Amerika steht vor einer Katastrophe - und die grünen Trump-Hasser haben nichts Besseres zu tun, als den Zeigefinger zu erheben

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Amerika steht vor einer Katastrophe - und die grünen Trump-Hasser haben nichts Besseres zu tun, als den Zeigefinger zu erheben | Getty
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  • Vor dem Hintergrund der Verwüstungen durch Hurrikan "Irma" schieben Teile der Grünen US-Präsident Trump eine Mitschuld zu
  • Doch dass die Partei Wahlkampf auf Kosten der Menschen in Florida macht, ist nicht nur herzlos, sondern auch ziemlich dreist

Liebe Grüne in Deutschland,

während ich diese Zeilen schreibe, zieht der Hurrikan "Irma" auf die Küste Floridas zu.

Es sind noch ein paar Stunden, bis im Südosten der Vereinigten Staaten die Hölle losbricht. Windgeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern, Regenmengen in der Größenordnung des Jahresniederschlags von Berlin und eine Flutwelle, die halb Miami unter Wasser setzen könnte.

Millionen von Menschen sind geflohen. Und es steht zu befürchten, dass die Schäden immens sein werden.

Ich selbst war als junger Reporter ein Jahr nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans.

Die reicheren Bewohner waren versichert, sie ließen damals ihre zerstörten Yachten einfach im Hafen liegen und verrotten, während sie anderswo ein neues Leben anfingen. Die ärmeren Bürger aber hausten ein Jahr später immer noch in Baracken und Wohnwagen.

"Ist Trump lernfähig?"

Ganze Stadtviertel blieben auf Dauer verwüstet. In manchen Gegenden konnte man nur noch die Grundrisse der Gebäude erkennen. Und dort, wo noch Menschen lebten, waren zahlreiche Holzhäuser von den Behörden mit roter Sprühfarbe markiert und zum Abriss freigegeben worden. Es war grauenvoll, diese einst so lebensfrohe Stadt so sehen zu müssen.

Warum ich Euch das sage, liebe Grüne?

Ihr seid gerade dabei, das Leid von anderen Menschen für Euren Wahlkampf zu missbrauchen.

Zum Beispiel Bärbel Höhn, Bundestagsabgeordnete und ehemalige nordrhein-westfälische Umweltministerin. Sie schreibt auf Twitter: „Gerade die USA, deren Präsident die Klimakrise leugnet, werden nun von den Folgen der Klimakrise besonders betroffen. Ist Trump lernfähig?“

Trump ist nicht Schuld an der Erderwärmung

Mit dem Tweet verhält es sich so wie mit vielen Dingen, die man über die Jahre immer wieder von den Grünen hört: Sachlich mag das alles richtig sein. Doch Höhns Sätze zeugen von rücksichtsloser Besserwisserei und von einer schamlos nach außen getragenen Empathielosigkeit.

Nur, damit wir uns noch einmal daran erinnern, worüber wir reden: Es ist nicht auszuschließen, dass bald Menschen sterben werden. Mit ziemlicher Sicherheit zerstört dieser Sturm Existenzen. Hier geht es erst einmal nicht um Donald Trump. Sondern um Leben, Überleben und Tod.

Trumps Klimapolitik ist grundsätzlich falsch. Er selbst und auch sein Vizepräsident Mike Pence leugnen den Klimawandel. Aber nach einem halben Jahr im Weißen Haus ist Trump sicherlich nicht verantwortlich dafür, dass die aufgeheizte Atmosphäre ideale Bedingungen für die Entstehung von Hurrikans bietet.

Mehr zum Thema: Warum auf dieser Südseeinsel Trumps größte Lüge entlarvt werden könnte

Die Prozesse, die dem zu Grunde liegen, sind langfristiger Natur.

Womöglich sind Bill Clinton, Barack Obama, Gerhard Schröder, Joschka Fischer oder Tony Blair viel eher Schuld daran, dass es nun zu Stürmen dieser Intensität kommen kann. Weil sie in einer Zeit, in der die Erderwärmung noch viel besser zu stoppen gewesen wäre, viel zu wenig gegen die Emission von Treibhausgasen getan haben.

Auch die Bundestagsfraktion der Grünen hat eine Pressemitteilung zu dem Thema herausgegeben, die sich zwar etwas weniger oberlehrerhaft als die Twitter-Prosa von Frau Höhn liest, und doch auch darauf abzielt, den Hurrikan noch vor Räumung der Trümmer für die eigenen politischen Zwecke zu instrumentalisieren.

Ich erinnere mich noch an die Diskussionen im Winter, als Donald Trump zum ersten Mal versuchte, per Dekret einen Einreisestopp für Menschen aus mehrheitlich von Muslimen bewohnten Ländern zu erlassen.

Damals wurden Familien auseinander gerissen, Träume zerstört, Lebenspläne infrage gestellt. Trump wurde damals – neben Rassismus, Diskriminierung und Islamophobie – auch Herzlosigkeit vorgeworfen. Mit recht, übrigens.

Oft fällt es uns nicht auf, wie sehr wir uns selbst in politischen Auseinandersetzungen verändern. Nicht nur der Gegner bewegt sich. Auch wir selbst machen Ausfallschritte und Ausweichbewegungen, die uns am Ende an einen anderen Ort bringen, als den, an dem wir gestartet sind.

Was Donald Trump auf keinen Fall schaffen sollte: Dass seine Gegner durch die ständige Auseinandersetzung seine Gefühlskälte für sich selbst adaptieren.

Genau davon sind Teile der Grünen jedoch nicht weit entfernt: Ihr Wahlkampf auf Kosten der Menschen in Florida ist nicht nur herzlos, sondern auch ziemlich dreist.

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(mf)

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