Ein Stift kann Krebs in zehn Sekunden erkennen - warum das ein Durchbruch wäre

Veröffentlicht: Aktualisiert:
OPERATION
Es klingt so, als könnte ein Stift die Krebsmedizin revolutionieren. | Hero Images via Getty Images
Drucken
  • US-Wissenschaftler haben den MasSpec Pen erfunden
  • Innerhalb von Sekunden soll die Vorrichtung erkennen, ob das Gewebe bösartig ist oder nicht
  • Wieso diese Erfindung die Behandlung von Krebspatienten verbessern kann

Es klingt so, als könnte ein Stift die Krebsmedizin revolutionieren. US-Wissenschaftler haben ein Gerät erfunden, das während einer Operation den Ärzten sagen kann, welches Gewebe zum Tumor gehört - und welches nicht. Und das in nur zehn Sekunden.

Die Vorrichtung erinnert dabei an einen dickeren Stift, der an ein Massenspektrometer angeschlossen ist. Was der sogenannte MasSpec Pen kann, hat die interdisziplinäre Forschergruppe nun in dem Fachmagazin "Science Translational Medicine" aufgezeigt.

Welches Problem der Krebsmedizin mit dem Stift umgangen wird

Die Idee der Wissenschaftler um Livia Schiavinato Eberlin von der University of Texas in Austin setzt an einem medizinischen Problem an: Ärzte entfernen den Tumor. Während der OP ist es jedoch schwer zu differenzieren, welches Gewebe entfernt werden muss und welches nicht. Bisher entnehmen Ärzte hierfür während des Eingriffs Proben und lassen sie pathologisch untersuchen.

Das dauere rund 15 bis 30 Minuten, sagte Sebastian Schoppmann vom Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien dem österreichischen Sender ORF. Es ist Zeit, die ein Patient unnötig in Narkose liege und in der das Infektionsrisiko steige.

Manchmal muss auch ein zweiter Eingriff in Erwägung gezogen werden.

Diese Wartezeit könnte der neue Stift drastisch verkürzen. Das würde auch helfen, dass Ärzte nicht unnötig gesundes Gewebe entfernen, was bei der derzeitigen Methodik passieren kann.

Mehr zum Thema: Die 7 bekanntesten Theorien über Krebs-Heilmittel - und welche davon Lügen sind

So funktioniert der Stift

Der MasSpec Pen untersucht die Stoffwechsel-Produkte einer Zelle. Denn: Gesunde Zellen haben einen anderen Stoffwechsel als kranke, und auch jede Krebsart hat demnach einen ganz eigenen Biomarker. Diesen nimmt der Stift mittels eines Tropfen Wassers auf und das angeschlossene Massenspektrometer liest die Informationen aus.

Innerhalb von zehn Sekunden erscheint auf einem Bildschirm das Wort "normal" oder "krebsartig". In der Datenbank befinden sich den Wissenschaftlern zufolge derzeit Analysen von 20 Krebsarten wie Brust-, Lungen-, Schilddrüsen- und Eierstockkrebs. In über 96 Prozent der Fälle seien dem Fachbericht zufolge die Test bereits zuverlässig.

Bisher gab es aber nur Tests an Mäusen. Bereits 2018 soll die neue nicht invasive Technologie bei echten Krebsoperationen getestet werden.

Und je mehr Daten dadurch erfasst werden, desto besser könnten die Ergebnisse dieses Stifts sein. Da ist sich auch der Experte aus Wien sicher.

Mehr zum Thema: Ein Junge verlor den Kampf gegen den Krebs - davor wollte er noch, dass dieses Foto geschossen wird

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Korrektur anregen