NDR-Journalist warb dafür, Muslimen das Wahlrecht zu verbieten - jetzt fürchtet ein Mann um sein Leben

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WAHLRECHT
Michel Abdollahi warb satirisch dafür, Muslimen das Wahlrecht zu verbieten | NDR/Screenshot
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  • Der NDR-Journalist Michel Abdollahi hat in der Hamburger Innenstadt einen vermeintlichen Wahlstand aufgebaut
  • Für einen Satire-Beitrag des NDR-"Kulturjournals" stellte er ein Schild mit dem Spruch "Kein Wahlrecht für Muslime!" auf
  • Ein Schwarzer stimmte ironischerweise zu - und muss jetzt um sein Leben fürchten

Eigentlich sollte alles nur ein Satire-Beitrag für die NDR-Sendung "Kulturjournal" sein. Doch was lustig begonnen hat, nimmt gerade einen furchtbaren Verlauf.

Der NDR-Journalist Michel Abdollahi versucht, mit Satire auf gesellschaftliche Probleme hinzuweisen. Also baute er in Hamburgs Innenstadt einen vermeintlichen Wahlstand unter dem Slogan "Kein Wahlrecht für Muslime!" auf.

Ein NDR-Team filmte, was dann passierte. Und das ist erschreckend. Denn neben viel Ablehnung bekam seine Aufforderung auch Zustimmung. Auch ein schwarzer Hamburger fand Abdollahis Schild gut.

"Wie würden Sie es finden, wenn auf dem Schild stünde 'Kein Wahlrecht für Schwarze'?", fragte ihn deshalb Abdollahi.

"Das würde ich nicht gut finden", erklärte der Mann.

Das ist es, was passiert, wenn wir Hass mit Hass begegnen

Einige Zuschauer, die diese Situation im Fernsehen sahen, lachten vermutlich oder schüttelten den Kopf. Doch viele sind auch wütend geworden. Tausende fingen an, einen fremden Mann zu hassen.

Ja, Rassismus ist ein Grund, wütend zu werden. Aber es ist kein Grund, zu hassen. Denn was passiert, wenn Menschen Hass mit Hass begegnen, zeigt dieses Beispiel deutlich.

Der NDR-Fernsehbeitrag wurde Millionen Mal geklickt, geteilt, kommentiert und aufgerufen. Mittlerweile hat Abdollahi das Video gelöscht, auch in den Mediatheken ist es nicht mehr auffindbar. Denn im Internet sammelten sich Aufforderungen, den Mann zu töten, wie der Journalist nun auf seiner Facebook-Seite berichtet.

Der dunkelhäutige Mann, der eine rassistische Äußerung machte, wird jetzt selbst Opfer von Rassismus.

"Mit seiner Meinung müssen wir in einer Demokratie leben können"

"Der junge Mann traut sich nicht mehr aus seinem Haus", schreibt Abdollahi. "Er hat Angst um sich und seine Familie. Er hat Angst um sein Leben. Warum? Weil er eine Aussage getätigt hat, zugegeben eine hässliche Aussage, aber eben nur eine Aussage.

Es ist seine Meinung und mit dieser Meinung müssen wir in der Demokratie leben können. Jetzt begegnet ihr Rassismus mit noch heftigerem Rassismus und wundert euch darüber, dass Teile der Gesellschaft euch ablehnen!"

Abdollahi findet diese Doppelmoral bezeichnend für unsere heutige Zeit.

"Sie ist bezeichnend für die Diskussionskultur im Internet, bezeichnend für die aufgeladene Stimmung, die man überall spürt, bezeichnend für das Erstarken der Rechten. Das geht nicht klar. Es ist zum Kotzen!", schreibt Abdollahi.

Nun befürchtet er, dass dem Mann wegen seiner Aktion etwas passieren könnte. Wegen einer Aktion, die der Gesellschaft den Spiegel vor Augen halten sollte - und genau das wohl leider auch getan hat.

Abdollahis Appell an die Gesellschaft lautet nun:

"Bekämpft die Richtigen und bekämpft sie demokratisch, mit Hilfe von Recht und Gesetz, aber nicht durch Mord und Hetze. Sonst seid ihr keinen Deut besser als die anderen."

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(mf)

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