Eine junge Mutter nahm sich das Leben - diese Botschaft ihrer Schwester sollte jeder kennen

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Kara Kovlakas nahm sich das Leben - weil sie die postnatale Depression nicht mehr ertrug. | Light for Kara
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  • Viele Frauen, die unter postnataler Depression leiden, verstecken die Krankheit - aus Angst, als schlechte Mutter zu gelten
  • Welch schlimme Folgen das haben kann, zeigt ein aktueller Fall aus den USA
  • Eine junge Mutter nahm sich dort das Leben - ihre Schwester möchte nun das Bewusstsein für die Krankheit stärken

Die Angst zu versagen. Der schreckliche Gedanke, keine gute Mutter sein zu können. Das Schamgefühl, weil man nicht so glücklich ist, wie sich das gehört, wenn man gerade ein Baby bekommen hat.

So oder so ähnlich beschreiben Frauen mit postnataler Depression, wie ihre Krankheit ihnen die eigentlich wundervolle Zeit nach der Geburt ihres Kindes zur Qual macht.

Die Angst, etwas falsch zu machen, die jede Mutter hat, wird bei ihnen übermächtig und überschattet das Elternglück. Hilfe holen sich nur wenige - sie fürchten, als schlechte Mutter stigmatisiert zu werden.

Bei manchen wird die Depression sogar so schlimm, dass sie nicht mehr leben wollen.

Mit jeder Geburt wurde Karas Zustand schlechter

Eine von ihnen ist die Amerikanerin Kara Kovlakas. Die zweifache Mutter erlitt die schreckliche Krankheit jahrelang stillschweigend.

Sie hatte schon lange, bevor ihre Kinder auf die Welt kamen, unter Depressionen und Angstzuständen gelitten. Mit jeder Geburt aber verschlimmerte sich ihr Zustand.

Vergangenen Herbst, nur einen Tag vor ihrem 33. Geburtstag, konnte sie die Krankheit nicht länger ertragen und nahm sich das Leben.

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Kara mit ihrem Mann und ihrer Tochter; Credit: Light for Kara

Karas Familie und Freunde waren am Boden zerstört. Ihre engsten Vertrauten wussten zwar, dass sie unter Angstzuständen und postnataler Depression litt. Alle anderen aber erlebten sie als liebevolle, gut gelaunte und glückliche junge Frau, die stets mit einem Lächeln durch die Welt ging.

Mehr zum Thema: Eine Mutter erklärt, welche wichtigen Symptome bei postnatalen Depressionen immer übersehen werden

“Nach außen hin war Kara eine aufgeschlossene und energiegeladene Mutter”, sagte Karas Schwester, Lauren Shrage, dem Onlineportal “Babble”. “Sie lag nicht den ganzen Tag deprimiert im Bett - sie war unterwegs und unternahm lustige Dinge mit ihren Kindern. Sie tanzte immer mit einer Energie und Leichtigkeit durchs Leben, die ansteckend war.

"Wir hatten keine Ahnung, wie groß ihr Leiden tatsächlich war"

Was kaum jemand wusste: Im Innern der jungen Mutter sah es völlig anders aus. “Sie hatte Angst, dass sie nicht gut genug ist”, sagte Lauren. “Sie hatte kaum Selbstbewusstsein. Sie nahm Medikamente gegen die Angstzustände.”

Sie und andere Familienmitglieder hätten gewusst, dass sie es schwer hatte und hätten versucht, sie zu unterstützen. “Doch wir hatten keine Ahnung, wie groß ihr Leiden tatsächlich war.”

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Credit: Light for Kara

Seit dem Tod ihrer Schwester versucht Lauren, wieder zurück ins Leben zu finden. Kara sei gleichzeitig ihre beste Freundin gewesen, sagt sie. “Ich habe keine Ahnung, wie ich ohne sie weitermachen soll. Doch ich versuche, jeden Morgen aufzustehen und mich daran zu erinnern, dass ich glücklich sein sollte. Das Leben ist so kurz und wertvoll.”

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Sie und ihre anderen Schwestern haben beschlossen, dass Karas Tod nicht umsonst gewesen sein darf - und eine Webseite ins Leben gerufen, die auf die Krankheit aufmerksam machen soll.

"Light for Kara" soll das Bewusstsein für postnatale Depression stärken

Auf “Light for Kara” bieten sie anderen Familien Rat und Unterstützung zum Thema postnatale Depression an. Die Seite sammelt Informationsmaterial und klärt über Selbstmordgefahr in Verbindung mit der Krankheit auf.

Außerdem sammeln sie Geld für Karas Kinder Aydan und Ari.

Lauren hofft, mit der Seite das Bewusstsein für mentale Krankheiten zu stärken. Sie will erreichen, dass junge Mütter sich nicht länger schuldig fühlen müssen, wenn sie nach der Geburt unter Depressionen leiden und will sie darin bestärken, offen über ihre Krankheit zu sprechen.

“Wir hoffen, dass andere Mütter Karas Geschichte lesen und dadurch den Mut bekommen, sich Hilfe zu holen”, sagte Lauren dem Portal “Babble”. “Unser Job als Familie ist es nun, Karas Mann dabei zu helfen, für die Kinder zu sorgen”, schreibt sie auf “Light for Kara” - “und sicherzustellen, dass ihre Kinder wissen, wie sehr sie sie geliebt hat.”

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(ame)

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