Merkel stellt nach der Reisewarnung klar: "Zu uns kann jeder Türke reisen"

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  • Reisewarnungen für andere Länder sind in der Türkei unüblich
  • Doch im Streit mit Berlin zückt Ankara nun diese Karte und warnt Türken vor Rassismus in Deutschland
  • Kanzlerin Merkel kontert: In Deutschland würden keine Journalisten verhaftet - anders als in der Türkei

Eine "Reisewarnung" der türkischen Regierung für Deutschland hat die Krise mit Ankara weiter angeheizt und Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel hervorgerufen.

"Ich will hier ganz deutlich auch sagen: Zu uns kann jeder türkische Staatsbürger reisen", sagte Merkel bei einem Wahlkampfauftritt am Sonntag im westfälischen Delbrück. "Bei uns wird kein Journalist verhaftet, kein Journalist in Untersuchungshaft gesteckt, bei uns herrscht Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit. Und darauf sind wir stolz."

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"Reisewarnung für die Bundesrepublik Deutschland"

Die türkische Regierung hatte am Samstag eine "Reisewarnung für die Bundesrepublik Deutschland" ausgesprochen.

Darin ruft das türkische Außenministerium in Deutschland lebende oder dorthin reisende Türken zur "Vorsicht" auf. Der Schritt dürfte eine Retourkutsche für die Verschärfung der Reisehinweise des Auswärtigen Amtes für die Türkei in der vergangenen Woche sein.

Altmaier zu Yücel: "Für mich sind Sie ein Held!"

In der Türkei sind derzeit nach Angaben des Auswärtigen Amtes mindestens zehn Deutsche unter politischen Vorwürfen inhaftiert. Darunter ist etwa der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel, der am Sonntag seinen 44. Geburtstag beging.

Kanzleramtschef Peter Altmaier gratulierte ihm auf Twitter. "Für mich sind Sie ein Held", betonte der CDU-Politiker.

Gegen Yücel wurde im Februar wegen Terrorvorwürfen Untersuchungshaft verhängt, eine Anklage liegt weiterhin nicht vor. Merkel sagte zu Yücel: "Er sitzt nach unserer Meinung völlig unbegründeterweise im Gefängnis."

Das Auswärtige Amt erlässt Reisewarnungen nach eigenen Angaben nur, "wenn in einem bestimmten Land jedem Deutschen eine akute Gefahr für Leib und Leben droht."

Eine Reisewarnung für die Türkei hätte schwerwiegende Folgen

Die Grünen und die Linke fordern eine Reisewarnung für die Türkei. Diese hätte schwerwiegende Konsequenzen für Ankara: Zwar ist die Türkei unter deutschen Touristen nicht mehr so beliebt wie vor der Krise, dennoch stellen Bundesbürger nach den Russen immer noch die größte Urlaubergruppe im Land.

Allerdings könnten deutsche Firmen dann kaum noch Vertreter in die Türkei entsenden. Unklar ist auch, ob und wie deutsche Versicherungen Bundesbürger in der Türkei unter diesen Umständen noch versichern würden.

Das türkische Außenministerium ruft nicht dazu auf, Deutschland zu verlassen - was angesichts von knapp drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln auch unrealistisch wäre.

Zwar handelt es sich bei der "Reisewarnung" augenscheinlich um ein politisches Manöver. Dessen ungeachtet beklagen Türken in Deutschland aber tatsächlich eine wachsende Fremden- und Türkeifeindlichkeit.

Deutschtürken kritisieren auch, dass sie für die Politik von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mitverantwortlich gemacht würden - und zwar unabhängig von ihrer eigenen politischen Haltung.

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