Arbeitsministerin Nahles: "2020 hat jeder zweite Flüchtling einen Job"

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German Labour Minister Andrea Nahles attends the weekly cabinet meeting at the Chancellery in Berlin, Germany April 12, 2017. REUTERS/Hannibal Hanschke | Hannibal Hanschke / Reuters
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  • In drei Jahren könnte jeder zweite Flüchtling in Deutschland einen Job haben - wenn es gut läuft
  • Das ist die Prognose von Arbeitsministerin Nahles
  • Sie ist enttäuscht vom Engagement der Wirtschaft

Wenn man so will, ist es die Königsdisziplin der Integration: die Aufnahme von Migranten in den Arbeitsmarkt. Wer Arbeit hat, ist höchstwahrscheinlich angekommen und angenommen, wirtschaftlich und sozial.

Was die Integration der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt angeht, warnt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) allerdings vor Euphorie. "Wenn es ausreichende Mittel in der Arbeitsmarktpolitik gibt und Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen, wird 2020 jeder Zweite Arbeit haben. Das wird ein anstrengender Langstreckenlauf“, sagte sie im Interview mit der "Wirtschaftswoche".

"Seit 2015 haben wir 149.000 Flüchtlinge in sozialversicherte Jobs vermitteln können, dazu kommen rund 54.000 Minijobs“, sagte Nahles. Wie viele nicht in Jobs kamen, obwohl sie einen suchten, geht aus dem Bericht nicht hervor.

"Aber bisher waren das die Geflüchteten, die gut ausgebildet waren, Englisch konnten. Künftig wird es schwerer.“

Das DIW Berlin hat kürzlich eine Umfrage unter erwachsenen Flüchtlingen durchgeführt, die 2013 bis Januar 2016 nach Deutschland kamen. Demnach haben
  • 11 Prozent noch nie eine Schule besucht
  • 11 Prozent Grundschulbildung
  • 35 Prozent einen Abschluss einer weiterführenden Schule
  • 12 Prozent ein FH-Studium
  • 8 Prozent eine Berufsausbildung - davon hat ein Drittel die Anerkennung der Qualifikation beantragt, etwa die Hälfte von diesen hat einen positiven Bescheid erhalten.

Experten sehen deshalb insbesondere in der beruflichen Bildung große Baustellen.

Nahles enttäuscht von der Industrie

Nahles zeigte sich enttäuscht vom Einsatz der Industrie bei der Einstellung von Flüchtlingen. "Am Handwerk kann man sehen, was mit großem Engagement möglich ist. Überall sonst fehlt mir Ambition“, sagte Nahles der "Wirtschaftswoche".

Seit dem Wegfall von bürokratischer Hürden, haben besonders Handwerksbetriebe einige ihrer offenen Stellen mit Flüchtlingen besetzt.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" etwa hatte im Frühling 2016 die 30 größten Dax-Unternehmen befragt, wie viele Flüchtlinge sie als Festangestellte beschäftigten: Es waren nur 54 Menschen - davon 50 bei der Deutschen Post.

Mecklenburg setzt auf Joblotsen

Mecklenburg-Vorpommern setzt nun auf 22 Joblotsen, die den Flüchtlingen helfen sollen, wie am Donnerstag bekannt wurde. Sie sollen sowohl Arbeitgeber als auch Flüchtlinge beraten.

Laut der Schweriner Volkszeitung waren von den 2480 dort lebenden Flüchtlingen nur etwa 500 in Job vermittelt worden.

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(tb)

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