Ein Mann stürzt sich in Berlin von der Brücke - was die AfD daraus macht, ist einfach nur widerlich

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Ein Mann stürzt sich in Berlin von der Brücke - was die AfD daraus macht, ist einfach nur widerlich | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Falschnachrichten gehören zum politischen Handwerkszeug der AfD
  • Ein Fall aus Berlin ist allerdings besonders widerlich
  • Dort versuchten Vertreter der Partei, einen Suizidfall politisch zu instrumentalisieren, um sich als Opfer darzustellen

Es ist ein tragischer Fall. In Berlin Lichtenberg hat ein 23-jähriger Mann Suizid begangen, indem er von einer Brücke sprang.

Weil am gleichen Ort ein Plakat der AfD hing, verbreitete eine rechte Seite eine andere Version der Geschichte.

"AfD-Plakat-Zerstörer stürzt mehrere Meter in die Tiefe", schreibt etwa das Blog "Journalistenwatch". Der Mann habe das Gleichgewicht bei dem Versuch verloren, das Plakat zu zerstören.

"Trauer und Wut"

Dass es sich dabei um eine Falschnachricht handelte, darauf machte zuerst der Journalist Robert Klages aufmerksam. Über den Fall berichtete daraufhin auch der ARD-Faktenfinder - da hatte sich die Falschnachricht allerdings schon wie ein Lauffeuer im Netz verbreitet.

Unter anderem, weil andere Medien am Wochenende auf den falschen Dreh reinfielen - wie der "Berliner Kurier, der den Artikel mittlerweile gelöscht hat, schreibt der ARD-Faktenfinder. Außerdem verbreiteten die AfD und ihr nahestehende Politiker die Falschnachricht in den sozialen Medien.

Karsten Woldeit, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD, machte auf Facebook die SPD-Bundestagskandidaten Kevin Hönicke für den Fall mitverantwortlich.

Er schrieb dort, er empfinde "Trauer und Wut", dass Menschen wie Hönicke "es zu verantworten haben, wenn junge Leute schwerverletzt oder gar getötet werden."

Steinbach hat den Tweet bis heute nicht gelöscht

Mittlerweile steht darunter in einer Korrektur, dass es sich um einen Suizid handelte. Der Vorwurf an Hönicke hingegen steht immer noch dem Post. Die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach schrieb auf Twitter: "Sehe bereits Schlagzeilen, dass AfD für Unfall verantwortlich ist".

Steinbach hat den Tweet bis heute nicht gelöscht, obwohl sie unter dem Tweet Nutzer mehrmals auf auf die Falschnachricht aufmerksam machen - auch von einem AfD-Account.

Außerdem findet sich darunter viel Häme. "Ich kann mir nicht auf die Zunge beißen, aber "kleine" Sünden bestraft der liebe Gott sofort", schreibt eine Nutzerin. Ein anderer schreibt: "Oh, da hatte jemand schlechtes Karma".

Die widerliche Opfershow der AfD

Es ist nicht das erste Mal, dass Rechtspopulisten mit falschen Nachrichten auf Wählerfang gehen. Gefälschte Zitate, erfundene Zahlen, verdrehte Fakten - all das gehört zum Handwerkszeug der AfD-Fakenews-Fabrik.

Wenn sie dazu dienen, einen Suizidfall politisch zu instrumentalisieren, um sich als Opfer von Plakatrandalierern darstellen, ist das besonders fragwürdig.

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