FDP-Chef Lindner kommt Putin einen weiteren Schritt entgegen

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Christian Lindner bei einem Wahlkampfauftritt | Omer Messinger via Getty Images
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  • Christian Lindner streckt die Hand Richtung Moskau aus
  • Putin solle wieder in den Kreis der G8-Staaten aufgenommen werden, fordert er

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner plädiert dafür, Russland wieder in den Kreis der G8-Staaten aufzunehmen.

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" verlangte Lindner mehr Dialogbereitschaft und Konsequenz in der Russlandpolitik:

"Wenn Russland auf Militärmanöver verzichtet, die unsere osteuropäischen Partner bedrohen, wäre das ein Anlass, die G8-Staatengruppe wiederzubeleben, wenn auch anfangs nur als G7 + 1."

Lindner will entspannen und droht - ist das glaubwürdig?

Es sei besser, mit Putin zu sprechen als nur über ihn. "Wir sollten Putin die Möglichkeit eröffnen, die Sackgasse der Eskalation zu verlassen", sagte Lindner.

Der FDP-Chef forderte zugleich gegenüber Russland mehr Konsequenzen. "Wenn Russland weiter provoziert, dann muss auch der Bau der Nordstream-Pipeline gestoppt werden." Ob dieser Nachsatz wirklich glaubwürdig ist, darf allerdings bezweifelt werden.

Lindner hatte schon Anfang August gesagt, es müsse über eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland nachgedacht werden. In einem Interview sagte er damals: "Es muss Angebote geben, damit Putin ohne Gesichtsverlust seine Politik korrigieren kann." Die Sanktionen sollten "nicht erst fallen können, wenn das Friedensabkommen von Minsk vollständig erfüllt ist."

Den Krieg in der Ukraine - wo noch heute fast täglich Menschen sterben -, gelte es "einzukapseln", um "an anderer Stelle Fortschritte zu erzielen."

In Deutschland wurde Lindner für seinen Vorstoß scharf angegangen. Russische Medien feierten ihn dagegen.

Auch Gabriel fordert Kuschelkurs

Anfang September schwenkte auch Außenminister Sigmar Gabriel auf Lindners Linie um. Er erklärte: "Das Minsker Friedensabkommen über die Ukraine wird noch lange dauern", sagte Gabriel am Dienstag bei einem außenpolitischen Forum der SPD in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern.

"Es macht keinen Sinn zu warten, erst wenn das abgeschlossen ist, heben wir die Sanktionen auf. Lasst uns wenigstens einen Waffenstillstand durchsetzen und die schweren Waffen abziehen, dann als Belohnung dafür die Sanktionen aufheben und in der Ostukraine beim Wiederaufbau helfen", sagte Gabriel.

Putin hat bisher auf die Liebesgrüße aus Deutschland nicht reagiert. Seine Truppen spielen derweil an der Grenze zum Baltikum und zur Ukraine einen Atomkrieg gegen Osteuropa durch.

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