Neue Zahlen zeigen: So viel weniger als Männer verdienen Frauen in Führungspositionen

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Gender Pay Gap: Frauen werden schlechter bezahlt als Männer | gilaxia via Getty Images
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  • Das Statistische Bundesamt hat eine neue Studie zur Bezahlung und Zufriedenheit herausgebracht
  • In der haben die Forscher auch untersucht, was Männer und Frauen verdienen
  • Die Wissenschaftler sind zu dem Ergebnis gekommen, dass deutsche Frauen in Führungspositionen 24 Prozent weniger verdienen

Die Arbeit ist für viele der wichtigste Bestandteil des Lebens. Wie zufrieden die Deutschen an ihrem Arbeitsplatz sind, hat jetzt das Statistische Bundesamt in der Studie "Qualität der Arbeit - Geld verdienen und was sonst noch zählt" untersucht. Aber nicht nur das: Auch wie viele Stunden die Deutschen so arbeiten - und was sie dabei verdienen.

Ein Ergebnis sticht besonders hervor. Frauen verdienen, besonders in Leitungspositionen, deutlich weniger als Männer.

In der Studie wird der Unterschied zwischen den Einkommen als Gender Pay Gap aufgeführt. Der Gender Pay Gap ist die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes von Frauen im Verhältnis zu dem von Männern.

Der Abstand zwischen der Bezahlung zwischen Mann und Frau weist darauf hin, dass es immer noch an Gleichberechtigung fehlt. Das ist allerdings auf mehrere Ursachen zurück zu führen.

Die Wahl des Berufs ist ausschlaggebend

Einer der Gründe ist die Wahl des Beruffeldes. Das führt zu den unterschiedlichen Karriereverläufen und Verdienstunterschieden.
Das durchschnittliche Einkommen der Frauen lag 2016 mit 21 Prozent niedriger als das der Männer.

Seit 2002 ist der Einkommensunterschied beinahe gleich geblieben. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Abstand bis zum Jahr 2030 auf 10 Prozent zu senken.

In diesen Arbeitsbereichen zeigen sich die Unterschiede am meisten

Je nach Branche ist die Gehaltsdifferenz sehr unterschiedlich. Der größte Unterschied besteht bei Freiberuflern sowie im wissenschaftlichen und technischen Umfeld (31 Prozent), gefolgt von Kunst, Unterhaltung und Erholung (29 Prozent).

Darauf folgen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (28 Prozent), der Bereich Information und Kommunikation sowie das Verarbeitende Gewerbe (beide 25 Prozent). Auch im Handel sind die Verdienstunterschiede mit 23 Prozent relativ hoch.

Die geringsten Unterschiede gibt es in den Bereichen Wasserversorgung (6 Prozent) sowie Verkehr und Lagerei (7 Prozent). Allerdings sind in diesen Wirtschaftszweigen nur wenige Frauen beschäftigt.

In Leitungspositionen ist der Gender Pay Gap am höchsten

Es gibt keine Branche in der Frauen mehr verdienen als Männer. Im Jahr 2014 haben Berechnungen ergeben, dass Frauen, trotz gleicher Qualifikation und Tätigkeit, schlechter bezahlt werden.

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Wenn es um Führungspositionen geht, dann ist der Unterschied beim Gehalt von Männern und Frauen besonders hoch. In Leitungsfunktionen beträgt er laut Statistischem Bundesamt 24 Prozent, mehr als doppelt so viel wie bei Fachangestellten (11 Prozent).

Experten vermuten, dass diese Differenz durch unterschiedliche Lebensläufe von Männern und Frauen zustande kommt. Laut Bericht ist es bei Frauen wahrscheinlicher, dass durch Teilzeitarbeit, Kindererziehung oder andere familiäre Verpflichtungen eine Lücke im Lebenslauf entsteht.

Die Deutschen sind gestresst

Außerdem hat das Statistische Bundesamt festgestellt, dass 44 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen im Jahr 2015 unter einer hohen Arbeitsintensität litten - bundesweit ergibt das einen Schnitt von 40 Prozent.

Zugleich nimmt die geleistete Arbeitszeit der Voll- und Teilzeitbeschäftigten seit Jahren ab.

Insbesondere der hohe Termindruck macht mehr als der Hälfte aller Führungskräfte zu schaffen, arbeitete das Statistische Bundesamt heraus. Das Problem sei unabhängig von Stellung und Branche: Angestellte in der Anlagen- und Maschinenbedienung sowie im Handwerk leiden ähnlich stark unter einer zu hohen Termindichte.

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Die Zahl der befristeten Neuanstellungen nahm außerdem 2016 zu. Demnach bekam fast jeder zweite neu eingestellte Arbeitnehmer nur eine befristete Stelle.

Befristete Stellen nehmen zu

Der Anteil der Befristungen stieg von 41 Prozent im Jahr zuvor; er nahm im Vergleich zum Vorjahr nicht nur bei Jüngeren, sondern auch bei Arbeitnehmern mittleren und höheren Alters zu. Am stärksten stieg er bei Beschäftigten zwischen 30 und 39 Jahren.

Dass gerade 25- bis 39-Jährige oft nur befristet eingestellt werden, wertete Müller-Gemmeke als "fatal". Das sei gerade das Alter, in dem die Familienplanung eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, sagte sie. "Arbeitsverhältnisse mit Verfallsdatum machen dies aber unmöglich." Die Bundesregierung müsse die sachgrundlose Befristung abschaffen, forderte Müller-Gemmeke.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bekräftigte: "Die sachgrundlose Befristung gehört abgeschafft." Sie schaffe große Unsicherheiten.

Aus der Erhebung geht nicht hervor, wie viele Befristungen auf sachliche Gründe wie etwa Besetzung einer Stelle während einer Elternzeit zurückgehen. Auszubildende und Mini-Jobber sind bei den Zahlen, die auf eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zurückgehen, nicht mitgerechnet.

Dieses Video der "Tagesschau" erklärt euch in einer Minute den Gender Pay Gap:

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Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(ks)

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