Eklat in Sachsen-Anhalt: Ex-NPD-Politiker war sogar der AfD zu rechts - also wurde er CDU-Mitglied

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Wahlplakat der AfD | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Es ist eine Politikposse, die so unglaublich ist, dass man sie sich nicht ausdenken könnte
  • In Sachsen-Anhalt hat die CDU einen Ex-NPD-Politiker und AfD-Mitarbeiter aufgenommen
  • Der Fall kommt auch für Kanzlerin Merkel zur Unzeit

Erst vor wenigen Wochen sorgte die CDU in Sachsen-Anhalt für einen Eklat, weil sie im Landtag für einen Antrag der AfD-Fraktion stimmte - gegen ihre Koalitionspartner von SPD und Grünen.

Nun sorgt ein weiterer Fall für Aufregung. Offenbar war ein Ex-NPD-Mitglied und AfD-Mitarbeiter ein Jahr lang Mitglied bei den Christdemokraten, wie die "Mitteldeutsche Zeitung" (MZ) berichtet.

Es ist eine Politikerposse, die so unglaublich ist, dass man sie sich nicht ausdenken kann.

Im Mittelpunkt der irren Geschichte steht Stefan Träger, der 2009 für die rechtsextreme NPD für den Bundestag kandidierte. Nach der Wahl wechselte er in das Wahlkreisbüro des AfD-Landtagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt im Landkreis Börde, wie die "MZ" schreibt.

Der Chef des Kreisverbands ist gleichzeitig Landesinnenminister

Mitglied der AfD wurde Träger aber nie. Der Grund, wie "MZ" schreibt: Träger war der AfD zu rechts. Die Partei schließt laut Satzung die Aufnahme von ehemaligen Mitgliedern extremistischer Organisationen aus. Daraufhin entschloß sich Träger laut "MZ", einen Onlineantrag für die CDU-Mitgliedschaft auszufüllen.

Mit Erfolg. Weil sich keiner für seine Vergangenheit interessiert, nimmt ihn der CDU-Kreisverband ohne Bedenken auf, schreibt die "MZ".

"Tagsüber verdient Träger sein Geld bei der AfD, nach Feierabend sieht er sich als Christdemokrat", beschreibt die "MZ" die paradoxe Situation.

Dabei wurde über den Fall Träger in den lokalen Medien berichtet, eine einfache Google-Suche hätte laut "MZ" genügt, um die Vergangenheit des Mannes zu klären.

Für die CDU maximal peinlich

Besonders heikel: Die Verantwortung für den Beitritt liegt nicht bei irgendwem, sondern bei Holger Stahlknecht, der nicht nur Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes ist, sondern auch Innenminister von Sachsen-Anhalt.

Der Fall ist für die CDU maximal peinlich. Nicht nur für den Kreisverband. Die Partei muss sich ohnehin schon dafür rechtfertigen, mit der AfD gemeinsame Sache zu machen.

Die umstrittene, gemeinsame Abstimmung von CDU und AfD in Sachsen-Anhalt ist längst in der Chefetage der Partei bei Kanzlerin Merkel aufgeschlagen.

Sie muss sich mitten im Bundestagswahlkampf unangenehme Fragen gefallen lassen: Ob ihre Partei auch sicher nicht mit der AfD zusammenarbeite werde, wurde sie etwa in der Sommer-Pressekonferenz gefragt.

In ihrer Antwort rügte Merkel das Abstimmungsverhalten der CDU in Sachsen-Anhalt als "politisch unklug". Die Kanzlerin wird seither nicht müde, eine Zusammenarbeit mit der AfD auszuschließen.

Die Personalie des ehemaligen NPD-Politikers Träger fiel überhaupt erst auf, weil der CDU-Verband aus Trägers Heimatort laut "MZ" Alarm schlug. Erst am Dienstag, ein Jahr nach dem Beitritt, wurde das Ex-NPD-Mitglied also aus der CDU geworfen.

Innenminister Stahlknecht verwehrt sich derweil gegen Kritik. Man könne nicht jeden Aufnahmeantrag einzeln prüfen, sagt er. Allerdings prüfen manche CDU-Lokalverbände durchaus, wen sie aufnehmen, schreibt die "MZ".

Als "keine schöne Sache" bezeichnete Landes-CDU-Generalsekretär Sven Schultze darauf den Fall. Das kann man wohl sagen.

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(ben)

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