Schäuble verrät bei "Anne Will": Nur eine Person stand 2013 noch einer schwarz-grünen Koalition im Weg

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SCHAEUBLE
Bei "Anne Will" verrät Wolfgang Schäuble: So kurz stand Deutschland 2013 vor Schwarz-Grün | dpa
Drucken
  • Bei "Anne Will" hat Finanzminister Schäuble über die Sondierungsgespräche mit den Grünen 2013 geplaudert
  • Laut ihm hätten die Grünen nur noch zu einer Koalition zustimmen müssen

Bei "Anne Will" im ARD waren am Sonntag nur zwei Gäste eingeladen: Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Wie viel Grün steckt in Schwarz?", hieß die Frage, die Moderatorin Anne Will den beiden Politikern stellte.

Das Gespräch verlief so harmonisch, dass im Netz am Sonntagabend schon bald gewitzelt wurde: Schäuble habe in der Sendung die ersten Sondierungsgespräche für eine mögliche Koalition mit den Grünen nach der Wahl geführt.

Der Finanzminister plauderte so auch einige vertrauliche Geschichten zwischen der Union und den Grünen aus. Gerade seine Schilderungen der Sondierungsgespräche nach der letzten Bundestagswahl zeigten: Schon 2013 steckte viel Grün in Schwarz.

"Die Grünen haben sich verweigert"

Über Stunden verhandelten damals Mitglieder der Union mit den Grünen. Letztlich scheiterten die Koalitionsverhandlungen an den Vertretern der Öko-Partei. Doch schon damals kommentierte etwa der "Spiegel", die schwarz-grüne Annäherung sei "bemerkenswert".

Glaubt man den Erzählungen Schäubles bei "Anne Will", dann schlugen die Gespräche vor allem wegen eines Grünen-Politikers fehl: Jürgen Trittin. "Nach stundenlangen Verhandlungen hat Herr Trittin gemerkt, das könnte zu einer Koalition führen - und dann hat er eingegriffen."

Die Grünen hätten sich verweigert. Dabei hätte ihnen CSU-Chef Horst Seehofer gesagt: "Sie brauchen nur noch ja zu sagen, wir sind soweit." So schilderte Schäuble das bei "Anne Will". Am Ende habe einer der Grünen sogar noch gesagt: "Wenn sie mit der SPD gar nicht hinkommen, dann können wir nochmal telefonieren."

Für Schäuble haben die Grünen damals einen Fehler gemacht. Auch die Kanzlerin habe damals morgens um halb drei Uhr gesagt: "Es gibt Situationen in der Geschichte, da haben Sie eine offene Tür. Ich glaube, heute haben Sie eine Chance verpasst."

Am Ende ging die Union eine Koalition mit der SPD ein.

Schwarz-Grün nach der Wahl?

Der Grüne Özdemir versuchte bei "Anne Will" indes, die Verhandlungen nach der Bundestagswahl 2013 anders zu bewerten. Die Union sei den Grünen nicht entgegen gekommen. Es gehe ihm um Gestaltungswillen, nicht um Dienstlimousinen. Schäuble konterte: "Glauben Sie, ich mache Politik wegen der Dienstlimousine?"

Aber bei "Anne Will" wurde deutlich: In den vergangenen vier Jahren sind sich Union und Grüne inhaltlich noch einmal näher gekommen. Die größte Differenz dürfte nach wie vor der Umgang mit der Autoindustrie sein. Die Grünen wollen einen Ausstieg vom Diesel bis 2030, die Union ist dagegen.

Moderatorin Will fragte am Sonntag auch nach den Koalitionspräferenzen der beiden Politiker. Festlegen wollten sich natürlich weder Schäuble noch Özdemir.

"Im Wahlkampf kämpft jeder so gut wie er kann für seine Vorstellungen. Wenn die Wahl entschieden ist, dann haben die Demokraten auf der Grundlage der Wahlentscheidung die Pflicht, eine Regierung zu bilden", sagte Schäuble.

Jürgen Trittin jedenfalls dürfte bei den Verhandlungen für eine mögliche schwarz-grüne Regierung 2017 nicht mehr dazwischenfunken.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(jg)