes nur für drei Monate anzuheben. Die Republikaner wollten eine deutlich längere Frist aushandeln.

Besonders brisant ist, dass Trump den Deal mit den Demokraten im Oval Office schloss - vor den Augen der versammelten und geschockten republikanischen Elite.

Jetzt geht in den USA eine regelrechte Dolchstoßlegende um: Donald Trump habe die Republikaner verraten. Schlimmer noch, so heißt es bei der AP: Er sei eigentlich gar kein Republikaner, sondern ein Parteiloser. "Trump ist keiner Partei verpflichtet", schrieb sogar die "New York Times".

Der US-Präsident habe damit 150 Jahre der Zweiparteien-Regierungen beendet.

"In Wahrheit ist Trump ein Parteiloser, er hat die Präsidentschaft gewonnen, indem er eine Menge Werte der Republikaner zerstört hat", sagt Ben Domenech, Verleger der konservativen Nachrichtenseite "The Federalist", der Zeitung.

Die "NYT" zitiert zudem den auf die US-Präsidentschaft spezialisierten Politikwissenschaftler William J. Antholis von der University of Virginia: "Da ist etwas ganz klar geniales an Donald Trump. Die Frage ist, ob sich das in politischen Siegen niederschlagen wird. Wenn er so weiter macht, wird er ein Republikaner bleiben? Oder wird er zur Wiederwahl als Parteiloser antreten?"

Warum die Annahme, Trump sei parteilos, Unsinn ist

Tatsächlich ist Donald Trump kein Mann, dem man Loyalität als Stärke nachsagen könnte: Er verlangt sie von jedem seiner Untergebenen und Partner, doch selbst verspricht er sie niemandem.

Im Wahlkampf bezeichnete sich der heutige US-Präsident einmal als "einsamen Ranger". Wenige Monate nach seiner Ankündigung, sich für die Republikaner nominieren lassen zu wollen, twitterte er: "Eine neue Studie zeigt, dass 68 Prozent meiner Anhänger auch für mich stimmen würden, sollte ich mich von den Republikanern lossagen und als Parteiloser antreten."

Doch das war lange vor Trumps Nominierung zum Kandidaten, lange vor seinem Wahlsieg. Jetzt ist er Präsident der USA - und somit eigentlich das Aushängeschild der Republikaner. Er verfolgt die vielleicht radikal konservativste Regierungsstrategie, die es in den USA je gegeben hat: Ultranationalistisch, isolationistisch, marktliberal und obendrein fremdenfeindlich.

Zu glauben, dass habe nichts mit den Republikanern zu tun, ist absurd.

Zu glauben, Trump sei parteilos, bedeute zu glauben, "dass die republikanische Partei als Institution nichts mit dem Chaos und der Grausamkeit der aktuellen Regierung zu tun habe", schreibt die US-Nachrichtenseite "Vox". "Doch Trump ist gerade eben das Produkt dieser Politik der weißen Identität, welche die Republikaner überhaupt zu einer politischen Macht hat werden lassen."

Das Online-Magazin "Slate" schreibt
: "Trump hat das republikanische Dogma als sein eigenes adaptiert." Der Milliardär regiere streng nach der Doktrin der Republikaner.

Und die "Chicago Tribune" wird noch deutlicher: "Trump ist kein Parteiloser - er ist ein Narzisst."

Die Republikaner hätten einen erratischen, unberechenbaren Mann, der nur an seinem Reichtum und Ruhm interessiert sei, zur Präsidentschaft verholfen. Jetzt, wo sie nicht mehr mit dem Monster klarkommen würden, das sie geschaffen hätten, würden sie es als parteilos abstempeln wollen. "Auf keinen Fall", schreibt die "Chicago Tribune", "Trump geht auf euch, liebe Republikaner."

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Donald Trump ist Ausdruck des Zustands der republikanischen Partei

Es ist wichtig, sich diese Tatsache vor Augen zu halten: Donald Trump ist kein politisches Enigma, kein Fehler im demokratischen System der USA. Er ist vielmehr das Ergebnis einer jahrelangen Radikalisierung und Polarisierung der politischen Debatte in den Vereinigten Staaten.

Vorangetrieben haben diese vor allem die Republikaner: Mit ihrer oft vollkommen apolitischen Blockadehaltung gegen alle Vorhaben, die der schwarze Präsident Barack Obama umzusetzen versuchte. Die Basis der Republikaner wird gestellt von einer Masse weißer, erboster Menschen aus der Provinz, für die Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Kriegstreiberei kein Makel sind.

Mit Hilfe dieser Menschen hat Donald Trump die republikanische Partei unter seine Kontrolle gebracht. Die alten Eliten um Paul Ryan, Mitch McConnell und Mitt Romney schafften es nicht mehr, dem Hass an der Basis Herr zu werden - Trump hingegen befeuerte ihn gar noch. Das macht ihn so gefährlich.

Die Genetik der republikanischen Partei in den USA ist nun die reale Enttäuschung und irrationale Wut des weißen Mannes. Niemand verkörpert sie so sehr, wie Donald Trump - Republikaner durch und durch.

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(lp)

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