Bundeskanzlerin Merkel will im Nordkorea-Konflikt vermitteln

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ANGELA MERKEL
Bundeskanzlerin Merkel will im Nordkorea-Konflikt vermitteln | CHRISTOPH SCHMIDT via Getty Images
Drucken
  • Kanzlerin Angela Merkel möchte in der Nordkorea-Krise als Vermittlerin eingreifen
  • Im Gespräch mit der "FAS" verwies Merkel auf das Atom-Abkommen mit dem Iran, an dessen Verhandlungen auch Deutschland erfolgreich teilgenommen habe

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist bereit, sich direkt in eine diplomatische Initiative zur Beendigung des nordkoreanischen Atomwaffen- und Raketenprogramms einzuschalten.

"Wenn unsere Beteiligung an Gesprächen gewünscht wird, werde ich sofort ja sagen", sagte die Kanzlerin in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS").

Sie verwies auf die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm, an denen Deutschland neben den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat teilgenommen hatte. Es habe sich um "eine lange, aber wichtige Zeit der Diplomatie" gehandelt, die im vergangenen Jahr zu einem "guten Ende" gekommen sei.

"Ein solches Format könnte ich mir auch für die Beilegung des Nordkorea-Konflikts vorstellen. Europa und speziell Deutschland sollten bereit sein, dazu einen sehr aktiven Teil beizutragen", sagte Merkel weiter.

Berlin in entscheidender Position für Verhandlungen

Tatsächlich befindet sich die Bundesregierung laut eigenen Angaben in einer guten Position, um im Nordkorea-Konflikt zu verhandeln. Die Regierung verweise darauf, über direkte Kontakte nach Nordkorea zu verfügen, berichtet die "FAS".

Außerdem ist Deutschland einer von wenigen Staaten, die eine Botschaft in Pjöngjang betreiben. Nordkorea ist umgekehrt mit einem Botschafter in Berlin vertreten.

Offenbar habe es auf dieser Ebene zuletzt einen intensiven Austausch gegeben, berichtet die "FAS".

Merkel wirbt offenbar für Verschärfung der Sanktionen

Die Kanzlerin positioniert sich angesichts einer intensiven Abstimmung im UN-Sicherheitsrat darüber, wie die Staatengemeinschaft auf den bisher stärksten Atomwaffentest Nordkoreas am vorigen Sonntag reagieren soll.

Merkel hat dem Bericht zufolge im Lauf der Woche schon mit den Präsidenten Frankreichs, der Vereinigten Staaten, Chinas und Südkoreas sowie dem japanischen Premierminister Shinzo Abe telefoniert. Sie warb demnach dafür, den Druck auf das Regime in Pjöngjang mittels weiterer Sanktionen zu verstärken, um dessen Bereitschaft zu erhöhen, eine friedliche Lösung auf dem Verhandlungsweg zu suchen.

Für Montagmorgen ist nach Informationen der Zeitung noch ein Telefonat Merkels mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgesehen, der sich - anders als China - gegen weiteren Druck auf Nordkorea ausgesprochen hatte.

Die USA wollen Nordkorea mit einem Öl-Embargo belegen und das Vermögen von Machthaber Kim Jong-un im Ausland einfrieren. Über einen entsprechenden Resolutionsentwurf will der Weltsicherheitsrat voraussichtlich am Montag abstimmen.

Nach Einschätzung der Bundesregierung ist China zu einer Verschärfung der Sanktionen bereit, über ein Öl-Embargo gibt es allerdings noch keine Einigung.

Die Hintergründe zur Nordkorea-Krise:

Die Welt hält Kim Jong-un für einen irren Diktator - ein Nordkorea-Experte erklärt, warum das ein schwerer Fehler ist
Die machtlose Supermacht: China hat kaum noch Einfluss auf die Entwicklungen in Nordkorea
Was passiert, wenn Kim Atomraketen schickt? Die 6 wichtigsten Fragen und Antworten
Tödliches Netzwerk: Nordkorea ist keineswegs der isolierte Staat, für den ihn viele halten
Die USA und Nordkorea drohen sich mit Krieg - doch in Südkorea bleiben die Menschen gelassen

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen