"Sprache des nackten Faschismus": Politiker und Medien sind schockiert von Weidels angeblicher E-Mail

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WEIDEL
"Höcke rechts überholt": Politiker und Medien sind schockiert von Weidels angeblicher E-Mail | dpa
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  • Politiker und Journalisten reagieren schockiert auf die angebliche E-Mail von AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel
  • Das Bild von Weidel als gemäßigte AfD-Politikerin beginnt zu bröckeln

Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel galt in manchen Medien als gemäßigte Vertreterin ihrer Partei. Eine nun aufgetauchte E-Mail, die von der AfD-Politikerin stammen soll, könnte dieses Bild ändern.

In der Nachricht aus dem Jahr 2013 werden Regierungspolitiker als "Schweine" und "Marionetten" bezeichnet, von "Überfremdung" ist die Rede. Der "Welt am Sonntag" liegt die E-Mail vor, Weidel bestreitet, die Verfasserin zu sein.

Auch wenn die Frage der Echtheit noch nicht geklärt ist, der Inhalt der E-Mail hat Politiker wie Journalisten schockiert.

"Das ist die Sprache des nackten Faschismus"

"Wer so etwas verfasst, sollte nicht in ein demokratisches Parlament gewählt werden", schreibt "Stern"-Herausgeber Andreas Petzold auf Twitter.

Der österreichische Journalist Thomas Mayer kommentiert knapp: "Das ist die Sprache des nackten Faschismus".

"Handelsblatt"-Journalist Dietmar Neuerer schreibt auf Twitter: "Dass AfD-Weidel noch Höcke rechts überholen könnte, hätte ich nicht für möglich gehalten."

Die CDU-Politikerin Serap Güler schreibt: "Beschämend, dass nach 32 Jahren wieder eine Partei mit diesem Gedankengut im Bundestag sitzen wird. Muss jedem 'Protestwähler' zu denken geben."

Hanning Voigts, Journalist bei der "Frankfurter Rundschau", twittert ironisch: "WAS? Alice Weidel, die große Menschenfreundin und profilierte Liberale, soll 2013 eine rassistische E-Mail verfasst haben?"

Kosmopolitin oder Wutbürgerin?

Wegen ihrer Vergangenheit als Mitarbeiterin bei der Vermögensverwaltung Allianz Global Investors galt die promovierte Volkswirtin Weidel als gemäßigt und liberal. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bezeichnete sie in einem Porträt vor ihrer Nominierung als AfD-Spitzenkandidatin als Prototypen "einer kosmopolitischen Enddreißigerin".

Doch ein Blick auf ihr Facebook-Profil zeigte damals schon, dass "stramm konservativ" für Weidels Positionen noch eine Untertreibung ist. Sie verbreitet dort falsche Fakten, hetzt gegen Muslime und Flüchtlinge.

Zuletzt sorgte Weidel für Schlagzeilen, weil sie eine ZDF-Sendung vor laufenden Kameras verließ oder ein Interview mit Journalisten nach nur wenigen Minuten abbrach.

Auch die Abgrenzung von rechtsextremen Elementen in ihrer Partei scheute sie zuletzt mehrfach.

Weidel teilt ebenfalls radikale Ansichten über die Bundesregierung, wie sie die AfD seit längerem vertritt. Kürzlich forderte sie etwa, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll nach der Wahl vor ein Gericht gestellt werden. In der Euro-Krise und mit ihrer Flüchtlingspolitik habe Merkel mehrere Rechtsbrüche begangen.

Der Bundesvorstand der AfD hatte bereits im Oktober 2015 wegen "Einschleusung von Ausländern" erfolglos Strafanzeige gegen Merkel gestellt.

"Ich gebe ganz offen zu und muss mir auch sehr oft anhören: Ich bin eine typische Wutbürgerin", zitiert die "Welt am Sonntag" aus einer Wahlkampfrede der AfD-Politikerin Ende August.

Die Ansichten einer "typischen Wutbürgerin" vertritt sie also seit Längerem. Laut der angeblichen E-Mail schon seit 2013, als sich Weidel noch für den AfD-Vorläufer "Wahlalternative 2013" engagierte.

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